Rechtspopulisten im Schulterschluss Petrys AfD sucht die Nähe zu Straches FPÖ

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„Historischer Akt“: AfD-Chefin Frauke Petry und der Vorsitzende der FPÖ, Heinz-Christian Strache. Foto: dpa„Historischer Akt“: AfD-Chefin Frauke Petry und der Vorsitzende der FPÖ, Heinz-Christian Strache. Foto: dpa

Düsseldorf. Österreichs Gesicht der Rechten, „HC“ Strache, teilt sich bei einem Kongress in Düsseldorf eine Bühne mit der AfD-Vorsitzenden Frauke Petry. Er nennt das Treffen einen „historischen Akt“. Zum Schusswaffengebrauch an deutschen Grenzen habe Petry nur auf die Rechtslage verwiesen, sagt sie. Vor dem Veranstaltungsgebäude zeigen Hunderte Menschen einen bunten Protest.

Als Heinz-Christian Strache den Gipfel seiner Tiraden erreicht, bricht die geballte Verbitterung aus seinen Zuhörern heraus. „Merkel muss weg!“, hallt es unter rhythmischem Beifall und stehenden Ovationen im Düsseldorfer Congress-Center. „Merkel muss weg!“ – ein Sprechchor wie im Fußballstadion.

Heinz-Christian Strache, der sich selbst lieber „HC“ nennt, ist der Vorsitzende der Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ). Er gilt als das Gesicht der Rechten in seiner Heimat. Nun ist er in die nordrhein-westfälische Landeshauptstadt gereist, um sich mit der Alternative für Deutschland (AfD) und ihrer Chefin Frauke Petry die Bühne zu teilen. 850 Menschen sind gekommen, um ihm dabei zuzujubeln. Er freue sich, „die Einladung nach Düsseldorf erhalten zu haben“, sagt Strache mit einer Portion Wiener Schmäh in der Stimme. Sie sei nichts weniger als ein „historischer Akt“.

Handküsse für Petry

Ursprünglich hat die Fraktion der Europäischen Konservativen und Reformer (EKR) im EU-Parlament zu dem Kongress „Europäische Visionen – Visionen für Europa“ eingeladen. Wegen mutmaßlicher Konflikte innerhalb der EKR, genau möchte man sich nicht äußern, gehörten kurzfristig nur noch die AfD und die FPÖ zu den Gastgebern, weshalb der slowakische Europaabgeordnete Richard Sulik auf seinen angekündigten Auftritt verzichtet. Dafür verteilt FPÖ-Politiker Harald Vilimsky vor dem Schulterschluss von AfD und FPÖ verbale Handküsse an Petry. Sie solle sich nicht beirren lassen von der „Phalanx aggressiver Journalisten“.

In Sichtweite des Gebäudes versammeln sich derweil mehrere hundert Gegendemonstranten. Aufgerufen hat das Bündnis „Düsseldorf stellt sich quer“, Kirchen, Gewerkschaften und Parteien schlossen sich an. Die Veranstalter gingen von 1.000 Teilnehmern aus, sagt eine Polizeisprecherin. Der Künstler Jacques Tilly fährt seinen Mottowagen vom Rosenmontag vor, auf dem er den Gang der AfD zu einer tiefbraunen Partei nachzeichnet. Ein anderer Wagen zeigt einen Bundesadler, dessen rechter Flügel brennt. In den Flammen steht „Anschläge auf Flüchtlingsheime“. In der Messehalle schimpft ein Parteifunktionär am Mikrophon über die „abgewrackten Karnevalswagen“.

AfD-Chefin verteidigt Äußerungen zum Schusswaffengebrauch

Vor dem Kongress verteidigt AfD-Chefin Petry ihre Äußerungen zum Schusswaffengebrauch an deutschen Grenzen. Der „Mannheimer Morgen“ zitiert Petry mit den Worten, Flüchtlinge notfalls mit Gewalt von deutschem Boden fernzuhalten . So stehe es im Gesetz, und so erklärt es Petry noch mal in Düsseldorf. „Natürlich“ habe sie den Text vor Abdruck durchgesehen, allerdings hätten sie die Journalisten „ins Kreuzverhör genommen“, beklagt sie neben ihrem Lebensgefährten, dem Vorsitzenden der AfD in NRW, Marcus Pretzell.

Auf der Straße vor der Halle blockieren ungefähr 100 Antifa-Aktivisten vorübergehend die Zufahrt. „Es gibt kein Recht auf Nazi-Propaganda“, rufen einige. Zur Einstimmung auf seine Rede erklärt FPÖ-Chef Strache die „Krawallbrüder und -schwestern“ zu den „wahren Antidemokraten“. Überschwänglich lobt er dagegen Petry. Sie habe „ein Herz wie eine Löwin“.

„Invasion von Wirtschaftsflüchtlingen“

Anschließend keilt Strache los. Gegen die „Diktatur der Parteisekretariate“, gegen grüne und linke „Verbotspolitik“, gegen den „Gender-Wahn“. Ihn könne niemand zwingen, er sei heterosexuell, „und das ist gut so“, ruft er unter dem Gejohle seiner vielen männlichen Anhänger. Straches Parolen taugen sattsam für eine Pegida-Veranstaltung: „Wir wollen keine Islamisierung Europas“, genauso wenig einen EU-Beitritt der Türkei, schnaubt er und argumentiert so, wie es den Gästen gefällt: Wer wie er aus Wien stamme, der wisse, „was es heißt, zweimal eine Belagerung überstanden zu haben“.

Strache fragt, ob die Regierungsverantwortlichen in Deutschland und Österreich „bösartig oder verrückt“ seien. Er jedenfalls erlebe „im wahrsten Sinne des Wortes eine Invasion von in der Regel Wirtschaftsflüchtlingen“. In den Minuten braucht es nur noch den Hinweis auf die „naive“, ja „gemeingefährliche Einladungs- und Willkommenskultur“ von Kanzlerin Angela Merkel – bis der Saal überkocht.


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