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Erster Fall in Deutschland Staatsanwaltschaft Münster erhebt Anklage wegen Küken-Tötung

Männliche Küken werden in der Regel geschreddert oder vergast. Foto: imago stock&peopleMännliche Küken werden in der Regel geschreddert oder vergast. Foto: imago stock&people

Osnabrück. Die Staatsanwaltschaft Münster hat Anklage gegen eine Großbrüterei wegen des Massentötens männlicher Eintagsküken beim Landgericht Münster erhoben. Es ist die erste Klage dieser Art.

„Die Staatsanwaltschaft Münster hat Anklage erhoben, weil wir der Meinung sind, dass das strafbar ist“, bestätigte Staatsanwalt Heribert Beck am Samstag unserer Redaktion. Nun müsse das Landgericht über die Zulassung der Klage entscheiden.

Die Tierschutzorganisation Peta hatte den Betrieb in Senden angezeigt und bezeichnet die Klage am Samstag als „historischen Durchbruch“.

Die Tierindustrie hat für männliche Küken keine Verwendung. Sie legen keine Eier, noch setzen sie gut Fleisch an. Daher werden bundesweit jährlich rund 50 Millionen männliche Küken geschreddert oder vergast.

„Spiegel“ berichtet, dass das Töten der männlichen Küken nach der überwiegenden Auffassung zwar gegen das Tierschutzgesetz verstoße, aber gebilligt werde. Bislang habe man den Betrieben einen Verbotsirrtum zugebilligt, weswegen sie straflos blieben. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Münster sagte dem „Spiegel“, die Brüterei könne sich im aktuellen Fall aber nicht mehr darauf berufen, das Töten für rechtmäßig gehalten zu haben, da sie durch die Peta-Anzeige aus dem Jahr 2013 über die Unrechtmäßigkeit ihres Tuns informiert gewesen sei. Die Staatsanwaltschaft will die Klage, wenn nötig, „bis zum BGH tragen“, zitiert „Spiegel“ den Sprecher.

Im Herbst vergangenen Jahres beschloss der Bundesrat auf Initiative des Landes Nordrhein-Westfalen, das Töten der Küken zu verbieten. Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt hatte sich zuvor im Mai gegen ein Verbot ausgesprochen. NRW hatte das Schreddern bereits verboten, ein Gericht hob das Verbot nach einer Klage aber wieder auf. Auch Niedersachsens Landesregierung will die Praxis bis spätestens 2020 abschaffen.

Derzeit laufen Forschungsversuche, das Geschlecht der Küken bereits frühzeitig im Ei zu erkennen. Eier, aus denen männliche Küken schlüpfen würden, könnten dann aussortiert und an die Lebensmittelindustrie geliefert werden.


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