Bericht eines Türstehers Silvester: 500 Männer sollen Bielefelder Disco belagert haben

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Die Beruhigungsversuche der Polizei waren auf dem Bielefelder Boulevard nur von kurzer Dauer. Foto: Jens ReichenbachDie Beruhigungsversuche der Polizei waren auf dem Bielefelder Boulevard nur von kurzer Dauer. Foto: Jens Reichenbach

Bielefeld. Bis zu 500 Männer sollen in der Silvesternacht versucht haben, die Türen einer Diskothek am Bielefelder Boulevard zu stürmen. Der Bericht eines Sicherheitschefs auf Facebook zeigt, wie erschreckend die Geschehnisse vor Ort waren.

Von Jens Reichenbach und Jens Reddeker

Die Berichte über die Silvester-Vorkommnisse auf dem Bielefelder Boulevard werden immer erschreckender. Jetzt ist auf Facebook der Bericht eines Disko-Sicherheitschefs aufgetaucht, wie die Neue Westfälische schreibt. Demnach spielten sich vor den Diskotüren unglaubliche Szenen ab. Wir veröffentlichen den Bericht eines verantwortlichen Sicherheitschefs einer der Bielefelder Boulevard-Diskos hier in gekürzter Version:

„Direkt zu Beginn des Einlasses (gegen 20 Uhr) fiel eine ungewöhnlich hohe Zahl von arabisch sprechenden Männern mit Aufenthaltsbescheinigungen auf. Besonders auffällig waren diese durch ihren hohen Alkoholpegel und eine hohe Gewaltbereitschaft, besonders gegenüber Frauen. (...) Im Laufe der Zeit versuchten diese Männer Einlass zu unserem Club zu bekommen. Aufgrund ihres aggressiven und besonders penetranten Auftretens sowie des hohen Alkoholpegels war dies natürlich nicht möglich. Nachfolgend wurde die Stimmung merklich angespannter und die Ansammlung dieser Gruppen immer größer sowie deren Auftreten aufdringlicher und aggressiver.“

Täter reißen Frauen mit Gewalt zur Diskotür

Zu diesem Zeitpunkt spricht der Sicherheitsexperte von etwa 200 Personen, die in kleineren Gruppen immer wieder versuchten, über Absperrungen zu klettern oder im Rücken der Security in den Club zu gelangen. Als das nicht gelang, griffen die Männer zu einer anderen, rücksichtslosen Masche:

„Ihre Strategie war es, Frauen, die sich im Bereich des Boulevard aufhielten, mit Gewalt zu unserem Eingang zu reißen und ungeachtet der Gegenwehr der Frauen zu behaupten „That’s my girlfriend“ (engl.: Das ist meine Freundin, Anm. d. Red.). Obwohl diese Frauen sich wehrten und uns um Hilfe baten, fassten die Männer sie im Intimbereich an, rissen an ihrer Kleidung und behaupteten weiterhin, dass sie deren Freunde seien. Nur unter Anwendung körperlicher Gewalt, konnten wir den Frauen helfen sich zu befreien.“

Ratlose Polizei

Der Diskobetreiber rief daraufhin die Polizei um Hilfe: „Doch angesichts der extremen Verhältnisse schien auch die recht ratlos.“ Die Beruhigungsversuche der Polizei waren nur von kurzer Dauer, „da es den Beamten nicht möglich war, für längere Zeit am Boulevard zu bleiben. (...) In den folgenden Stunden verschlimmerte sich die Situation sogar noch um ein Vielfaches. Zwei junge Frauen wurden so stark bedrängt, dass sie an Blumentöpfen regelrecht eingekreist und von allen Seiten von Männern angefasst und belästigt wurden. Auch hier gelang es nur mit Gewalt, den Frauen zu helfen.“

Security-Chef schätzt Zahl der Täter auf 400

Inzwischen schätzten die Türsteher die Ansammlung der jungen Männer mit hoher Gewaltbereitschaft auf 400 bis 500 Personen. Immer wieder versuchten einzelne Gruppen durch Gewaltanwendung in die Clubs zu gelangen:

„Es wurde mit Feuerwerkskörpern auf uns geworfen, mit Raketen geschossen und mit Flaschen nach uns geworfen.“ Gegen 23 Uhr rief der Diskobetreiber erneut die Polizei - wieder ohne „signifikante Verbesserung der Situation“. Nach 20 bis 30 Minuten musste sich die Polizei nach Angaben des Türstehers wieder zurückziehen.

Verteidigung mit Reizgas und Feuerlöschern

„Gegen 0 Uhr stürmte eine nicht mehr überschaubare Zahl dieser jungen Männer mit Gewalt in Richtung Eingang, so dass es nicht mehr möglich war, unsere Position zu halten. Im engen Eingangsbereich der Disko drückten nun 50 gewaltbereite Männer in Richtung Tür, gefolgt von mehreren Hundert auf dem Boulevard.“ Da die Polizei mitteilte, derzeit nicht helfen zu können, „mussten wir uns mit Feuerlöschern, Reizgas und körperlicher Gewalt gegen die Menschenmasse verteidigen.“ Erst das zeigte vorübergehend Wirkung. Obwohl nun der Betrieb und der Einlass wieder möglich gewesen seien, so der Security-Verantwortliche, kam es „immer wieder zu Angriffen auf die Diskotüren, (sexuelle) Übergriffen auf Frauen oder Schlägereien innerhalb der Gruppen bzw. Übergriffen auf Gäste.“ Bis 7 Uhr morgens verzeichneten die Türsteher immer wieder Angriffe durch Gruppen von 10 bis 15 Personen. „Wir mussten uns mit Reizgas und Feuerlöschern durchsetzen, bis wir gegen 7 Uhr den Laden schlossen.“

„Neues Ausmaß der Gewalt“

„Zum Abschluss möchte ich erwähnen, dass Gewalt dieses Ausmaßes zwar neu für uns war, das Verhalten und Auftreten dieser südländischen Männergruppen, besonders die Übergriffe auf Frauen aber ein bekanntes und beinahe alltägliches Problem im Bereich des Boulevard geworden sind. (...) Trotz der Bemühungen einiger weniger Beamter und einer engen Zusammenarbeit, schafft es die Polizei nicht, die Lage vor Ort zu entschärfen!“

Verstärkte Präsenz der Polizei

Nach den Ausschreitungen in der Silvesternacht hat die Polizei am Wochenende im Bielefelder Bahnhofsviertel und vor allem am Boulevard verstärkt Präsenz gezeigt. Als Fazit verkündeten die Beamten zwar, dass die festgestellten Delikte und deren Anzahl „nicht auffälliger als an anderen Wochenenden“ gewesen seien, doch belegt der Bericht, dass zahlreiche Zwischenfälle auch im ostwestfälischen Nachtleben an der Tagesordnung sind. Eine Frau gab an, sexuell belästigt worden zu sein. Überdies betont die Polizei: „In den Einsatzzeiten zwischen 22 Uhr und 6 Uhr waren keine größeren Personengruppen mit Migrationshintergrund anzutreffen.“

80 Hooligans treffen sich am Bielefelder Boulevard

Am Freitag versammelten sich gegen 21.30 Uhr rund 80 von ihnen im neuen Bahnhofsviertel. „Tatsächlich wollten die mit uns nur Spielchen spielen“, sagte Einsatzleiter, Ralf Kaster: „Konspiratives Zusammenstehen und

plötzliches Weglaufen. Das kennen wir schon.“ Sie wurden schließlich von der Polizei „eng begleitet“, bis sie sich gegen Mitternacht in Kleingruppen aufteilten und abreisten. Die Bielefelder Polizei will auch an den kommenden Wochenenden das neue Bahnhofsviertel verstärkt im Auge behalten: „Zahlreiche Personen äußerten sich positiv über die Anwesenheit der Polizei“, hieß es im Polizeibericht.


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