Neue Fristen fürs Staatsexamen? Lehramtsstudenten in NRW läuft die Zeit davon

Werde ich rechtzeitig fertig? Viele Lehramtsstudenten stehen jetzt unter Druck. Foto: dpaWerde ich rechtzeitig fertig? Viele Lehramtsstudenten stehen jetzt unter Druck. Foto: dpa

Osnabrück. Lehramtsstudenten mit dem Ziel des Ersten Staatsexamens läuft in Nordrhein-Westfalen die Zeit davon. Wer noch nach der alten Lehramtsprüfungsordnung von 2003 studiert, hat im Herbst 2016 oder im Herbst darauf die letzte Möglichkeit, sein Studium mit dem Staatsexamen abzuschließen. Danach gibt es nur noch Bachelor und Master.

An der Uni Köln könnte es dramatisch werden: Rund 5000 Studenten wollen dort noch ihr Staatsexamen machen. Die Mehrheit wird das auch schaffen, vermutet Patrick Honecker, Pressesprecher der Uni Köln. „Bei 1800 wird es kritisch“, sagt er. Dass hier so viele betroffen sind, liegt auch daran, dass die Uni laut Honecker eines der größten Lehrerbildungszentren in Europa ist. Ein Drittel der insgesamt 50000 Studenten studiert auf Lehramt.

Auslauffrist verlängern

Die Uni fordert nun, die Auslauffrist um zwei Jahre bis 2019 zu verlängern. „Eine gewisse Modifikation der Fristen wird derzeit im Rahmen einer generellen Überarbeitung des Lehrerausbildungsgesetzes von 2009 mit dem Wissenschaftsministerium geprüft“, heißt es aus dem Schulministerium. „Eine generelle Aufhebung der Auslauffristen ist nicht möglich; diese würde an den Hochschulen und in Bezug auf das staatliche Landesprüfungsamt zu unbefristeten Doppelstrukturen für verschiedene Generationen von Studiengängen zwingen, die fachlich und wirtschaftlich nicht zu verantworten wäre.“

Schnelle Entscheidung gefordert

„Wichtig ist es, dass relativ schnell eine Entscheidung gefällt wird, um den Studenten Sicherheit zu geben“, sagt Honecker. Zurzeit sei es eine schwere Phase für die Studenten. Betroffen sind vor allem diejenigen, die sich während des Studiums anderweitig engagiert, ein Kind bekommen haben oder arbeiten mussten, um das Studium finanzieren zu können. „Man braucht auch Zeit, um sich kritisch mit den Themen auseinanderzusetzen, sonst macht man es nur um des Scheins Willen“, sagt Sebastian Spicker vom Studentenbündnis „Fristen kippen“.

Unterschriftenkampagne

Das Bündnis versucht mit einer bundesweit angelegten Unterschriftenkampagne zu verhindern, dass einige Studenten den angestrebten Abschluss möglicherweise nicht erreichen werden. Statt einer Verlängerung der Fristen fordern sie jedoch, diese ganz abzuschaffen. „Wenn die Fristen nur verlängert werden, sind die Probleme nicht gelöst, sondern nur verschoben“, sagen sie. Mehr als 10000 Unterschriften hat das Bündnis bereits gesammelt. Die Studenten können nicht verstehen, wie das Vorhaben NRWs, das Teilzeitstudium zu fördern, mit dieser Frist vereinbar sei.

Auch Marianne Ravenstein, Prorektorin für Lehre und Studentische Angelegenheiten der Uni Münster, ist dafür, dass die Fristen verlängert werden – in moderatem Maße: „Wir können auf Dauer beim Lehrangebot für Studierende nicht zweigleisig fahren“, sagt sie. Damit ist Ravenstein einer Meinung mit dem Ministerium. An der Uni Münster sind Stand Juni 2015 noch 616 Studenten in den Staatsexamen-Studiengängen eingeschrieben. „Wir gehen davon aus, dass viele von ihnen ihr Studium abschließen werden.“

Wechsel nicht einfach

Wer nicht rechtzeitig fertig wird, der kann zwar in den Bachelor-Studiengang wechseln. Doch das ist laut Honecker nicht so leicht. In der Studienordnung von 2009 seien viele Dinge neu. Möglicherweise müssten Seminare erneut besucht werden, weil andere Prüfungen gefordert würden. Nicht alle Leistungen könnten anerkannt werden. Und es gibt noch ein Problem: Im Master müssen angehende Lehrer ein Praxisjahr machen. Kommen zu den eigentlichen Master-Studenten viele weitere dazu, könnten die Schulkapazitäten knapp werden. „Es muss eine Platzgarantie geben“, fordert Honecker.

Letzter Termin im Winter

In Niedersachsen liegt der letzte Termin für das Erste Staatsexamen noch näher: Die Prüfung wird nur noch zum Ende des Wintersemesters 2015/16 durchgeführt, heißt es vom Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur. Den aktuellsten Daten zufolge waren im Wintersemester 2014/15 nach Angaben des Ministeriums an allen lehrerbildenden Hochschulen zusammen insgesamt 82 Studenten in auslaufenden Lehramtsstudiengängen mit dem Abschlussziel des Staatsexamens eingeschrieben. „Es ist davon auszugehen, dass der überwiegende Teil im Verlauf des zurückliegenden Studienjahres das Studium abgeschlossen oder aber von der Möglichkeit Gebrauch gemacht hat, unter Anrechnung von erbrachten Leistungen in Studiengänge der neuen Studienstruktur zu wechseln.“

An der Universität Osnabrück sind nur noch weniger als 20 Studierende in den alten Lehramtsstudiengängen eingeschrieben, an der Leibniz Universität Hannover sind es sieben. An der Uni Göttingen ist der Studiengang geschlossen. Von dort sind vier Studenten zur Prüfung im Wintersemester angemeldet.

Bielefeld war früh dran

Auch an der Uni Bielefeld sind die Studiengänge mit dem Abschluss Staatsexamen bereits ausgelaufen. Ab 2002 konnten sich Studenten nur noch für Bachelor (BA) und Master (MA) einschreiben. „Wir haben früh auf Bologna reagiert und waren mit Bochum die erste Hochschule in ganz Deutschland, die die Lehrausbildung im konsekutiven Modell (BA/MA) angeboten haben“, sagt Sandra Sieraad von der Uni Bielefeld. Weil 2009 das Lehrerausbildungsgesetz neu geregelt wurde, müssen diejenigen, die 2002 begonnen haben, 2016/17 fertig werden. Zurzeit sind noch 800 Studierende in die Master of Education-Studiengänge des Modells 2002 eingeschrieben. „Man kann davon ausgehen, dass die meisten dieses Ziel erreichen.“ 290 weitere sind noch im Bachelor dieses Studiengangs eingeschrieben.


0 Kommentare