Hunde im Tierheim aufgepäppelt Kreis Steinfurt muss 30 verwahrloste Terrier befreien



Osnabrück. Tierbesitzer im Kreis Steinfurt haben 43 verwahrloste Yorkshire-Terrier auf ihrem Grundstück gehalten. Das Veterinäramt schritt ein. 30 der Hunde kamen ins Tierheim.

Unvorstellbarer Gestank empfing die Mitarbeiter des Lengericher Tierheims auf dem Grundstück in Reckenfeld (Kreis Steinfurt). Zwei Tierbesitzer hielten dort 43 Yorkshire-Terrier in Haus und Garten. Die Hunde waren größtenteils nicht stubenrein, ungepflegt und von Ungeziefer befallen. Nicht nur nach Kot und Urin habe es gestunken, berichtet Cornelia Backhaus, Leiterin des Tierheims. „Wenn 43 Hunde auf so engem Raum leben, riecht man auch die Bakterieninfektionen.“ (Weiterlesen: 74 Hunde von Bad Essener Hof gerettet)

Ein Fall von Tierquälerei?

Durch einen Hinweis war das Veterinäramt des Kreises Steinfurt auf die Tierhalter in Reckenfeld aufmerksam geworden. Schnell war klar: Ein Großteil der Tiere konnte dort nicht bleiben. Das Amt bat das Lengericher Tierheim, sich um die Terrier zu kümmern. 30 Tiere nahmen die Mitarbeiter in Lengerich auf. 13 Terrier durften die Reckenfelder Besitzer unter strengen Auflagen behalten.

Eine falsche Entscheidung? Handelte es sich nicht um einen eindeutigen Fall von Tierquälerei? So einfach scheint es nicht zu sein. Denn: „Die Tiere waren gut ernährt. Die Besitzer zeigten sich einsichtig“, sagte eine Kreissprecherin unserer Redaktion.

„Die Halter waren komplett überfordert und haben den Überblick verloren“, glaubt Tierheim-Leiterin Backhaus. „Sie waren nicht mehr Herr der Lage, konnten sich aber nicht von den Tieren trennen.“ Immerhin seien die Rüden kastriert worden. So hätten sich die Tiere nicht weiter vermehrt.

Flohbefall und Entzündungen

In Lengerich wurden die befreiten Terrier von Tierärzten untersucht. Sie waren von Milben und Flöhen befallen, hatten Entzündungen in den Ohren, eitrige Zähne und Zahnstein. Glücklicherweise hätten sich die Entzündungen nicht auf die Organe der Tiere ausgeweitet, sagt Backhaus.

Die tierärztliche Versorgung und Pflege der 30 Terrier bedeuten für das Tierheim enorme Kosten. Für Impfungen, Chips, Zahnsanierung und Flohkuren seien inzwischen hohe vierstellige Beträge angefallen, schätzt die Leiterin. „Allein das hätten die Halter vermutlich nicht stemmen können“, sagt sie.

Neue Besitzer gesucht

Sieben der 30 Terrier konnte das Tierheim inzwischen an neue Besitzer vermitteln. Für rund 20 der Hunde werden noch neue Herrchen gesucht. „Die Tiere brauchen einige Tage Eingewöhnung und sind noch nicht stubenrein. Aber sie sind sehr menschenbezogen und angenehm“, sagt Backhaus.

Die 13 in Reckenfeld gebliebenen Hunde werden vom Landkreis beobachtet. Das Veterinäramt schrieb Tierarztbesuche vor. Regelmäßig soll kontrolliert werden, dass sich die Halter um die verbliebenen Hunde kümmern.

Auf eine Anzeige der Terrierhalter verzichtete der Kreis. „Die Vergehen bewegten sich noch im Bereich von Ordnungswidrigkeiten“, begründete die Sprecherin.

Unzumutbare Zustände auf Bad Essener Hof

Vor Kurzem hatte ein ähnlicher Fall in Bad Essen für Aufsehen gesorgt. Dort mussten 74 Hunde von einem abgelegenen Hof befreit werden. Hier waren die Hunde in unzumutbaren Zuständen gehalten worden. Polizei und Staatsanwaltschaft waren eingeschaltet.


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