Verbindungen in rechte Szene Ist ein Lehrer der Mindener Waldorfschule rechtsextrem?

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Ein Lehrer der Mindener Waldorfschule hatte Verbindungen in die rechtsextreme Szene. Foto: dpaEin Lehrer der Mindener Waldorfschule hatte Verbindungen in die rechtsextreme Szene. Foto: dpa

Osnabrück. Die Verbindungen eines Handwerkslehres in die rechtsextreme Szene spalten die Mindener Waldorfschule. Nach Einschätzung von Experten hat der Mann zwar keine rechtsextremen Texte veröffentlicht, sich aber in einem rechten Umfeld bewegt.

Schüler hatten die Waldorfschule im Herbst vergangenen Jahres darauf aufmerksam gemacht, dass der Handwerklehrer Verbindungen in die rechtsextreme Szene haben soll. Das bestätigt die Schule auf Anfrage unserer Redaktion. So hat er Texte in Verlagen veröffentlicht, die der rechten Szene nahe stehen. Außerdem hat er in der rechten Gemeinschaft „Bund deutscher Unitarier“ mitgearbeitet und ist als Vorsitzender des Trägervereins der Ahnenstätte Conneforde tätig. Die Ahnenstätte liegt in der Gemeinde Wiefelstede im Landkreis Ammerland. Der Friedhof ist dafür bekannt, dass dort viele Rechtsextreme begraben sind. Der Ahnenstättenverein wurde früher von dem NPD-Mitbegründer Alfred Manke geführt.

Hilfe bei Aufklärung

Um die Vorwürfe gegen den Pädagogen aufzuklären, hat die Schule den Vorstand der Freien Waldorfschulen (BdFWS) informiert und um Unterstützung gebeten. Der BdFWS bestätigte auf Anfrage unsere Redaktion, dass der Vorstand informiert wurde. „Rechtsextremismus in jeder Form ist nicht mit den Grundsätzen der Waldorfschule vereinbar“, sagte Henning Kullak-Ublick vom BdFWS. Aus diesem Grund empfahl der Bund der Mindener Schule den Handwerkslehrer mit sofortiger Wirkung vom Unterricht freizustellen.

Außerdem holte die Waldorfschule die „Mobile Beratung“ gegen Rechtsextremismus aus Herford mit ins Boot. „Die Schule trägt bis an die Grenzen der Erschöpfung zur Aufklärung bei“, sagt Kullak-Ublick. Die Beratungsstelle stellte am Montag dieser Woche ihren Fachbericht vor. Laut der Mindener Waldorfschule kommt die Beratungsstelle zu dem Schluss, dass die Texte des Lehrers nicht rechtsextrem, antisemitisch und nationalistisch seien.Allerdings gehe die Beratungsstelle davon aus, dass der Lehrer aufgrund seiner Tätigkeiten Kontakte in die rechte Szene hatte. Die Beratungsstelle war für eine Stellungnahme am Dienstag bisher nicht zu erreichen.

Schwierige Entscheidung

Nun muss die Waldorfschule entscheiden, wie sie mit dem Lehrer weiterhin verfährt. Zurzeit ist der Handwerkslehrer krankgeschrieben und unterrichtet nicht. „Die Entscheidung fällt uns sehr schwer“, sagte der Sprecher der Schule. „Der Lehrer ist in der Schule nie mit rechtsextremen Äußerungen aufgefallen. Im Gegenteil: Er war dafür bekannt, dass er die Individualität und Freiheit fördert“. Die Kollegen seien von den Anschuldigungen sehr überrascht gewesen. Der Lehrer ist seit fast zwanzig Jahren an der Schule tätig und beliebt bei den Schülern. Der Lehrer habe sich außerdem von jeder rechter Gesinnung distanziert. Er erkläre seine Tätigkeiten damit, dass er sich für bestimmte Ideen begeistern könne. Ob das eine Erklärung für seine Tätigkeiten sein könne, möchte die Schule nicht bewerten.

Gespaltene Meinung

Der BdFWS hält nach der Veröffentlichung des Fachberichts an seiner Forderung fest. „Auch wenn der Lehrer in der Schule nicht mit rechtsextremen Äußerungen aufgefallen ist, muss sich die Schulleitung in diesem Fall ganz klar positionieren und den Lehrer vom Unterricht freistellen“, sagt Kullak-Ulbick. Ein Pädagoge sei ein Repräsentant der Demokratie. Dies stehe im Widerspruch mit den Verbindungen des Lehrers in die rechtsextreme Szene.

Die Waldorfschule möchte sich mit Lehrern, Schülern und Eltern ein Meinungsbild machen. „Die sozialen, die aus der Entscheidung resultieren könnten, bereiten uns sorgen“, sagt der Sprecher. Denn die Meinung in der Schule sei sehr gespalten. So würden sich viele Kollegen und Schüler für den Verbleib des Lehrers aussprechen. Viele seien allerdings auch dagegen.

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