Nach tödlichen Angriff Elefant schließt im Safaripark schnell Freundschaft

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Osnabrück. Elefanten-Kuh „Baby“ hat am vergangenen Samstag einen Mann im Odenwald angegriffen. Der Mann starb infolge der Verletzungen. Der Elefant, der bis dahin in einem Zirkus lebte, wurde dem Safaripark in Schloß Holte-Stukenbrock übergeben. Dort hat sich der Dickhäuter überraschend schnell mit einem Artgenossen angefreundet.

Susanna Stubbe, Pressesprecherin des Safariparks, erklärte zu Beginn der Woche, dass man abwarten müsse, wie Baby von der Herde angenommen würde. Drei Elefanten bewohnten bis dahin das Gehege im Safaripark. „Das ist wie beim Menschen: Wenn ihnen jemand sagt, da kommt ein Fremder, der bei ihnen wohnen soll, reagieren sie auch abwartend“, sagt Stubbe.

Am Dienstag gab die Sprecherin Entwarnung. Baby sei das erste Mal ins Freigehege gelassen worden, wo sie auf ihre neuen Mitbewohner traf. „Bei Elefantin Mausi war es Freundschaft auf den ersten Blick“, sagt Stubbe. Die beiden anderen Elefanten seien zurückhaltender gewesen. Da einer der Dickhäuter ebenfalls den Namen Baby trägt, habe man die neue Bewohnerin einfach Baby 2 genannt.

Wie konnte Baby entkommen?

Bei der Polizei Heilbronn laufen derweil die Ermittlungen weiter, wie die Elefanten-Kuh aus dem Zirkus entkommen konnte, „allein hat sich das Tier nicht befreit“, sagt eine Polizeisprecherin im Gespräch mit unserer Redaktion.

Am Samstag entfernte sich das Tier aus einem Zelt, das mit einem elektrischen Zaun umspannt war. In einem nahegelegenen Wald griff Baby einen Mann an, der an den Verletzungen starb.

Zirkusbesitzer Stefan Frank äußerte gegenüber der Polizei den Verdacht, dass Tierschützer den Elefanten freigelassen hätten. Die Tierschützer wiederum hätten die Polizei auf die schlechten Haltungsbedingungen in Franks Zirkus hingewiesen, sagen die Beamten. Die Polizei Heilbronn ermittle in alle Richtungen.

Wildtierhaltung in Zirkussen in der Kritik

Die Diskussion um Wildtierhaltung in Zirkussen erhält durch den aktuellen Fall neuen Aufwind. Tierschützer kritisieren immer wieder die unwürdigen Haltungen in Zirkussen. „Kopfstand, Hinterbeinstand und so weiter – das hat mit artgerechter Haltung nichts zu tun“, sagt der Diplom-Biologe Tobias Dornbusch gegenüber der Deutschen Presseagentur. „Im Zirkus muss ein Elefant auf den Menschen hören wie ein gut dressierter Hund.“ Dafür würden Elefantenhaken eingesetzt, Mistgabeln und manchmal auch Elektroschocker. Eigentlich sei ein Elefant verhaltensgestört, wenn er sich das gefallen lasse. „Ein Elefantenhaken in verantwortlichen Händen ist ein Führinstrument wie eine Hundeleine“, entgegnet Dirk Candidus vom „Aktionsbündnis Tiere gehören zum Circus“.

In Osnabrück hat sich erst kürzlich eine Mehrheit im Rat gegen Wildtiere in Zirkussen ausgesprochen. Man wolle prüfen, ob auf kommunaler Ebene eine Auftrittserteilung für Zirkusse mit Wildtierhaltung verweigert werden könne. Das Thema werde im Ausschuss für Ordnung weiter behandelt.

Elefanten-Kuh Baby wurde laut Susanna Stubbe noch während der Zeit im Zirkus einer Langzeituntersuchung unterzogen. Tessy Albonetti, Diplom-Biologin an der Albert Ludwigs Universität Freiburg, kam dabei zu dem Ergebnis, dass das Tier sich völlig normal verhalte und keinerlei Verhaltensauffälligkeiten zeige.


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