Mutmaßliche Täter schweigen Zwei Verdächtige nach Angriff auf türkische Familie in Bielefeld

Nach einem Angriff auf eine türkische Familie hat die Polizei in Bielefeld zwei Verdächtige ermittelt. Symbolfoto: dpaNach einem Angriff auf eine türkische Familie hat die Polizei in Bielefeld zwei Verdächtige ermittelt. Symbolfoto: dpa

Osnabrück. Die Polizei hat zwei Tatverdächtige ermittelt, die am 19. April in Bielefeld eine türkische Familie rassistisch beschimpft und angegriffen haben soll. Bei dem Angriff war ein Familienmitglied schwer verletzt worden.

Am 19. April war die zehnköpfige Familie nachts auf dem Weg von einer Familienfeier zu ihrem Auto. Vor einem Parkhaus traf sie auf drei mutmaßliche Neonazis. Die zwei Männer mit Glatzen und Springerstiefeln und ihre Begleiterin beleidigten die Familie rassistisch und griffen sie an. Ein 27-Jähriger erlitt einen Nasenbeinbruch sowie eine Kieferverletzung, seine Frau und sein Bruder wurden durch Schläge leicht verletzt.

Verdächtigen schweigen

Nun habe der Staatsschutz einen 50-Jährigen sowie eine 42-Jährige aus Bielefeld als Tatverdächtige ermittelt, teilte die Polizei mit. Auf Fotos wurden die beiden wiedererkannt. – ob von Zeugen oder Mitgliedern der türkischen Familie selbst, dazu schweigen die Ermittler.

Die Polizei verhaftete die Verdächtigen bislang nicht. „Es gibt keine Haftgründe wie etwa Fluchtgefahr“, sagte Pressesprecherin Sonja Rehmert unserer Redaktion. Die Verdächtigen hätten sich bislang nicht zu den Tatvorwürfen geäußert. Sie seien der Polizei bekannt, unter anderem wegen Körperverletzungen, bestätigte Rehmert – aber nicht wegen fremdenfeindlicher Vergehen.

Fahnung nach dritter Person läuft

Die Ermittlungen des Staatsschutzes in alle Richtungen dauerten an, versicherte Rehmert. Die Bhörde fahnde weiterhin nach der dritten Person, die bei dem Angriff auf die Familie beteiligt gewesen war. Die Polizei übergab die bisherigen Ermittlungsergebnisse der Staatsanwaltschaft.

Polizei nach Tat in der Kritik

Die Polizei war nach der Tat in die Kritik geraten, weil sie womöglich einen mutmaßlich rechtsradikalen Hintergrund nicht erkannt hatte. Der Staatsschutz, zuständig für derartige Delikte, übernahm erst zwei Wochen nach der Tat die Ermittlungen. Bis dahin ermittelte die Polizei wegen einer „normalen Körperverletzung“, wie Polizeisprecher Achim Ridder unserer Redaktion bestätigt hatte.

Dabei gab es mehrere Indizien für einen fremdenfeindlichen Hintergrund: rassistische Beleidigungen, Glatzen, Springerstiefel. Polizisten hatten den Fall noch in der Nacht und vor Ort aufgenommen. Als einen Grund für die zeitliche Verzögerung nannte Ridder „Widersprüche in der Wahrnehmung“ der Polizisten, die die Körperverletzung aufgenommen hatten.

In einer Mitteilung vom Montag heißt es, für die Beamten habe es zunächst keinerlei Hinweise auf einen fremdenfeindlichen Hintergrund gegeben – „weder aufgrund der Bekleidung der Tätergruppe, noch durch Aussagen der Geschädigten und Zeugen vor Ort“. Erst aufgrund späterer Aussagen der türkischen Familie habe der Staatsschutz die Ermittlungen übernommen.


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