Kinder bei Schwulenhochzeit? Homophobie-Vorwurf: Westfalen-Blatt trennt sich von Ratgeberin

Von Jörg Sanders

Eine freie Mitarbeiterin des Westfalen-Blattes riet einem Leser, dessen Kinder nicht mit zu einer Schwulenhochzeit zu nehmen. Symbolfoto: dpaEine freie Mitarbeiterin des Westfalen-Blattes riet einem Leser, dessen Kinder nicht mit zu einer Schwulenhochzeit zu nehmen. Symbolfoto: dpa

Osnabrück. Nach einem umstrittenen Rat einer Kolumnistin hat sich das „Westfalen-Blatt“ von der Mitarbeiterin getrennt. Sie hatte einem Leser geraten, Kinder nicht mit zu einer Hochzeit zweier Männer zu nehmen.

Am Mittwoch teilte Ulrich Windolph, Redaktionsleiter des Westfalen-Blattes, in einer Stellungnahme mit, die freie Mitarbeiterin werde „fortan nicht mehr für uns schreiben, wir werden ihre Kolumne beenden“. Das Blatt entschuldigte sich für den Rat der Psychologin, den sie einem Leser gegeben hatte. „Er war fälschlicherweise mit der Redaktionsleitung nicht abgestimmt, und die Unternehmensgruppe Westfalen-Blatt distanziert sich ausdrücklich von seinem Inhalt. Zugleich trägt die Redaktion die volle Verantwortung für diese sehr gravierende journalistische Fehlleistung“, schreibt Windolph.

Vorwurf der Homophobie

Mit ihrem Rat vom 17. Mai in der Rubrik „Guter Rat am Sonntag“ in der „OWL am Sonntag“, dem Sonntagsblatt des „Westfalen-Blattes“, hatte die Mitarbeiterin im Internet viel Zorn auf sich gezogen. Zahlreiche Medien berichteten über den Fall. Denn sie hatte einem Leser geraten, seine sechs- und achtjährigen Töchter nicht mit zur Schwulenhochzeit seines Bruders zu nehmen, um sie nicht zu verwirren. „Es muss nicht sein, sechs- und achtjährige Kinder einzuladen. Ich gebe Ihnen recht, Ihre Töchter würden durcheinandergebracht und können die Situation Erwachsener nicht richtig einschätzen“, riet die Frau. Der Vorwurf der Homophobie stand im Raum.

Rat sorgt für Shitstorm

Bei Twitter wurde das Schlagwort „#westfalenblatt“ zu einem der meist genannten in Deutschland. Viele warfen der Frau Homophobie vor. Andere zeigten aber auch Verständnis für den Rat der Frau. Auf der Facebookseite des Westfalen-Blattes begrüßen die meisten Kommentatoren die Trennung. Kritische Stimmung sind die Ausnahme.

Zweite Stellungnahme

Es ist die zweite Stellungnahme des Westfalen-Blattes. Bereits am Mittwoch hatte es auf die Kritik reagiert und von einer „journalistischen Fehlleistung“ gesprochen, die die Redaktion zu verantworten hat. Windolph sagte aber auch, der Verdacht, das Westfalen-Blatt rate generell, Kinder vor Homosexuellen zu schützen, sei „geradezu absurd“. Das Blatt habe keine generelle Handlungsempfehlung abgegeben. Die Ratgeberin selbst warb in der Stellungnahme für mehr Toleranz für Intoleranz.


Die zweite Stellungnahme im Wortlaut: „Der Artikel der freien Autorin Barbara Eggert in der Sonntagszeitung ‚OWL am Sonntag‘ vom 17. Mai hätte so in keinem Fall erscheinen dürfen. Er war fälschlicherweise mit der Redaktionsleitung nicht abgestimmt, und die Unternehmensgruppe Westfalen-Blatt distanziert sich ausdrücklich von seinem Inhalt. Zugleich trägt die Redaktion die volle Verantwortung für diese sehr gravierende journalistische Fehlleistung. Wir bitten für diesen Fehler um Entschuldigung. Frau Eggert wird fortan nicht mehr für uns schreiben, wir werden ihre Kolumne beenden.“ (Quelle: Westfalen-Blatt)

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