Ermittlungen gegen Traktorfahrer Zugunglück in Ibbenbüren: Strecke wieder frei

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ngr/dpa Ibbenbüren/Münster. Nach dem Bahnunglück mit zwei Toten am Samstagmittag in Ibbenbüren ist die Streckensperrung wieder aufgehoben worden. Laut einem Sprecher der Westfalenbahn sind der Zug und der Gülletransporter von den Gleisen geschleppt worden. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den 23-jährigen Traktorfahrer.

Auch 24 Stunden nach dem bisher größten Unglück in der Geschichte der Westfalenbahn sitzt der Schock bei Thomas Kopp noch tief. „Das waren Szenen, die braucht man nie wieder im Leben“, sagte der Sprecher der Westfalenbahn am Sonntag. Der 41-jährige Lokführer und eine 18-jährige Insassin kamen bei dem Unfall ums Leben, bei dem der Zug in einen Gülleanhänger fuhr, den ein Traktor auf der Strecke Osnabrück-Rheine verloren hatte. Sechs Personen erlitten schwere Verletzungen, einem Mann gehe es mittlerweile wieder besser, sagte Kopp. 35 weitere Menschen wurden wegen Schocks behandelt.

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„Der Zug wurde Samstag noch Richtung Rheine zur Werkstatt geschleppt“, sagt Kopp. Wegen der Streckensperrung war ein Schienenersatzverkehr eingerichtet worden, der mittlerweile wieder eingestellt wurde. „Wir müssen jetzt klären, wie wir mit einem Fahrzeug weniger zurechtkommen“, sagte Kopp im Hinblick auf den Pendlerverkehr. Zugfahrer müssten sich möglicherweise darauf einstellen, dass es zu den Hochzeiten in den Zügen voller als sonst sein könnte.

Ermittlungen gegen Traktorfahrer

Die Staatsanwaltschaft ermittelt jetzt gegen den 23-jährigen Fahrer des stehengebliebenen Gülletransporters. „Der Tatvorwurf lautet gefährlicher Eingriff in den Schienenverkehr, fahrlässige Tötung und fahrlässige Körperverletzung“, sagte Oberstaatsanwältin Barbara Vogelsang. Eine zentrale Frage sei, warum der Gülleanhänger auf den Schienen stand. Die Kupplung als Verbindung zum Traktor sei dabei ein entscheidendes Detail. Ein Gutachter überprüfe das gesamte Fahrzeuggespann näher. Gleichzeitig werde unter anderem ermittelt, wie schnell der Zug fuhr und ob die Schrankenanlage samt Warneinrichtung einwandfrei funktionierte. Zudem würden Zeugen vernommen. „Das wird etwas Zeit in Anspruch nehmen“, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Münster. Der Fahrer des Traktors habe erklärt, er sei dem herannahenden Zug noch entgegengelaufen, um den Lokführer zu warnen.

Notfallseelsorger im Einsatz

Die Insassen des verunglückten Zuges – 43 Fahrgäste sollen zum Zeitpunkt des Unfalls gegen 11.31 Uhr in der Bahn gewesen sein – wurden nach dem Unglück im Dorfgemeinschaftshaus Laggenbeck untergebraucht und von Notfallseelsorgern betreut. Sie wurde im Laufe des Tages von Angehörigen abgeholt. Rund 200 Rettungskräfte und Helfer waren im Einsatz.


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