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Bahnstrecke noch gesperrt Nach tödlichem Unfall in Ibbenbüren: Polizei befragt Zeugen

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Osnabrück. Nach dem Bahnunglück mit zwei Toten in Ibbenbüren im Münsterland geht die Ermittlungsarbeit der Polizei weiter. Bei dem Unfall war am Samstag auf einem beschrankten Bahnübergang ein Personenzug mit einem Gülletransporter zusammengestoßen.

  • Bei Ibbenbüren ist um 11.31 Uhr eine Westfalenbahn mit einem Gülletransporter kollidiert.
  • Zwei Menschen sind nach Angaben der Polizei ums Leben gekommen, sechs weitere erlitten schwere Verletzungen.
  • Der verunglückte Zug war auf dem Weg von Osnabrück nach Rheine.
  • Einen Tag nach dem Unglück gehen die Ermittlungen weiter, die Polizei befragt Zeugen
  • Die Bahnstrecke ist derzeit noch gesperrt
  • Alle Details zum Unglück haben wir in einem Newsticker zusammengefasst.

Von Benjamin Beutler, Dirk Fisser, Daniel Benedict

Wie viele Opfer hat das Zugunglück gefordert?

Am Samstagmittag ist es um 11.31 Uhr zu einem schweren Zugunglück in Ibbenbüren gekommen. Beim Zusammenstoß einer Westfalenbahn mit einem Gülleanhänger sind der 41-jährige Lokführer und eine 18-jährige Frau ums Leben gekommen. Die Tote gehörte zu den Fahrgästen der Bahn. Das teilte Oberstaatsanwältin Barbara Vogelsang von der Staatsanwaltschaft Münster in einer Pressekonferenz mit. Sechs Personen erlitten schwere Verletzungen, 35 weitere wurden wegen Schocks behandelt.

Was ist passiert?

Den Angaben zufolge hat ein Traktor auf der Strecke Osnabrück-Rheine einen Gülleanhänger auf dem Bahnübergang verloren. Der Steinfurter Polizei zufolge haben sich dann die Schranken des Übergangs geschlossen und den Güllehänger auf den Gleisen blockiert. Der Traktorfahrer soll vergeblich versucht haben, den Führer der herannahenden Westfalenbahn zu warnen. Bei der Kollision hat der Triebwagen den Anhänger gerammt. Die Front des Zuges wurde vollkommen zerstört. Der havarierte Zug ist etwa 250 Meter hinter dem Bahnübergang auf einem erhöhten Bahndamm zum Stehen gekommen. Schrottteile von Bahn und Transporter verteilen sich über eine Strecke von mehreren Hundert Metern.

Das Bild vor Ort in Ibbenbüren

Erste Bilder vom Unfallort zeigen ein Szenario des Schreckens: Die Front des Zuges ist vollständig zerrissen. Auch die Seite eines der Waggons ist über mehrere Meter aufgerissen; Teile der Außenwand sind in den Waggon gedrückt und haben die Sitze umgeknickt. Ein beklemmendes Detail: Aus einigen Taschen und Rucksäcken, die über den Bahndamm verstreut liegt, gucken Kuscheltiere hervor. Das Unglück ereignete sich rund zwei Kilometer vor dem nächsten Bahnhof.

Video: Stimmen zum Zugunglück in Ibbenbüren Laggenbeck

Wo wurden die Fahrgäste nach dem Unfall untergebracht?

Insgesamt sollen sich 43 Personen in der verunglückten Westfalenbahn befunden haben. Die Fahrgäste konnten nach Angaben eines Unternehmenssprechers den Zug verlassen und wurden im Dorfgemeinschaftshaus Laggenbeck unterbracht. Hier wurden auch die Fahrgäste eines entgegenkommenden Zugs versorgt, der wegen des Unglücks angehalten werden musste. Elf Notfallseelsorger kümmerten sich um die Betroffenen, die inzwischen von Angehörigen abgeholt werden konnten. Der Sprecher der Westfalenbahn dankte den Rettungskräften. Auf seiner Facebook-Seite spricht das Unternehmen den Angehörigen der Opfer Beileid aus.

In welche Richtung gehen die Ermittlungen?

Die Staatsanwältin teilte mit, dass Trecker und Anhänger beschlagnahmt wurden. Ein besonderes Augenmerk der Untersuchung werde auf der Kupplung liegen. Auch die Schranke des Bahnübergangs werde untersucht. Vom Unglücksort wurden Luftaufnahmen gemacht.

Video: Die Pressekonferenz nach dem Zugunglück

Wer hat geholfen?

Rund 200 Helfer waren in Ibbenbüren im Einsatz. Viele reagieren mit großer Betroffenheit. Ein Großaufgebot von Rettungskräften ist am Einsatzort, die Steinfurter Leitstelle wurde von Kollegen etwa aus der Osnabrücker Leitstelle unterstützt. Die Kriminalpolizei untersucht den Unfall.

Fährt ein Schienenersatzverkehr?

Die Bahnstrecke ist wegen des Unglücks bis auf Weiteres gesperrt. Für Fahrgäste, die heute die Linie nutzen wollten, hat die Westfalenbahn einen Schienenersatzverkehr mit Bussen eingerichtet. Das Unternehmen weist daraufhin, dass Reisende wegen der längeren Fahrzeiten im Straßenverkehr mit erheblichen Einschränkungen rechnen müssen. Ein Unglück dieser Größenordnung habe die Westfalenbahn bislang noch nicht erlebt. Die Deutsche Bahn, die ebenfalls auf der Strecke fährt, leitet ihre Züge über Münster um. Reisende müssen einem Sprecher zufolge etwa eine halbe Stunde für den Umweg einplanen.


Immer wieder kommt es zu tödlichen Unfällen an Bahnübergängen. Hier ein Überblick über Fälle aus jüngerer Zeit:

Mai 2015: Auf einem unbeschrankten Bahnübergang in Schleswig-Holstein rammt ein Regionalzug das Auto einer Familie aus Hamburg. Ein fünf Jahre alter Junge kommt ums Leben.

Mai 2015: Trotz geschlossener Schranke versucht ein 52-Jähriger im Allgäu, einen Bahnübergang zu überqueren. Ein Zug erfasst und tötet ihn.

April 2015: Zwei 14 und 15 Jahre alte Schwestern sterben in Baden-Württemberg, als ein Regionalzug auf einem unbeschrankten Bahnübergang den Wagen ihrer Mutter erfasst.

Februar 2015: Mit einem technischen Defekt bleibt in Niedersachsen ein Trecker mit Gülle-Anhänger auf einem beschrankten Bahnübergang stehen. Ein Autozug rammt das Gespann, der Fahrer kommt ums Leben.

Januar 2015. Trotz geschlossener Halbschranken betritt in Rudolstadt (Thüringen) ein 62-Jähriger den Bahnübergang. Ein ICE überrollt und tötet ihn.

November 2014: An einem mit halbautomatischen Schranken gesicherten Bahnübergang auf der Strecke Lübeck-Hamburg rast eine Regionalbahn in das Auto einer 53-Jährigen. Die Frau stirbt.

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