Kritik an Versicherern NRW-Datenschutzbeauftragter Lepper warnt vor Fitness-Apps

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Rät zur „Selbstregulierung“: Nordrhein-Westfalens Datenschutzbeauftragter Lepper. Foto: dpaRät zur „Selbstregulierung“: Nordrhein-Westfalens Datenschutzbeauftragter Lepper. Foto: dpa

fpf Düsseldorf. Während Datenschützer früher in erster Linie den Einsatz von Überwachungskameras kritisiert haben, treibt sie inzwischen eher ein anderer Trend um: der freiwillige, allzu freizügige Umgang mit persönlichen Informationen. Der Datenschutzbeauftragte in Nordrhein-Westfalen, Ulrich Lepper, wundert sich dabei über ein absurdes Verhalten.

Die Sammlung von Kommunikationsvorgängen, der Informationsaustausch von Nachrichtendiensten und die Missachtung des Privatlebens - um nur drei zusammenhängende Aspekte der Enthüllungen  Edward Snowdens zu nennen - flimmern wieder heller auf dem Radar des allgemeinen Interesses. Angesichts der  BND-Affäre scheint Deutschland von einer „moralischen Führungsrolle“, wie sie der Whistleblower zuletzt gefordert hat, weit entfernt zu sein. Als nordrhein-westfälischer Datenschutzbeauftragter sieht  Ulrich Lepper die Entwicklung qua Amt mit einigem Misstrauen. So ist der „Sachverhalt“ aus seiner Sicht „noch lange nicht am Ende“.

„Gigantische Datenverarbeitung im privaten Sektor“

Paradoxerweise ärgern sich nach der Einschätzung Leppers viele Menschen über den Spionageskandal des Bundesnachrichtendienstes, während sie andererseits Großkonzerne aus freiem Willen mit ihren Daten füttern.  Facebook zähle in der Bundesrepublik inzwischen 28 Millionen Nutzer, sagte der Datenschutzbeauftragte bei Vorlage seines Berichts in Düsseldorf. Im Jahr 2012 betrug die Anzahl der Suchanfragen bei  Google rund 1,2 Billionen, im Jahr 2013 bereits 2,1 Billionen. Datenschützer Lepper sprach von einer „gigantischen Datenverarbeitung im privaten Sektor“.

„Tiefe Einblick in Lebensgewohnheiten“

Über soziale Netzwerke und Suchmaschinen hinaus mahnte Lepper zu einer „Selbstregulierung“, etwa mit Blick auf das Auto. So speichere ein modernes Kraftfahrzeug über „zahlreiche Steuergeräte“ Daten zur Geschwindigkeit, zum Bremsverhalten oder zum Benzinfüllstand, die „Begehrlichkeiten bei Versicherern, Arbeitgebern und staatlichen Stellen“ weckten. Der Datenschutzbeauftragte wies zudem auf die Risiken von sogenannten Wearables hin, also Geräten, die wie übliche Accessoires am Körper getragen werden, Daten über das Verhalten oder den Gesundheitszustand aufnehmen und „sehr persönliche Analysen ermöglichen“. Versicherungsunternehmen planten bereits, Rabatte oder Bonuszahlungen anzubieten, wenn Kunden ihre Fitness durch Wearables untersuchen lassen. „Mit solchen Geschäftsmodellen wird ein finanzieller Druck erzeugt, tiefen Einblick in Lebensgewohnheiten und Gesundheit zu ermöglichen“, heißt es im Datenschutzbericht.

Videoüberwachung auf öffentlichen Plätzen ein „No-Go“

Überdies warnte Lepper vor dem zunehmenden Einsatz von Überwachungskameras durch Unternehmen. Videoüberwachung auf öffentlichen Plätzen sei ein „No-Go“.

Die  Piratenfraktion im nordrhein-westfälischen Landtag sieht „noch viele offene Baustellen“ auf dem Gebiet. So sei die Datensicherheit in der kommunalen Verwaltung „in einem schlechten Zustand“. Die rot-grüne Landesregierung rede nur über Datenschutz, „anstatt ihn wirklich umzusetzen“.


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