Gericht gibt Brütereien recht NRW: Männliche Küken dürfen weiter getötet werden


Osnabrück. Das Verwaltungsgericht Minden hat das Verbot der Küken-Tötung in Nordrhein-Westfalen gekippt. Elf Brütereien hatten erfolgreich dagegen geklagt. NRW-Verbraucherschutzminister Johannes Remmel (Grüne) will in Berufung gehen.

Der Landesminister war 2013 vorgeprescht und hatte die Landkreise in NRW angewiesen, die Tötung männlicher Küken zu untersagen. Dieses Vorgehen rügte das Verwaltungsgericht in seinem am Freitag veröffentlichten Urteil. Die Richter sprechen von einem „erheblichen Eingriff in die Berufsfreiheit der Betreiber von Brütereien “. Eine solche Anordnung hätte nicht per Erlass ergehen können, sondern hätte einer grundlegenden parlamentarischen Entscheidung bedurft, so das Gericht.

Remmel: Wir halten Urteil für falsch

Zudem sei nicht berücksichtigt worden, „dass eine Untersagung allein bezogen auf NRW dem angestrebten Tierschutz nur begrenzt diene und die mit der Tötungspraxis verbundene Tierschutzproblematik lediglich in andere Länder […] verlagere.“ Minister Remmel reagierte mit Unverständnis auf das Urteil. „Es darf nicht sein, dass aus reinen wirtschaftlichen Gründen jedes Jahr 50 Millionen Eintagsküken ohne triftigen Grund vergast und geschreddert werden, nur um die Gewinnspanne bei den Unternehmen zu erhöhen“, so Remmel laut Mitteilung des Ministeriums. „Wir halten das Urteil für falsch.“ Das Land werde in Berufung vor dem Oberverwaltungsgericht in Münster gehen.

Bund soll handeln

Zudem forderte Remmel das Bundeslandwirtschaftsministerium auf, die Grundlage für ein bundesweites Verbot der Kükentötung zu schaffen. Das hatte zuletzt auch Niedersachsens Agrarminister Christian Meyer (Grüne) gefordert. Er hatte sich in den vergangenen Monaten beim Thema Kükentötung stets zurückhaltender geäußert als sein Kollege aus NRW.

Signalwirkung für Niedersachsen

In einem Interview mit unserer Redaktion hatte Meyer kürzlich eine Spanne von maximal fünf Jahren angegeben. Bis dahin müsse die Forschung soweit sein, dass das Geschlecht beispielsweise frühzeitig im Ei erkannt werde. „Wir sprechen gerade mit der Geflügelwirtschaft, damit wir gemeinsam ein zeitnahes Enddatum der Kükentötung auf Landesebene finden“, sagte der Minister.

Das Mindener Urteil dürfte dabei Signalwirkung haben. Die Richter stellten darin nämlich auch fest, dass es derzeit keine Alternativen zur Tötung der männlichen Küken gebe. Betriebe stünden unmittelbar vor dem Aus, da es „keine in der Massentierhaltung praxistaugliche oder die allgemeine Konsumentennachfrage deckende Verfahren“ gebe, um das Geschlecht der Küken rechtzeitig zu erkennen oder die Brüder der Legehennen wirtschaftlich aufzuziehen.

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