Leichnam in der Türkei beerdigt Ibbenbürener IS-Kämpfer ist offenbar tot

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In einem Holzsarg wurde die Leiche des toten IS-Kämpfers über die Grenze gebracht. Foto: dpaIn einem Holzsarg wurde die Leiche des toten IS-Kämpfers über die Grenze gebracht. Foto: dpa

dpa/bjb/sen Kobane/Osnabrück/Ibbenbüren. Bei einem deutschen IS-Kämpfer, der vor wenigen Tagen in der Nähe von Kobane getötet wurde, soll es sich um einen 31-jährigen Mann aus Ibbenbüren handeln.

Vergangene Woche wurde ein in Syrien getöteter IS-Kämpfer aus Deutschland von Kurden über die Grenze in die Türkei gebracht. Dabei soll es sich nach Informationen der „Westfälischen Nachrichten“ um einen Mann aus Ibbenbüren handeln. Der Leichnam im Holzsarg wurde am Freitagnachmittag von der syrisch-kurdischen Stadt Kobane aus auf einem Transporter ins Nachbarland gefahren, wie ein dpa-Korrespondent im Grenzgebiet berichtete. Dort sollte er seiner Familie übergeben werden.

Der kurdisch regionalen Verteidigungschefs Ismet Hassan erklärte, dass es sich um den Leichnam eines türkischstämmigen Mannes, Jahrgang 1983, der zuletzt in Deutschland gelebt und sich der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) angeschlossen habe, handele. Laut den „Westfälischen Nachrichten“ soll es ein 31-jähriger Mann aus Ibbenbüren sein, der vergangenes Jahr gemeinsam mit einem weiteren IS-Kämpfer über Brüssel ausreiste. Die Pressestelle der Polizei Steinfurt konnte dies jedoch nicht bestätigen.

Der Ibbenbürener wurde nach Informationen der Deutschen Presseagentur in einem Dorf fünf Kilometer südöstlich von Kobane getötet. Sein Kampfname sei Abdul Dschaber al-Turki gewesen. Verteidigungschef Hassan sagte, dessen Familie, die ursprünglich aus der türkischen Stadt Konya stamme, habe über IS-Meldungen in sozialen Netzwerken von dem Tod ihres Angehörigen erfahren und daraufhin die Kurden in Kobane kontaktiert. Er betonte: „Wir geben den Toten zurück, weil es nicht unsere Mentalität ist, Leichname zu behalten.“ Der IS hingegen behalte die Toten und beerdige sie nicht. Die Kurden hatten die Dschihadisten vor wenigen Tagen nach monatelangen Kämpfen aus Kobane vertrieben.

Ausreise erregte großes mediales Aufsehen

Im vergangenen Herbst erregte die Ausreise der drei Ibbenbürener großes mediales Aufsehen. Nach Angaben eines Sozialarbeiters der Stadt Ibbenbüren stammen die jungen Männer ausnahmslos aus guten Verhältnissen, einer stand kurz vor dem Abschluss seines Studiums zum Elektrotechnik-Ingenieur. Die muslimischen Vereine und Verbände in Ibbenbüren zeigten sich damals bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Bürgermeister Heinz Steingröver (SPD) schockiert. Niemand könne sich die Häufung der Fälle in Ibbenbüren erklären, Hintermänner seien nicht bekannt.

Selcuk Özdemir, langjähriger Mitarbeiter des Begegnungszentraums für Ausländer und Deutsche, erklärte, die drei Männer seien in Ibbenbüren geboren, alle hätten einen deutschen Pass, seien in Ibbenbüren in den Kindergarten und zur Schule gegangen. Ihre Familien seien intakt und hätten ein gutes Einkommen. Was die Jugendlichen dazu treibt, für IS in den Krieg zu ziehen, sich Terroristen anzuschließen, konnten weder Özdemir noch die Vertreter der muslimischen Gemeinden erklären. Das herauszubekommen sei Sache der Polizei, so Bürgermeister Heinz Steingröver. Özdemir betonte, er sei überzeugt, dass diese jungen Männer nicht aus Ibbenbüren gesteuert werden.

Muslimische Gemeinden distanzieren sich klar vom IS

Auf der Pressekonferenz Ende Oktober im Ibbenbürener Rathaus hatten sich die muslimischen Gemeinden vom Terror des IS eindeutig distanziert. Die Muslime hatten die Stadt gebeten, sich auf einer Pressekonferenz äußern zu dürfen. Vor zahlreichen Medienvertretern machten Mitglieder des Begegnungszentrums Ausländer und Deutsche, des türkisch-islamischen Kulturvereins, des Verbandes islamischer Kulturzentren, des albanisch-islamischen Kulturzentrums und der Gemeindemoschee Ibbenbüren der islamischen Gemeinschaft Milli Görüs deutlich, dass sie sich vom Terror des IS absetzen und ihr Glaube etwas anderes aussage, sagte André Hagel, Pressesprecher der Stadt Ibbenbüren unserer Redaktion.

Vali Firtina, Sprecher des Türkisch-Islamischen Kulturvereins (Ditib) und Ditib-Regionalvorsitzender, zeigte sich bestürzt darüber, dass die jungen Männer sich IS angeschlossen haben. „Wir distanzieren uns davon.“ Als Vater habe er mit den Familien mitgelitten. Auch Musa Gashi (Albanisch-Islamisches Kulturzentrum) betonte: „Gewalt hat in unserer Gemeinde keinen Platz.“ Und Hagje Berisha fügte hinzu, es werde niemals in der Gemeinde geduldet, dass jemand radikal wird.

Wie die Pressesprecherin der zuständigen Staatsanwaltschaft Dortmund, Dr. Barbara Vogelsang, auf Anfrage unserer Zeitung erklärte, würden im gesamten Zuständigkeitsbereich ihrer Behörde Fälle im „unteren zweistelligen Bereich“ verfolgt. Tatvorwurf: Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Straftat (§89a Strafgesetzbuch). Zu Einzelheiten, also auch zu Ibbenbüren, wollte sie keine Angaben machen, um die „sensiblen Ermittlungen nicht zu gefährden“.

Auf der Pressekonferenz im vergangenen Jahr wurde außerdem bekannt, dass ein Vater gegen seinen Sohn Anzeige erstattet habe, da dieser sich dem IS angeschlossen habe. Die Kreispolizei Steinfurt wollte sich zu den drei in den Krieg gezogenen Personen wegen laufender Ermittlungen nicht äußern. Die betroffenen Familien haben nach Aussage des Sozialarbeiters keinen Kontakt mehr zu ihren Söhnen.

(mit dpa)

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