Kritik an „NC-Gläubigkeit“ Laumann warnt vor flächendeckendem Ärztemangel

Von Florian Pfitzner

Warnt vor Ärztemangel: Patientenbeauftragter Kar-Josef Laumann (CDU). Foto: dpaWarnt vor Ärztemangel: Patientenbeauftragter Kar-Josef Laumann (CDU). Foto: dpa

Düsseldorf. Jeder zweite Hausarzt in NRW ist älter als 55 Jahre. Aus Sicht des Patientenbeauftragten der Bundesregierung, Karl-Josef Laumann (CDU), droht schon bald ein flächendeckender Mangel.

Bereits heute sei die Hälfte der landesweit 10.700 Hausärzten älter als 55 Jahre, erklärte er in Düsseldorf. Die Hochschulen bilden nach Ansicht des CDU-Politikers deutlich zu wenig Allgemeinmediziner aus. An Rhein, Ruhr und Weser werde nicht einmal jeder zehnte Absolvent Hausarzt. Zudem monierte Laumann die „NC-Gläubigkeit“ in NRW.

In den bevorstehenden zehn Jahren schieden im bevölkerungsreichsten Bundesland etwa 2.500 bis 3.000 Hausärzte altersbedingt aus, erklärte Laumann. Momentan drohe in 92 der 396 nordrhein-westfälischen Kommunen eine akute medizinische Unterversorgung. Dazu zählt der Patientenbeauftragte vor allem ländliche Gemeinden wie Borgentreich (Kreis Höxter), Espelkamp (Minden-Lübbecke), Kirchlengern (Herford), Kalletal (Lippe) oder Verl (Gütersloh). „In Westfalen ist der Altersdurchschnitt etwas höher, das Problem also schärfer“, sagte Laumann.

In weiteren 48 Städten und Gemeinden sei die hausärztliche Versorgung „auf mittlere Sicht“ in Gefahr. So etwa in Altenbeken (Kreis Paderborn), Spenge (Herford) oder Werther (Gütersloh). „Was nutzen die besten Patientenrechte, wenn Sie in einem Dorf wohnen, in dem es in einem Jahr keinen Arzt mehr gibt“, fragte Laumann rhetorisch.

Während nach den Zahlen des nordrhein-westfälischen Gesundheitsministeriums vor allem in ländlichen Gebieten in naher Zukunft dramatische Engpässe entstehen, verzeichnen andere Regionen ein Überangebot an Medizinern. 2008 sei den Kassenärztlichen Vereinigungen der Länder die Aufgabe übertragen worden, die Versorgung sicherzustellen, erklärte Laumann. „Dann müssen sie das auch machen oder sagen: Wir können es nicht.“ Auch die Universitäten in NRW müssten sich „mehr Mühe geben“ und die Auswahlkriterien für die Bewerber lockern.

Landesgesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne) schob in einer Mitteilung hinterher: „Der Bund gesteht dem Land keinerlei Planungskompetenz bei der Sicherstellung der ambulanten ärztlichen Versorgung zu.“ Gleichwohl fördere die rot-grüne Landesregierung die Niederlassung von Hausärzten in Gebieten mit tatsächlicher oder drohender Unterversorgung mit bis zu 50.000 Euro.

Im nordrhein-westfälischen Landtag führen Gesundheitspolitiker mit Blick auf die Lebensqualität für junge Familien häufig die sogenannten weichen Faktoren als Grund für den Hausärztemangel an. Aus Laumanns Sicht ist das nur ein Scheinargument: „Wir haben keinen Mangel an Zahnärzten, Apothekern, Architekten oder Rechtsanwälten auf dem Land – nur an Hausärzten.“