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Hinweise nicht ernst genommen Polizei räumt Pannen bei Vermisstenfall ein

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Bereits eine Woche bevor die Leichen der beiden Vermissten Männer aus Bruchmühlen und Bünde entdeckt wurden, hatte es einen Hinweis auf die Unfallstelle gegeben. Foto: Sven KienscherfBereits eine Woche bevor die Leichen der beiden Vermissten Männer aus Bruchmühlen und Bünde entdeckt wurden, hatte es einen Hinweis auf die Unfallstelle gegeben. Foto: Sven Kienscherf

Osnabrück. Bei der Polizei hat es bei der Bearbeitung des Vermisstenfalles Pannen gegeben. Beamte hatten Hinweise auf die Unfallstelle zunächst nicht ernst genommen und später vor Ort nachlässig ermittelt. Andernfalls hätten die Leichen der Männer aus Bünde und Bruchmühlen möglicherweise gut eine Woche eher entdeckt werden können.

Die bei einem Unfall verunglückten Männer waren am Dienstag in einem Waldstück in Herford gefunden worden.

Auch in Bezug auf die Obduktion der Männer machen die Ermittler nicht den souveränsten Eindruck. Am Dienstag hieß es an der Unfallstelle noch, die Leichen sollen untersucht werden. Am Mittwoch teilte die Polizei dann zunächst mit, es gebe keine Obduktion, um wenige Stunden später bekannt zu geben, dass die Leichen am kommenden Freitag obduziert werden.

Wie sich herausstellte, hat es bei den Ermittlungen mindestens zwei eklatante Fehler gegeben. Den ersten Hinweis auf die Unfallstelle erhielt die Polizei am 5. November. Zunächst hatte der WDR darüber berichtet. Ein Mann aus Enger hatte sich bei der Polizei in Bielefeld gemeldet und auf das kaputte Schild an der Lübbecker Straße hingewiesen. Dasselbe Schild führte am vergangenen Dienstag, also eine Woche später, maßgeblich dazu, dassdie beiden Männer und das Auto entdeckt wurden .

Hinweis nicht ernst genommen

Der zuständige Beamte in der Leitstelle nahm den Hinweis am 5. November aber nicht ernst, obwohl der Anrufer auf einen möglichen Zusammenhang mit den Vermissten hinwies. Das räumte der Sprecher der Polizei Herford, Michael Albrecht, im Gespräch mit unserer Redaktion ein. Der Einsatzbearbeiter habe die Angelegenheit als „älteren Schaden“ klassifiziert.

Damit nicht genug: Am Freitag, 7. November, erhielt die Polizei Bielefeld abermals einen Hinweis auf das kaputte Schild, wieder von einem Anrufer aus Enger. Und wieder war es derselbe Einsatzbearbeiter, der den Anruf entgegennahm. Diesmal informierte der Beamte allerdings seine Kollegen in Herford.

Die Herforder Leitstelle schickte dann auch einen Streifenwagen zu dem Schild. Die eingesetzten Polizisten gingen aber davon aus, dass es sich um einen älteren Unfall handelte, der bereits zu den Akten gelegt worden war.

Leitpfosten ausgetauscht

Offenbar nahmen die Beamten an, ein möglicher Unfall sei bereits aufgenommen worden, weil das Schild einen Tag zuvor bei einer Routinekontrolle vom Landesbetrieb Straßenbau Nordrhein-Westfalen (StraßenNRW) aufgefallen und zwecks späterer Instandsetzung markiert worden war. Des Weiteren ersetzten die Mitarbeiter einen Leitpfosten. Wie sich später herausstellte, war der Leitpfosten ebenso wie das Schild bei dem tödlichen Unfall der Männer beschädigt worden.

Polizeisprecher Albrecht machte keinen Hehl aus dem unprofessionellen Verhalten der Polizei: „Wir haben nicht so professionell gehandelt, wie wir es von uns selbst erwarten.“ Albrecht spricht von „offensichtlichen Defiziten“. Die Polizisten hätten an Ort und Stelle überprüfen müssen, ob dort tatsächlich ein Unfall gemeldet worden war. Da dies nicht der Fall war, hätten sie das Waldstück absuchen müssen und wären dann möglicherweise auf den Wagen mit den Leichen gestoßen, so Albrecht weiter. Die Polizei will die Fehler nun analysieren, um sie künftig zu vermeiden.

Unfallstelle schwer einsehbar

StraßenNRW teilte mit, dass der Landesbetrieb einmal in der Woche die Strecken kontrolliert, für die er zuständig ist. Verbeulte Straßenschilder gehören zum Alltagsgeschäft, so Bernd Löchter, Sprecher von StraßenNRW. Deshalb hätten die Mitarbeiter dem Schild keine besondere Aufmerksamkeit geschenkt und auch nicht dem kaputten Leitpfosten.

In der Tat war die Stelle, an der sich der verunglückte Wagen befand, nur schwer einsehbar. Auch die Leitplanke an der Straße war nicht beschädigt, da die Männer mit dem Auto zunächst über eine Böschung fuhren und dann direkt in das Wäldchen katapultiert wurden.

Die Leichen der beiden Männer sollen nun am Freitag obduziert werden. Zwar stehe fest, dass die Männer am Sonntag, 2. November, bei dem Unfall auf der Stelle starben, sagte Polizeisprecher Albrecht, „mit der Obduktion sollen aber alle Zweifel an Todeszeitpunkt und Art des Todes ausgeräumt werden“.

Albrecht betonte, dass es an dem Fall nichts Unerklärliches oder Mysteriöses gebe. Eins der Telefone war noch Stunden nach dem Tod der beiden in Lemgo geortet worden, obwohl die Unfallstelle in Herford liegt. Die Handys der beiden Toten wurden beide am Unfallort gefunden, eins wurde im Fahrzeug gefunden, das andere außerhalb des Autos, sagte Albrecht. Beide Handys hatte die Polizei noch am 2. November geortet, das eine um 12 Uhr in Herford, das andere um 19 Uhr in Lemgo . Danach waren die Handys aus.

Handys loggen sich selbstständig ein

„Die Handys loggen sich selbstständig in den Sendemasten mit dem stärksten Signal in der Umgebung ein“, erklärte Albrecht. Da die beiden Männer unterschiedliche Netzanbieter hatten, seien dies unterschiedliche Sendemasten gewesen. Dass die Handys noch über den Todeszeitpunkt der Männer hinaus eingeloggt waren, sei ein normaler technischer Vorgang, so Albrecht.


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