Unfallursache weiter unklar Menschen in Halle stehen unter Schock

Von Anke Schneider


Halle. Nach dem schrecklichen Unfall in der Nacht zu Dienstag, bei dem ein Lkw mitten in Halle von der B68 abkam und ungebremst in ein Wohnhaus krachte, beschäftigt die Menschen in der Stadt eine Frage: Wie konnte das passieren? „Das wird für immer ein Geheimnis bleiben“, sagt Polizeisprecherin Corinna Koptik. Die Staatsanwaltschaft habe keine Obduktion des bei dem Unfall getöteten Lkw-Fahrers angeordnet.

Die Menschen in Halle hatten gehofft, dass es mit der Eröffnung der Südumgehung vor zwei Wochen ruhiger werden würde in ihrer Stadt. Seit dem Tag gilt ein Durchfahrtsverbot für Lastwagen in beide Richtungen. In der Nacht zu Dienstag krachte dann ein mit Paletten beladener Lkw in ein Wohnhaus an der Ortsdurchfahrt und ging in Flammen auf. Der 69-jährige Fahrer verbrannte in seinem Führerhaus.

Bei dem Fahrer handelte es sich um einen 69-jährigen Mann aus Hamm, der für eine Münsteraner Spedition unterwegs war. „Er hätte die Strecke durch den Ort nicht befahren dürfen“, so Corinna Koptik weiter. Er habe in Halle weder laden noch entladen müssen, sodass er die Südumgehung hätte nutzen müssen. Der Fahrer hat das Durchfahrtsverbot schlicht missachtet.

Die Polizeisprecherin weist jedoch darauf hin, dass die Fahrt auf der B68 durch Halle nicht ursächlich für den Unfall gewesen sei. „Es spricht vieles dafür, dass gesundheitliche Gründe zu dem Unfall geführt haben“, so Koptik weiter.

Vermutlich habe der Mann einen Infarkt oder Schlaganfall erlitten. Das gleiche Schicksal hätte ihn aber auch auf der Südumgehung treffen können. Wie es genau dazu gekommen ist, dass der Fahrer von der Straße abkam, mehrere abgestellte Autos, Schilder und andere Hindernisse rammte und schließlich eine ganze Hauswand einriss, wird untersucht, wahrscheinlich jedoch für immer ungeklärt bleiben. Denn auch der Fahrtenschreiber, der über die Geschwindigkeit des Lasters zum Unfallzeitpunkt Auskunft geben könnte, ist in den Flammen verglüht.

Hund hat doch überlebt

In dem Haus an der B68 schliefen zum Unfallzeitpunkt vier Menschen und ein kleiner Hund. Die Bewohner, 44-jähriger Mann sowie seine 46-jährige Frau und zwei weitere Frauen, konnten sich allesamt selbst retten. Die 46-Jährige wurde jedoch leicht verletzt und wurde mit Schnittwunden ins Krankenhaus gebracht. Der Hund, der in der Nacht nicht gesehen und bereits tot geglaubt wurde, kam am frühen Nachmittag, als es an der Unfallstelle etwas ruhiger wurde, aus den Trümmern des Hauses gekrochen.

Nahezu den ganzen Dienstag waren Spezialisten der Polizei und Sachverständige mit der Spurensuche beschäftigt. Die Bundesstraße war bis in den Nachmittag voll gesperrt. Der Verkehr wurde über die neue Südumgehung umgeleitet, auf der sich die Autos und Lastwagen streckenweise stauten.

Das einsturzgefährdete Haus ist inzwischen mit einem Bauzaun gegen unbefugtes Betreten abgesichert worden. Da der hintere Teil des Wohnhauses noch intakt ist, konnten die Bewohner des Hauses auf diesen ausweichen.

Gestern trafen sich Experten der Polizei, des Straßenverkehrsamtes und des Landesbetriebes Straßen.NRW zu einer Besprechung, um zu sondieren, ob die Beschilderung an der B68 ausreicht. Ein Ergebnis gab es gestern allerdings noch nicht.

„Es fahren täglich leider immer noch mehrere Lkw durch Halle“, sagt Bürgermeisterin Anne Rodenbrock-Wesselmann. Entweder würden die Fahrer die Schilder ignorieren, aus Gewohnheit durch Halle fahren, oder sie würden blind ihrem Navi vertrauen. „Vor einer solchen Katastrophe haben wir immer Angst gehabt“, sagt die Bürgermeisterin. Und ausgerechnet jetzt, wo die lang ersehnte Umgehungsstraße fertig sei, passiere sie.