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Verhandlung am Landgericht Bielefeld Großvater von Dano sorgt für Tumult am ersten Prozesstag



Bielefeld. Für die Angehörigen des fünfjährigen Dano aus Herford war der Prozessauftakt am Mittwochmorgen im Bielefelder Landgericht offenbar kaum auszuhalten. Erstmals saßen sie dem mutmaßlichen Mörder des Kindes nach seiner Festnahme im April gegenüber. Danos Großvater verlor die Fassung und beschimpfte den Beschuldigten lautstark. Der Richter musste ihn festnehmen lassen.

Das öffentliche Interesse an dem Prozess war groß, das Polizeiaufgebot im Gerichtssaal ebenfalls. Vor Prozessbeginn wurden alle Zuhörer kontrolliert und ihre Ausweise kopiert. Diese Vorkehrungen hatte das Gericht getroffen um bei möglichen Tumulten die Schuldigen besser identifizieren zu können. Zu Zwischenfällen kam es im Gericht aber nicht. Dennoch flossen in den Zuschauerreihen immer wieder Tränen und manch einer hatte Mühe, ruhig zu bleiben.

Der Beschuldigte selbst schwieg zu den Vorwürfen zunächst. Seine Verteidigerin kündigte aber an, dass der 43-Jährige sich beim kommenden Verhandlungstag am 15. Oktober äußern werde.

Als ersten Zeugen hörte das Gericht den Polizisten, der den Tatverdächtigen nach dem Fund der Kinderleiche vernommen hat. Ihm gegenüber hatte der Angeklagte seine Tat zugegeben. Der 53-Jährige hatte Mühe, seine Ergriffenheit zu unterdrücken und musste zwischendurch um eine Pause bitten.

Brutales Vorgehen

Der Kriminalbeamte berichtete, dass der Angeklagte bei seiner Vernehmung zunächst von seinen massiven Eheproblemen erzählt habe. Zudem habe er an dem Morgen vor der Tat ein Vorstellungsgespräch gehabt, aber eine Absage bekommen. Gegen 15 Uhr habe dann, so schilderte der Polizist die Aussagen des Angeklagten, Dano an der Tür geklingelt und mit dem ebenfalls fünf Jahre alten Sohn des Beschuldigten spielen wollen. Der Angeklagte habe gesagt, dass der Junge nicht da sei und den Kleinen weggeschickt. Dano habe sich aber geweigert zu gehen, woraufhin der Mann dem Kind eine Ohrfeige gegeben habe.

Weil der Junge seinen Eltern davon erzählen wollte, habe der nun Angeklagte Dano in die Wohnung gezogen, schilderte der Polizist die Aussagen des 43-Jährigen. Und weiter: Das schreiende Kind habe sich zunächst beruhigt. Dann habe es ein weiteres lautstarkes Telefongespräch mit der getrennt lebenden Frau des 43-Jährigen gegeben. Dano habe daraufhin fliehen wollen. Der Beschuldigte habe den Jungen zurückgezogen, warf nach eigenen Angaben eine Decke über ihn und schlug mehrfach zu. Mit einer Hand will er das wehrlose Kind gewürgt haben, bis es nicht mehr atmete. Danach habe er Dano in eine Tasche gepackt, die Tasche auf einen Trolley gestellt und sie damit zum Werre-Ufer gezogen.

Ein weiterer Mord?

Danach berichtete der Polizist von einem weiteren Geständnis, dass Ibrahim B. seinen Mitgefangenen gegenüber abgegeben hatte. Ihnen hatte er gesagt, dass er Dano mit einem Antennenkabel erdrosselt habe. „Das Kabel haben wir anschließend in der Wohnung gefunden“, so der Kriminalbeamte.

Im weiteren Verlauf des Vormittags kam dann auch der Mord an der achtjährigen Jenisa aus Hannover zur Sprache. Den soll der Angeklagte Mitgefangenen gegenüber ebenfalls gestanden haben. „Er meint, weil er beides zugegeben hat, seien Gericht und Staatsanwaltschaft ihm nun etwas schuldig“, berichtete der Beamte.

Als zweite Zeugin berichtete die Mutter von Dano von dem Tag, als ihr Sohn verschwand. Die 27-Jährige hatte den Angeklagten bei ihrer Suche nach Dano am Tattag mit einer Tasche gesehen, dem aber keine Bedeutung beigemessen. Sie erzählte von der Suche nach Dano und davon, dass es ihr heute, ein halbes Jahr nach der Tat, immer noch vorkomme, als sei das alles gestern passiert. „Der hat mir mein Leben geklaut“, sagte sie unter Tränen. „Dano war ein so fröhliches Kind. Er hatte sich so sehr auf die Schule gefreut“.

Ibrahim B. zeigte sich äußerlich unbeeindruckt von dem Prozessgeschehen. Der nächste Verhandlungstag ist am 15. Oktober, an dem neben dem Angeklagten vor allem Gutachter des LKA gehört werden sollen.


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