Mitgliederverlust Die SPD in NRW wirbt um Frauen

Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) stellt sich erneut zur Wahl als Landesvorsitzende. 2012 hatten die Genossen sie mit 99,1 Prozent im Amt bestätigt. Foto: dpaMinisterpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) stellt sich erneut zur Wahl als Landesvorsitzende. 2012 hatten die Genossen sie mit 99,1 Prozent im Amt bestätigt. Foto: dpa

Düsseldorf. In Nordrhein-Westfalen haben fast alle Parteien in zehn Jahren deutliche Mitgliederverluste verschmerzen müssen. Angesichts hoher Mitgliederabwanderung will die nordrhein-westfälische SPD nun vor allem mehr Frauen und junge Menschen umgarnen. Bei den Grünen sind unterm Strich mehr Menschen eingetreten.

Über entsprechende Kampagnen werden die Sozialdemokraten nach Worten von Generalsekretär André Stinka an diesem Samstag auf dem Landesparteitag in Köln diskutieren.

Zum Jahreswechsel zählte die NRW-SPD rund 122000 Mitglieder – von bundesweit 470000. Zwar bleibt der Landesverband an Rhein und Ruhr damit der mitgliederstärkste, allerdings haben die Genossen im bevölkerungsreichsten Bundesland in den vergangenen zehn Jahren rund 18 Prozent ihrer Mitglieder verloren. In den neunziger Jahren zählte die NRW-SPD noch weit mehr als 250000 eingetragene Anhänger.

Um dem Trend entgegenzuwirken, will die Partei den Kontakt zur Basis und internen Meinungsaustausch verbessern. Außerdem brauche es untereinander ein höheres Vertrauen und eine effektivere Analyse der Austrittsgründe, sagte Stinka.

„Sprechen, wie man in NRW redet“

Auch rhetorisch nehmen sich die Genossen einiges vor. „Wir müssen so sprechen und schreiben, wie man in NRW redet“, heißt es im Antragsentwurf des Landesvorstands: „klar und direkt.“ Niemand habe Lust, sich mit etwas zu beschäftigen, was kaum zu verstehen sei. Es gelte stets die Ausgangsfrage: „Wie soll das eigentlich die berühmte alleinerziehende Verkäuferin bei Aldi verstehen“, sagte Stinka. Er warb dafür, in der Kommunikation „mehr gesunden Menschenverstand“ einzusetzen.

Im Durchschnitt sind die Sozialdemokraten in NRW rund 60 Jahre alt. Die Gruppe der 26- bis 45-jährigen Mitglieder macht dagegen nur rund 13 Prozent aus. Frauen bis 45 Jahre sind in der NRW-SPD sogar nur mit 5,8 Prozent vertreten.

CDU mit 23 Prozent Verlust

Die NRW-CDU verzeichnete in den vergangenen zehn Jahren einen Rückgang von 23 Prozent auf 140694 Mitglieder. Wobei der Verlust seit 2011 halbiert worden sei, heißt es aus der Parteizentrale in Düsseldorf. Die Grünen verbuchten dagegen laut eigener Aussage einen Zuwachs von rund 30 Prozent auf 13033 Mitglieder. Die FDP verlor landesweit fünf Prozent und zählt heute nach Parteiangaben 15200 Mitglieder. Insgesamt seien seit der Bundestagswahl im vorigen Jahr mehr als 1000 Mitglieder in die Partei eingetreten. Demgegenüber stehe ein Minus von knapp 600 Mitgliedern.


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