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Schumacher vor Gericht in Münster Schuster streiten um Schuhe für größten Mann der Welt

Von Sven Kienscherf

Schuhmacher Georg Wessels (kniend) nimmt in seinem Geschäft in Vreden einen Fußabdruck des laut Guiness-Buch „größten Manns der Welt“, Sultan Kösen. Foto: dpaSchuhmacher Georg Wessels (kniend) nimmt in seinem Geschäft in Vreden einen Fußabdruck des laut Guiness-Buch „größten Manns der Welt“, Sultan Kösen. Foto: dpa

Münster. Zwei Schumacher streiten sich am Mittwoch vor dem Landgericht Münster um die Hochzeitsschuhe von Sultan Kösen, dem größten Mann der Welt. Dort soll die Frage geklärt werden: Wer hat die Schuhe wirklich angefertigt?

Kläger ist der Schuhmacher Georg Wessels aus dem münsterländischen Vreden. Er wirft einem Kollegen aus München vor, zu Unrecht zu behaupten, für Sultan Kösen zwei Paar Schuhe für dessen Hochzeit im Jahr 2013 angefertigt zu haben. Laut Guinness Buch der Rekorde ist der Türke Sultan Kösen der größte Mensch der Welt mit einer Körperlänge von 2,51 Metern.

Der Münchner Schuster habe gegenüber namhaften Medien erfolgreich den Eindruck erweckt, er sei für die Schuhe des größten Mannes der Welt verantwortlich, so Wessels. Das entspreche schlicht nicht der Wahrheit. „Seit 2009 habe ich alle Schuhe für Kösen gemacht, er dagegen kein einziges Paar.“ Wessels sieht seinen Ruf beschädigt, der Münchner schmücke sich mit fremden Federn. Irrigerweise habe der Münchner in den Medienberichten überdies behauptet, Kösen trage Schuhgröße 65. „Er hat aber Schuhgröße 60“, sagt Wessels.

Schuhe für Museum

Dabei sind sich die beiden Schuhmacher durchaus bekannt. „Uns hat ein freundschaftliches Verhältnis verbunden“, sagt Wessels. Der Münchner, der sich vor allem auf rahmengenähte Schuhe verstehe, habe angeboten, für Wessels Schuhmuseum Ausstellungsstücke in Übergröße anzufertigen. Und zwar kostenfrei, wie Wessels betont. „Dafür habe ich ihm die entsprechenden Leisten mitgegeben.“ Die Modelle stammten aber nicht von den Füßen Kösens, sondern von bereits verstorbenen Kunden, die viel größere Füße als der Mann aus der Türkei gehabt hätten.

Schuhe für die größten Menschen der Welt

Die fertigen Schuhe, zwei Paar, habe er auch von dem Münchner erhalten, sagt Wessels. Nun verlangt der Münchner aber, dass Wessels Schuhe herausgeben soll, bei denen es sich um Schuhe für Kösen handeln soll. Der Vredener habe bewusst verhindert, dass der Mann aus der Türkei die Schuhe rechtzeitig zu seiner Hochzeit erhalten habe, so der Münchner laut Mitteilung des Gerichts. Für eine Stellungnahme gegenüber unserer Redaktion war der Schuster aus Bayern am Dienstag nicht zu erreichen.

Für Wessels ist das alles Quatsch: „Er will die Schuhe wiederhaben, die er für mein Museum gemacht hat.“ Wessels betont, dass er niemandem verbieten wolle, Schuhe für Kösen zu machen. Mit dem Mann aus der Türkei verbinde ihn ein freundschaftliches Verhältnis.

„Seit 35 Jahren mache ich auf eigene Kosten Schuhe für die größten Menschen der Welt“, sagt Wessels. Am Anfang sei es ein Werbegag gewesen. Folgt man seiner Darstellung, wurde es ihm mit der Zeit ein Anliegen. „Diese Riesen sind meistens sehr scheu, weil sie überall nur vorgeführt werden. Mir ist es gelungen, ihr Vertrauen zu gewinnen.“

Wessels hofft nun, dass das Gericht seiner Version der Geschehnisse folgt und bewiesen wird, dass er der Schuster des Vertrauens für den größten Mann der Welt ist.