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Zwei Tote nach schwerem Regen Münster kämpft mit den Folgen des Unwetters



Münster/Greven. Münster wird vermutlich noch mehrere Tage mit den Folgen des schweren Regens, der am Montag auf die Stadt niederging, zu tun haben: Schulen stehen unter Wasser, Kläranlagen funktionieren nur eingeschränkt, im Bürgerhaus in Kinderhaus steht das Wasser zwei Meter hoch. Zwei Männer starben infolge des Unwetters, eine Frau wurde schwer verletzt.

Tag eins nach dem schweren Unwetter: Die Stadt Münster hat eine vorläufige Bilanz gezogen. Schlimm erwischt hat es die Hauptkläranlage: Keller und Büros sind voll Wasser; die Telefonanlage und der Prozessleitrechner sind defekt. Die Kläranlage wird manuell von Mitarbeitern betrieben. Verschiedene Pumpwerke sind komplett ausgefallen. Das teilte die Stadt am Dienstag auf einer Pressekonferenz mit. „Bis alle Schäden beseitigt sind, braucht es Geduld und weiterhin ein tatkräftiges Miteinander“, wird Oberbürgermeister Markus Lewe in einer Pressemitteilung der Stadt zitiert.

Massiv geschädigt ist auch das Bürgerhaus Kinderhaus. Zwei Meter hoch steht dort das Wasser. Bis auf Weiteres sind in diesem Stadtteilkulturzentrum alle Einrichtungen – darunter Hallenbad, die Jugendeinrichtung Wuddi und die Stadtbücherei – geschlossen. Auch in der neuen Kita am Bürgerhaus gibt es Schäden.

Promenade gesperrt

Die Promenade zwischen Ludgeristraße und Aegidiistraße ist gesperrt. Dort sind Bäume umgestürzt und zahlreiche Äste abgebrochen. Zwischen Ludgeristraße und „Hals“ müssen zehn Bäume gefällt werden, wie die Stadt weiter mitteilte. Dieser Bereich bleibt voraussichtlich bis Mittwochabend gesperrt. Im Bereich „Am Stadtgraben“ bis zum Hallenbad Mitte sind drei Linden betroffen, auch dieser Abschnitt der Promenade bleibt vorerst abgeriegelt.

Auch zahlreiche Straßen wurden stark beschädigt, sodass vielerorts Teil- und Vollsperrungen eingerichtet werden mussten. Detaillierte Infos zu den Sperrungen gibt es hier.

Der Schwerpunkt der Baumschäden liegt beiderseits des Aasees an der Bismarckallee und der Annetteallee sowie am Sportpark Sentruper Höhe. Die Straßen und Wege am Aasee sind erheblich unterspült; die Stadt mahnt zur Vorsicht. Der Aasee selbst ist bis zum Rand gefüllt, der Wasserstand der Aa stieg laut Stadt von 20 Zentimetern am Montagnachmittag auf 2,50 Meter am Dienstag. Seit Dienstagnachmittag sinkt der Pegel langsam wieder.

Stadtweit sind nach Angaben der Stadt Schulen unter Wasser gesetzt. Die extremen Regenmengen haben sich ihren Weg in Turnhallen, Foyers, Keller, Klassenräume und Aulen gebahnt. Nach Angaben der Polizei fallen am Dienstag in Münster immer noch vereinzelt Ampelanlagen aus. Die Feuerwehr geht von einem „enormen“ Sachschaden für Privathaushalte aus. Genaue Zahlen lagen noch nicht vor.

Bereits am Montag war gemeldet worden, dass ein Mann in seinem Keller ertrunken war. Der 67-jährige Mann kam offenbar ums Leben, als die Wassermassen ein Fenster eindrückten und den Raum fluteten, teilte der Chef der Münsteraner Feuerwehr, Benno Fritzen, gegenüber unserer Redaktion mit. Vermutlich ertrank der Mann. Die Ermittlungen der Polizei sind allerdings noch nicht abgeschlossen.

Leiche am Dienstag entdeckt

Ein weiterer Mann ist an der Hagelbachstiege in Nienberge in seinem Auto umgekommen. Die Leiche wurde erst am Dienstag entdeckt. Wie die Polizei gegenüber unserer Redaktion berichtet, war der Wagen von einem Bach, der eigentlich neben der Straße verläuft, mitgerissen worden. Der Bach war auf das Vielfache angeschwollen und hatte die Straße geflutet. Die genaue Todesursache des Mannes wird noch ermittelt.

Am Aasee war eine Frau am Montag schwer verletzt worden, die sich vor dem Unwetter in ihr Auto flüchtete. Ein herabfallender Ast war auf das Fahrzeug gekracht. Die Frau befindet sich aber nicht in Lebensgefahr.

Mehr als 2.000 Einsätze

So heftig haben es die Feuerwehrleute in Münster noch nicht erlebt, sagte der Feuerwehr-Chef Fritzen. Das Unwetter, das am Montagnachmittag über die Stadt hereinbrach, sprengte alle bisher bekannten Dimensionen.

Bis zu 1.000 Kräfte der Feuerwehr und des Technischen Hilfswerks arbeiteten zeitweise die mehr als 2.000 Einsätze ab. Das berichtete Feuerwehrchef Fritzen.

Unterführungen unter Wasser

Straßenunterführungen in Münster standen am Montag nach heftigem Regen mitunter mehr als 60 Zentimeter hoch unter Wasser. Mehrere Autos blieben liegen und behinderten den Verkehr. Betroffen waren auch Universitätsgebäude. Ein Mitarbeiter berichtete, dass im Keller des Instituts für Kernphysik das Wasser über 50 Zentimeter hochgestanden habe.

Es habe für den Montag zwar eine Unwetterwarnung gegeben, sagt Benno Fritzen, Leiter der Feuerwehr Münster. „Aber mit dieser Intensität haben wir nicht gerechnet.“ Zumindest den noch aktiven Feuerwehrleuten sei kein vergleichbares Unwetter in Erinnerung. „Wie sind bis an die Grenzen gefordert gewesen.“

Schäden enorm

Neben vollgelaufenen Kellern wurden der Feuerwehr auch 15 Brände gemeldet. Darunter seien aber auch Fehlalarme gewesen, sagte Fritzen: „Wasserdampf wurde als Feuerqualm fehlinterpretiert.“ Des Weiteren seien aufgrund des Unwetters Öltanks beschädigt worden, sodass auch Öl ausgetreten sei. „Wir nutzen jetzt das trockene Wetter, um die übrigen Einsätze abzuarbeiten.“

Betroffen von dem Unwetter war auch die Stadt Greven. Die Polizei sperrte die Innenstadt für den Verkehr. Über Verletzte wurde dort zunächst nichts bekannt. In Greven regnete es fast zwei Stunden lang. „Bei 50 Millimeter ist der Messbehälter übergelaufen“, sagte Hobby-Meteorologe Helmut Kämmerling den „Westfälischen Nachrichten“. Auch sein Keller war überschwemmt. Bei einem Nachbarn stand das Wasser sogar über einen Meter hoch, wie er der dpa sagte.

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) schätzte am Abend nach der Auswertung von Radarbildern die Regenmengen in Greven und Ahaus auf mindestens 60 Liter pro Quadratmeter für einen Zeitraum von sechs Stunden. An einer Stelle seien nördlich von Münster zwischen 16 und 17 Uhr mehr als 40 Liter Regen gefallen, sagte ein Sprecher in Offenbach.

Bahnverkehr betroffen

Nach dem schweren Unwetter rechnet die Deutsche Bahn am Dienstag im Münsterland mit Ausfällen und Verspätungen im Zugverkehr. Die Züge von Osnabrück aus Münster fahren aber planmäßig, wie ein Sprecher der Bahn am Dienstagmorgen gegenüber unserer Redaktion sagte.

Laut einer Mitteilung des Unternehmens ist das Stellwerk in Greven durch einen Wassereinbruch und einen Blitzeinschlag beschädigt worden. Daher verkehrt voraussichtlich bis zum Mittag nur die Regionalbahn 65 (Westfalenbahn) zwischen Münster und Rheine. Der Regionalexpress 7 (Emden-Münster), der RE15 (Rheine-Münster-Hamm- Krefeld) und die RB68 (Münster-Rheine) fallen auf dem Streckenabschnitt zwischen Rheine und Münster aus. Ein Ersatzverkehr mit Bussen wurde eingerichtet. IC-Züge werden in beiden Richtungen über Osnabrück umgeleitet und verspäten sich um etwa 45 Minuten.

Unwetter auch im Ruhrgebiet

Die Gewitter waren von Süden her über das Land gezogen. Bereits am Nachmittag hatten Blitze in Schwalmtal am Niederrhein zwei Dachstühle in Brand gesetzt. In Hennef nahe Bonn traf ein Blitz ebenfalls einen Dachstuhl. Auch dort konnte die Feuerwehr den Brand löschen. Verletzt wurde an beiden Orten niemand.

Auch das Ruhrgebiet bekam ordentlich was ab: Im Bochumer Süden reichten wenige Minuten Starkregen, um Kellerräume, Wohnungen und Straßen unter Wasser zu setzen. Insgesamt musste die Feuerwehr mehr als 100 Mal ausrücken. Auch das Technische Hilfswerk war im Einsatz, wie die Stadt berichtete.

Zwischen Essen und Bochum stürzten Bäume auf die Gleise der S-Bahn-Linie S1. Die Bahn richtete auf diesem Abschnitt einen Busnotverkehr ein, wie das Unternehmen online mitteilte. Am Abend war nicht absehbar, wie lange die Strecke blockiert sein würde.

Mit Material der dpa


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