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Als Bücher noch Schätze waren Neue Ausstellung der Draiflessen Collection dokumentiert die Faszination von Buchkunst und Grafik

Von Oliver Langemeyer

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<em>Diese in der Ausstellung gezeigte Luther-Bibel </em>mit dem Titel: „Biblia. Das ist die gantze heilige Schrifft“ stammt aus dem Offizin (der Werkstätte) von Johann Krafft dem Älteren aus dem Jahr 1576.Foto: Liberna CollectionDiese in der Ausstellung gezeigte Luther-Bibel mit dem Titel: „Biblia. Das ist die gantze heilige Schrifft“ stammt aus dem Offizin (der Werkstätte) von Johann Krafft dem Älteren aus dem Jahr 1576.Foto: Liberna Collection

Mettingen. „Von der Schönheit der Präzision“ heißt die neue Ausstellung der Draiflessen Collection. Sie wurde am Samstag vor geladenen Gästen offiziell eröffnet und ist – wie üblich nach vorheriger telefonischer Anmeldung – bis zum 6. Januar in den Räumen an der Mettinger Georgstraße zu sehen. 120 Exponate, darunter Manuskripte, Frühdrucke, Bücher, Druckgrafiken und Zeichnungen, dokumentieren eindrucksvoll die Faszination von Buchkunst und Grafik, insbesondere zwischen dem 15. und 17. Jahrhundert.

Einige Exponate sind aber wesentlich älter. Der Betrachter taucht ein in eine Zeit, als die Bücher vom Inhalt und vor allem von ihrer kunstvollen Gestaltung her von unschätzbarem Wert waren.

Kernstück der Ausstellung ist die „Liberna Collection“. Das ist die umfangreiche Privatsammlung von Bernhard Brenninkmeijer (1893–1976). Dazu gehören neben kostbaren Handschriften besonders frühe Buchdrucke, aber auch zeichnerisch kunstvoll illustrierte Stundenbücher, Prachtbände, Grafiken von Albrecht Dürer und Rembrandt van Rijn sowie Zeichnungen von Guercino oder Antoon van Dyck. Dazu kommen Leihgaben unter anderem aus Berlin, Wien, München und Kassel.

„Alte Bücher haben einen ganz besonderen Reiz“, erklärt die Kuratorin der Ausstellung, Sarah Zabel. Und das betrifft nicht nur ihren Inhalt. Deshalb legt die Ausstellung ganz bewusst einen Schwerpunkt auf die aufwendige Gestaltung und den ästhetischen Anspruch der Schriften.

Das wird in dem Raum deutlich, der Bibelexemplaren gewidmet ist. Wegen ihrer besonderen Bedeutung war die Heilige Schrift das zentrale Objekt der Buchkunst. Der Besucher kann sich die Exemplare, unter anderem die erste gedruckte deutsche Bibel, in Vitrinen ansehen, die von zwei Seiten begehbar sind. Durch die besondere Beleuchtung der Exponate kommt die ganze Farbenpracht der biblischen Darstellungen zum Ausdruck.

Die mit der kunstvollen Gestaltung erzeugte Präsenz der Objekte zeigt sich auch bei den niederländischen und französischen Stundenbüchern aus dem 15. Jahrhundert. Sie zeugen neben ihrer religiösen Bedeutung von einem bewusst gepflegten Kunstsinn. Herzstück der Ausstellung ist ein der frühen Neuzeit nachempfundenes Studierzimmer. Dort sind neben Büchern Objekte zu sehen, die damals zu einer solchen Stube gehörten, wie eine Sanduhr oder ein Himmelsglobus. Mit dem Blick auf die zum Teil wunderschöne Gestaltung von Büchern und Schriften vermittelt die Ausstellung dem Besucher eine Vorstellung davon, welche technischen und künstlerischen Leistungen zur Erstellung eines Buches notwendig waren. Und für dieses eindrucksvolle Handwerk war vor allem eines unabdingbar: absolute Präzision.

Die Ausstellung „Von der Schönheit der Präzision“ ist bis zum 6. Januar an der Georgstraße 18 zu sehen. Sie kann nach vorheriger Anmeldung unter Tel. 05452/ 9168-3500 (montags bis freitags 10 bis 12 Uhr) täglich außer dienstags und samstags besucht werden. Eintritt mit Führung: zwölf Euro, ermäßigt sechs Euro.


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