Serie: Firmenporträt Westfalen AG: Mehr als das Geschäft mit der Tankstelle

Das Logo werden viele kennen. Die Westfalen AG ist als Energieunternehmen heute jedoch mehr als ihr Tankstellennetz. Foto: Friso Gentsch dpaDas Logo werden viele kennen. Die Westfalen AG ist als Energieunternehmen heute jedoch mehr als ihr Tankstellennetz. Foto: Friso Gentsch dpa

Münster. Ein springendes weißes Pferd auf rotem Grund, aufgesetzt auf einem gelben Schild – die meisten werden mit der Westfalen AG dieses Tankstellen-Logo in Verbindung bringen. Die Münsteraner Familien-AG, die im vergangenen Jahr ihren Konzernumsatz auf rund 1,9 Milliarden Euro steigern konnte, ist jedoch längst mehr als das Geschäft mit dem Sprit.

Dass die 1923 gegründete Westfalen Gruppe mit ihren heute 23 Tochter- und Beteiligungsgesellschaften in Deutschland, Belgien, Frankreich, den Niederlanden, Österreich, Polen, der Schweiz und Tschechien noch immer in Familienhand ist, führt das Unternehmen nicht nur auf das angesammelte Know-how, die Innovations- und Anpassungsfähigkeit sowie flache Hierarchien in der Struktur zurück, sondern auch auf die langjährigen Kundenbeziehungen. Heute sieht sich die Westfalen Gruppe als Energieunternehmen, das sowohl im Geschäftsfeld Tankstellen als auch in den Bereichen Gase und Energieversorgung vertreten ist.

Bestes Ergebnis im Bereich Tankstelle

Im abgelaufenen Geschäftsjahr erzielte die Gruppe mit ihrem 260 Stationen starken Tankstellennetz das beste Ergebnis der Unternehmensgeschichte – und das, obwohl die niedrigen Pegelstände zu erhöhten Logistikkosten geführt haben. Auf dem Trockenen bleiben mussten die Stationen dennoch nicht. Auf die Frage, wie das Geschäft trotz niedriger Margen erfolgreich sein kann, heißt es seitens des Unternehmens:

„Wir haben früh erkannt, dass wir in diesem Geschäft neue Wege gehen müssen, um profitabel zu bleiben.“

Dazu zählt laut Westfalen Gruppe auch, dass heute nicht mehr nur auf konventionelle Energien gesetzt wird. „An insgesamt 35 Stationen kann Strom geladen werden; 85 verfügen über AdBlue-Säulen. In Baunatal ist darüber hinaus die erste LNG-Station für Lkw in Planung.“ 

Wasserstoff bleibt ausbaufähig

Auch das Thema Wasserstoff als Antrieb hat Westfalen auf dem Schirm. Mit dem Absatz an der Station Münster-Amelsbüren ist das Münsteraner Unternehmen jedoch noch nicht ganz zufrieden und bezeichnet ihn als „ausbaufähig“. „Wasserstoff wird erst von wenigen Privatfahrzeugen und ein paar Lieferwagen getankt; noch immer warten wir auf zugesagte H2-Busse der Stadtwerke Münster. Es wird noch eine ganze Zeit dauern, bis wir an dieser Stelle profitabel sind – immer in Abhängigkeit vom Fahrzeugangebot der Automobilindustrie und dem Ausbau des Tankstellennetzes“, so die Aussage des Unternehmens.

Schaut man weiter auf das Tankstellennetz, so ist längst nicht mehr nur der Kraftstoff ein Umsatzbringer. Des Weiteren haben sowohl das Wasch- als auch Shopgeschäft zum Rekordergebnis beigetragen, das am Ende um 41 Prozent über dem bereits sehr guten Vorjahreswert lag. Ein Highlight des Jahres 2018 war die Eröffnung eines modernen Food-Courts mit angeschlossener Tankstelle in Gelsenkirchen – ein Konzept, für das die Unternehmensgruppe den Branchenpreis „Tankstelle des Jahres“ erhalten hat.

„Shop und Gastronomie spielen eine immer größer werdende Rolle.“

Bereich Gase hat Ergebnis verdoppelt

Doch nicht nur das Tankstellengeschäft, auch der Bereich Gase hat – getragen von einem außergewöhnlich guten Kältemittelgeschäft – das Ergebnis gegenüber dem Vorjahr mehr als verdoppelt. Zu dieser erfreulichen Entwicklung trugen laut Unternehmen sowohl der Inlandsmarkt als auch die Auslandsgesellschaften bei. Allerdings: Der klassische Produktbereich der Industriegase in Flaschen und Tanks blieb auf dem Heimatmarkt hinter den Erwartungen zurück. Das Segment verlor infolge des anhaltend starken Preisdrucks trotz steigender Absätze an Profitabilität. 

„Grundsätzlich bewegen wir uns – auch bei den Industriegasen – in einem hochkompetitiven Umfeld mit zunehmenden Konzentrationsprozessen auf Herstellerseite, die zu entsprechendem Preisdruck führen. Darüber hinaus hat bereits im vergangenen Jahr das robuste Wirtschaftswachstum an Schwung verloren; auch 2019 und 2020 müssen wir von weiteren Eintrübungen ausgehen.“

Die Entwicklung des ersten Quartals 2019 deute auf einen spürbaren Rückgang im operativen Ergebnis des Kältemittelsegmentes hin, so Vorstandsvorsitzender Thomas Perkmann. Er hat vor fast genau einem Jahr das Amt übernommen und leitet seit Anfang des Jahres auch das Vertriebsressort. Gemeinsam mit Meike Schäffler (Produktion, IT und Personal) sowie Torsten Jagdt (Finanzen) bildet Perkmann das heutige Vorstandsteam der Westfalen Gruppe.

Medizinische Gase als Zukunftsmarkt

Erfreulicher verlief im vergangenen Jahr die Entwicklung des Homecare-Geschäfts. In den Niederlanden konnte die Versorgungsanzahl im Bereich Sauerstoff-Therapie um zehn Prozent auf erstmals über 11 000 Patienten gesteigert werden. „Schon allein aufgrund der demografischen Entwicklung betrachten wir die medizinischen Gase als Zukunftsmarkt – immer mehr Menschen haben eine höhere Lebenserwartung und damit auch einen erhöhten Bedarf an medizinischer Versorgung“, heißt es seitens des Familienunternehmens. Aus diesem Grund habe man unter anderem im Bereich Homecare erhebliche Investitionen getätigt. Von den Konzerninvestitionen entfielen laut Finanzvorstand Torsten Jagdt auf den Bereich Gase Europa 32,5 Millionen Euro, 17,9 Millionen auf den Bereich Tankstellen und 10,9 Millionen auf den Bereich Energieversorgung.

Letzteres Geschäftsfeld blieb allerdings – aufgrund der außergewöhnlichen Witterungsverhältnisse, wie das Unternehmen sagt – im Ergebnis hinter den Erwartungen zurück. Auch das Produktsegment Autogas entwickelte sich absatz- und margenseitig laut Westfalen AG schwächer als erwartet, während das Ergebnis im Flaschengeschäft gegenüber dem Vorjahr auch dank weiter gesteigerter Absatzzahlen bei der Grillmeisterflasche leicht verbessert werden konnte.

Ausbau Energieversorgung wird weiter vorangetrieben

Zur nachhaltigen Stabilisierung der Ergebnisse wird 2019 die Ausweitung des saisonunabhängigen Geschäfts im Bereich Energieversorgung weiter vorangetrieben. Dies soll zum einen durch einen kundenorientierten Ausbau des Dienstleistungsangebots erfolgen. Zum anderen ist im Geschäft mit Treibgas weiteres Wachstum geplant.

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