"Verhaltenstipps" gegen kriminelle Asylbewerber Rheinbad in Düsseldorf: Aufregung um rechte Flyer an parkenden Autos

Von mma, dpa

Erst mutmaßlich Tumulte, dann selbsternannte Aufpasser, nun rechte Flyer: das Rheinbad in Düsseldorf taucht derzeit häufig in der Berichterstattung auf. Foto: dpa/Marcel KuschErst mutmaßlich Tumulte, dann selbsternannte Aufpasser, nun rechte Flyer: das Rheinbad in Düsseldorf taucht derzeit häufig in der Berichterstattung auf. Foto: dpa/Marcel Kusch

Düsseldorf. Im Rheinbad in Düsseldorf kehrt keine Ruhe ein. Nach einem Polizeieinsatz gegen eine Gruppe selbsternannter "Aufpasser" erhalten Badegäste rechte Flyer mit "Verhaltenstipps" zum Schutz vor Vergewaltigungen durch Asylbewerber.

Mehrmals musste das Rheinbad in Düsseldorf im Juli wegen mutmaßlichen Tumulten geräumt werden. Die Vorfälle versuchen Rechtsextreme nun für ihre Propaganda auszuschlachten. Wie die "Rheinische Post" berichtet, klemmten am Wochenende hinter Autos von Badegästen auf dem Parkplatz des Schwimmbades Flyer, die explizit vor Asylbewerbern warnen.

Hinter der Aktion soll die rechtsextreme Kleinstpartei "Der III. Weg" stecken. Laut "Rheinischer Post" hatten Parteimitglieder Flugblätter unter Scheibenwischer parkender Autos geklemmt, die sogenannte Verhaltenstipps enthielten, wie man sich gegen "sexuelle Nötigungen, Vergewaltigungen und Diebstähle durch Asylbewerber" in Schwimmbädern schützen könne. Der Staatsschutz prüfte daraufhin, ob es sich bei der Verteilung um politisch motivierte Kriminalität handelte, erkannte jedoch keine Straftat, berichteten Medien am Dienstag übereinstimmend.

Vom Verfassungsschutz beobachtet

"Der Dritte Weg" ist eine 2013 von einem Ex-NPD-Funktionär gegründete rechtsextremistische Kleinpartei, die vom Verfassungsschutz beobachtet wird. Dem Bundesamt zufolge haben sich Neonazis der Partei angeschlossen. 

Mitglieder der rechtsextremistischen Kleinstpartei "Der III. Weg" bei einem Aufmarsch am 1. Mai im sächsischen Plauen. Foto: dpa/Robert Michael

2017 zählte die Gruppierung rund 500 Mitglieder. Aktiv ist die Partei vor allem in den Bundesländern Bayern, Rheinland-Pfalz, Berlin, Brandenburg und Sachsen. In Norddeutschland habe die Gruppierung noch keine Strukturen aufbauen können, meldet der Verfassungsschutz.

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Selbsternannte Aufpasser

Zuletzt hatte im Düsseldorfer Rheinbad am ersten Wochenende im August eine Gruppe selbsternannter "Aufpasser" die Polizei auf den Plan gerufen. Die Gruppe von etwa 50 Erwachsenen war nicht in das Bad hereingelassen worden und hatte darüber ihren Unmut geäußert. Mit zehn Streifenwagen rückten Polizisten an nahmen die Personalien von 36 Personen auf. "Die Leute gaben an, im Rheinbad aufpassen zu wollen, damit alles ruhig bleibt", sagte ein Polizeisprecher. (Weiterlesen: Nach Freibad-Randale: Polizei weist 50 selbsternannte "Aufpasser" ab)

So reagierte das Rheinbad auf mutmaßliche Tumulte

Der Sprecher bestätigte auch Informationen der "Bild"-Zeitung, dass die Personen weitgehend identisch seien mit denen bei einer "rechtsgerichteten Mahnwache", die einen Tag zuvor dem Düsseldorfer Hauptbahnhof abgehalten worden sei. Die Kundgebung war nach Angaben der Polizei nach dem Tod des achtjährigen Jungen am Frankfurter Hauptbahnhof angemeldet gewesen. Am vergangenen Montag hatte ein 40-jähriger Mann eine Mutter und ihren Sohn vor einen einfahrenden Zug gestoßen. Der Achtjährige war vom Zug überrollt, ein in der Schweiz lebender Eritreer als mutmaßlicher Täter festgenommen worden.

Das Rheinbad war Ende Juli nach angeblichen Tumulten geräumt worden – zum dritten Mal innerhalb weniger Wochen. Erste Angaben der Polizei, wonach einige Dutzend junger Männer mit "augenscheinlich nordafrikanischem Typus" hauptverantwortlich für die Störungen gewesen sein sollen, konnten nicht verifiziert werden. Das Freibad hatte bereits im Juni Videokameras installiert und infolge neuerlicher Ärgernisse weitere Sicherheitsmaßnahmen ergriffen. Dazu gehören eine Ausweiskontrolle, Armbändchen für Badegäste und der mögliche Einsatz des Ordnungsamts.


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