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Künstlerinnen stellen in der Legge aus Bilder und Skulpturen

Von Michael Baar


Tecklenburg. Werkzeugkisten auf dem Boden. Zangen, Nylonseile, Drähte, Haken liegen herum. Auf einem Glastisch ein Hammer. „Den nehme ich lieber weg“, greift Roswitha Schulz zum Stiel. Den ganzen Vormittag über hat sie, gemeinsam mit ihren Kolleginnen, in der Legge zu den Werkzeugen gegriffen. Handwerkliche Mittel bringen Kunst zur Geltung. Der Künstlerinnen-Stammtisch Lengerich bereitet seine Ausstellung im Torhaus vor.

„Haben wir eigentlich einen Titel für die Ausstellung?“, fragt Marion Marx. Stirnrunzeln in der Runde. Es wird eine Ausstellung ohne Titel, die am Samstag, 30. April, um 17 Uhr eröffnet wird. Monika Leonhard gibt ihren Bildern selten einen Titel. „Eigentlich nur, wenn man zu einem Thema malt und das Motiv für den Betrachter nicht sofort offensichtlich ist“, fügt sie nachdenklich hinzu. Dann zeigt sie auf eines ihrer Exponate. „Das ist nach dem Foto eines rostigen Pinsels entstanden. Soll ich da ,rostiger Pinsel‘ drunterschreiben?“

„Motive entstehen oft aus Ideen, die einem durch den Kopf gehen“, beschreibt Brigitta Koyteck, wie ein Gedanke zu einem Gemälde werden kann. Das sei dann für den Kunstschaffenden wichtig. Eine Ausstellung zu einem Thema könnte da einengend wirken. Immerhin, für die Mitglieder des Künstlerinnen-Stammtisches ist es die siebte gemeinsame Ausstellung. Bei durchschnittlich zwei Ausstellungen im Jahr bleibt dennoch Zeit für neue Kunstwerke. „Das sind keine Reste“, sagt Brigitta Koyteck. Gelächter brandet auf. Mal passt eine Idee zu einer geplanten Ausstellung, mal nicht. „Trotzdem werden die Bilder gezeigt“, lässt Roswitha Schulz kein Rütteln an der künstlerischen Freiheit zu.

Beatrice Gunschera ist bisher nur aufmerksame Zuhörerin. Im Gegensatz zu ihren fünf Mitstreiterinnen beansprucht sie keinen Platz an einer der Wände. Sie zeigt Keramiken, veredelt mit einem speziellen Brandverfahren. Gebannt hängen die Malerinnen an ihren Lippen, als sie von dem ausrangierten 200-Liter-Fass erzählt, in dem ihre Keramiken mit Eichen- oder Buchenholz bei niedrigen Temperaturen gebrannt werden. Niedrig ist nicht wörtlich zu nehmen: „800 bis 900 Grad Celsius sind das schon“, präzisiert sie. Aber es heißt Niedrigbrandverfahren, weil in einem normalen Brennofen Temperaturen von über 1000 Grad Celsius erreicht werden.

Angezündet wird das Holz in der Tonne nur in der kalten Jahreszeit. Alle Skulpturen erfahren zwei Brand-Schritte. „Getrocknet wird per Schrüh-Brand“, kommt es ihr locker über die Lippen. Dann buchstabiert sie das Wort für den Laien. Es ist ein altes Verfahren: „Das Holz brennt von oben nach unten ab, die Glut sickert zwischen die Keramiken“, erläutert Beatrice Gunschera. Das funktioniert nur, weil am Fuß der Tonne ein Ofenrohr angebracht ist, das die notwendige Verbrennungsluft durch das Fass zieht. Zweite Voraussetzung: Das Holz muss vertikal gestapelt werden.

Einige der über 40 Bilder müssen noch aufgehängt werden. Welches Exponat wo hängt – „darüber entscheiden wir gemeinsam“, sagt Monika Leonhard. Die Ausstellung wird am Samstag, um 17 Uhr eröffnet. Jeweils samstags von 14 bis 18 Uhr und sonntags von 11.30 bis 18 Uhr sind die Werke im Torhaus Legge zu sehen.


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