Polizei ermittelt Tierärztin aus Warendorf muss Bolzen einer Armbrustpistole aus Taube operieren

Der Bolzen aus einer Armbrustpistole hat den Hals der Taube durchbohrt. Foto: Stadttauben MünsterDer Bolzen aus einer Armbrustpistole hat den Hals der Taube durchbohrt. Foto: Stadttauben Münster

Marl. Tagelang ist eine Taube, in deren Hals der Bolzen einer Armbrustpistole gesteckt hat, durch Marl (Kreis Recklinghausen) gelaufen. Jetzt konnte das Tier eingefangen und operiert werden.

Beim Anblick des weiß-grauen Vogels stockte Tierärztin Dana Ströse der Atem. „Uns ist die Farbe aus dem Gesicht gewichen“, sagt Ströse. Ricarda Peters von den Stadttauben Münster, einer privaten Taubenhilfe für Münster und Umgebung, brachte die verletzte Taube am Samstagabend in ihre Praxis nach Warendorf, nachdem sie diese eingefangen hatte. Anwohner und ehrenamtliche Tierschützer hatten die Taube mit dem Bolzen einer Armbrustpistole im Hals bereits einige Tage in einem bebauten Gebiet in Marl beobachtet, das Tier jedoch nicht einfangen können, wie Tierärztin Ströse erzählt. Deshalb riefen sie Peters zu Hilfe. Ihr gelang es, die verletzte Taube sowie das Partnertier einzufangen. Das sei wichtig gewesen, da Tauben ein Leben lang zusammenbleiben.

In der Tierarztpraxis wurde die Taube sofort geröntgt. Trotz des bleistiftdicken Bolzens waren die größeren Gefäße und Organe wie durch ein Wunder unverletzt. 

Foto: Stadttauben Münster

Das Tier wurde direkt operiert. Andernfalls hätte es nicht mehr lange weiterleben können – zum einen wegen des Bolzen an sich, zum anderen wegen der Wunde, die sich gebildet hatte. Inzwischen hat sich die Taube, bei der es sich nicht um ein Wildtier, aber um eine verwilderte Hobby- und Brieftaube handelt, vollständig erholt. Sie bekommt noch Schmerzmittel und Antibiotika. Nach der Behandlung wird Peters einen schönen Platz für das Pärchen finden, denkt Ströse.

Foto: Stadttauben Münster

Absichtlich auf Taube geschossen?

Das ist die gute Nachricht. Die schlechte: Für Ströse und Peters ist klar, dass es sich bei dem Schuss um Absicht handelte. „So ein Pfeil trifft die Taube nicht zufällig. Die Tiere suchen die Nähe zu Menschen und halten sich hauptsächlich auf dem Boden oder Zäunen auf. Da gehört schon viel Brutalität zu, auf ein Wirbeltier zu schießen“, sagt Ströse.

Sie haben bei der Polizei eine Anzeige gegen Unbekannt aufgegeben. Das bestätigt ein Sprecher der Polizei Recklinghausen. Momentan habe man noch keine Hinweise, werde aber die Ermittlungen aufnehmen.

Dass sie Vögel mit Schussverletzungen behandeln muss, ist für Ströse nichts Besonderes. Ihre Praxis ist eigenen Angaben zufolge auf Vögel spezialisiert. Etwa einmal in der Woche müsse sie eine Taube verarzten, die von einem Schuss aus dem Luftgewehr getroffen wurde. „Ein Tier, in dem noch der Armbrustbolzen steckt, hatte ich bislang aber noch nicht.“ Diese Schüssen seien entweder Durchschüsse – oder final.


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