zuletzt aktualisiert vor

Notfallplan eingefordert Verkehrsverbund Rhein-Ruhr mahnt Osnabrücker Nordwestbahn ab

Jörg Sanders und Sebastian Stricker

Meine Nachrichten

Um das Thema Nordrhein-Westfalen Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Nicht nur in Niedersachsen hat die Nordwestbahn mit Problemen zu kämpfen. Gegenwind kommt nun auch aus Nordrhein-Westfalen. Foto: dpaNicht nur in Niedersachsen hat die Nordwestbahn mit Problemen zu kämpfen. Gegenwind kommt nun auch aus Nordrhein-Westfalen. Foto: dpa

Osnabrück. Wegen "anhaltender und für die Fahrgäste untragbarer Qualitätsprobleme" hat der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) die Nordwestbahn abgemahnt. Das Osnabrücker Unternehmen kündigte "schnellstmögliche Verbesserungen" an.

Während eines Krisengesprächs habe der VRR die Nordwestbahn (NWB) "aufgrund der anhaltenden und für die Fahrgäste untragbaren Qualitätsprobleme abgemahnt", teilte der Zweckverband am Dienstag mit. Seit Wochen komme es im Emscher-Münsterland-Netz und im Niers-Rhein-Emscher-Netz zu Zugausfällen und vermehrten Verstößen gegen vertraglich festgelegte Leistungen. Wie der VRR am Mittwoch auf Anfrage unserer Redaktion ausführte, seien auf den sechs betroffenen Regionalbahn- und Regionalexpress-Linien allein im Dezember von 8568 bestellten Fahrten rund 1400 ausgefallen, davon ungefähr ein Drittel durch Verschulden der NWB.

Screenshot: NOZ, Quelle: Nordwestbahn


"Mit Blick auf die andauernde schlechte Qualität und eine desaströse Betriebsstabilität der Nordwestbahn mit massiven Auswirkungen für unsere Fahrgäste, war die Abmahnung gegen das Unternehmen der logische erste Schritt", wird VRR-Vorstandssprecher Ronald Lünser in der Mitteilung zitiert. Weitere Sanktionen würden derzeit geprüft. (Weiterlesen: Zuschlag für S-Bahn Hannover – Osnabrücker Nordwestbahn zieht Milliardenauftrag an Land)

VRR fordert Notfallplan

Massiv habe der VRR in den vergangenen Wochen auf das Osnabrücker Eisenbahnverkehrsunternehmen eingewirkt. Der Zweckverband forderte eine kurzfristige Erstellung und Umsetzung eines Notfallplans. Verbessert habe sich die Qualität bei der Nordwestbahn aber nicht, moniert der VRR. Schienenersatzverkehr mit Bussen sei nur "unzureichend eingerichtet" worden und deshalb "nicht adäquat" gewesen. Zudem habe die NWB ihre Fahrgäste schlecht über Ausfälle informiert.

Mit der Abmahnung verlangt der VRR nun die Einsetzung eines externen Beraters, mit dessen Hilfe "betriebliche Schwachstellen" bei der Nordwestbahn gefunden und ausgemerzt werden sollen. Nach Ansicht des VRR resultieren die Zugausfälle aus dem Personalmangel und Koordinierungsmängeln bei Werkstattleistungen in Verbindung mit dem laufenden Betrieb. 

Die Osnabrücker Nordwestbahn ist wegen schlechter Leistungen vom Verkehrsverband Rhein-Ruhr (VRR) abgemahnt worden. Foto: Michael Gründel


NWB leitet Sofortmaßnahmen ein

Die Nordwestbahn kündigte nach der Abmahnung durch den VRR "Sofortmaßnahmen" an. Ziel sei es, "die Situation für die Fahrgäste schnellstmöglich zu verbessern". Schriftlich teilte NWB-Geschäftsführer Rolf Erfurt auf Anfrage unserer Redaktion mit: "Wir nehmen die Abmahnung sehr ernst. Wir sind mit unserer Leistung in jüngster Zeit nicht zufrieden und bedauern, dass wir unseren Kunden leider keinen verlässlichen Service bieten konnten, trotz des hohen Einsatzes zahlreicher Mitarbeiter, die zusätzliche Dienste übernommen haben. Die Verärgerung der Fahrgäste können wir selbstverständlich nachvollziehen."

Sanktionen auch in Niedersachsen

Auch in Niedersachsen hat die NWB erhebliche Probleme mit Zugausfällen und Unpünktlichkeit. Die Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen (LNVG) hatte im Dezember angekündigt, das Unternehmen finanziell zu sanktionieren. Die Landes-Grünen brachten sogar eine Vertragsauflösung ins Spiel. Bereits Anfang Oktober hatte die LNVG unserer Redaktion gesagt, die NWB erhalte aufgrund der Ausfälle und zu geringen Pünktlichkeitsquote weniger Geld, sogenannte Ausgleichszahlungen. 20 bis 30 Prozent erzielt das Unternehmen aus dem Fahrkartenverkauf, der Rest wird aus Steuergeldern finanziert.

Die Nordwestbahn hatte Ende 2018 einen hohen Krankenstand unter den Lokführern als Ursache der Ausfälle und Verspätungen im Weser-Ems-Netz angegeben.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN