Angriffe am Tagebau Hambacher Forst: Razzien im rheinischen Revier

„Endlich mal zur Ruhe kommen“: Polizisten führen im „Wiesencamp“ einen Mann ab. Foto: dpa„Endlich mal zur Ruhe kommen“: Polizisten führen im „Wiesencamp“ einen Mann ab. Foto: dpa

Düsseldorf. Die Polizei hat auf die heftigen Angriffe gegen RWE-Mitarbeiter an Weihnachten reagiert. Umweltaktivisten zeigen sich verärgert über die Ausschreitungen, sie grenzen sich klar von den Straftätern ab.

Wenn es am Tagebau Hambach so etwas wie einen Weihnachtsfrieden gegeben hat, dann wurde er früh gebrochen. An Heiligabend und in der Nacht zum ersten Weihnachtsfeiertag hatten vermummte Menschen an dem angrenzenden Wald ein Quartier von RWE-Mitarbeitern mit Molotowcocktails und Steinen beworfen, teilte die Polizei mit. Zwei Autos gerieten in Brand, sogar gegen Löschfahrzeuge der Werksfeuerwehr seien Steine geflogen.

Die Polizei reagierte mit groß angelegten Razzien auf die Ausschreitungen im rheinischen Braunkohlerevier. Auf richterlichen Beschluss des Amtsgerichts Aachen durchsuchten die Beamten das sogenannte Wiesencamp im Waldgebiet sowie eine offene Werkstatt in Düren.

Sichergestellte Waffen

Während der Durchsuchungen im Wiesencamp hätten Bewohner die Beamten aus einer Hütte heraus „augenscheinlich mit Urin bespritzt“, hieß es von der Polizei. Zudem drohten im Camp ansässige Menschen demnach an, sich anzuzünden und giftige Substanzen einzusetzen.

Es wurden Waffen sichergestellt, zwei Frauen und ein Mann festgenommen. Die Polizei wirft ihnen Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte vor, in einem Fall gefährliche Körperverletzung.

Bekennerbrief der „Hambi Chaos Crew“

Am ersten Weihnachtsfeiertag war ein Bekennerschreiben zu den Angriffen an Heiligabend aufgetaucht. Die „Hambi Chaos Crew“ textete auf der linksradikalen Internetseite „Indymedia“, sie habe einen Brandsatz an einer Pumpstation deponiert, „damit der Wald ein bisschen Wasser zurückbekommt, das der Kohleabbau ihm klaut. Denn nicht nur Kettensägen töten den Wald“. Es werde „keine Nacht geben, an dem wir euch ruhig schlafen lassen!“.

Die Polizei entschärfte den selbstgebauten Brandsatz. Umwelt- und Klimaaktivisten zeigten sich verärgert, sie grenzten sich von den Chaoten ab. RWE-Mitarbeiter seien „nie Ziel der echten Aktivisten“ gewesen, nur der Konzern.

Grüne reagieren empört

Die Grünen reagierten empört auf die Angriffe. „Wenn jetzt Gewalttäter Straftaten begehen, schaden Sie nicht nur der Sache, sie hintergehen auch die Zehntausenden Menschen, die solidarisch für den Erhalt des Waldes streiten“, sagte die NRW-Landesvorsitzende der Grünen, Mona Neubaur, dieser Redaktion. Erneut rief die Öko-Partei dazu auf, „den Weg der Eskalation zu verlassen“.

Erfolgreicher Protest für Klimaschutz und gegen Braunkohle „war und ist kreativ, in der Region verankert und vor allem friedlich“, sagte Neubaur. Nur so sei es gelungen, „ein sehr breites Bündnis aus der Mitte der Gesellschaft für den Erhalt des Hambacher Waldes zu mobilisieren“.

Die FDP spricht von „Linksterrorismus“

Aus Sicht der regierungstragenden FDP-Fraktion in Düsseldorf hat der Widerstand im Wald über die Weihnachtstage „sein hässliches Gesicht“ gezeigt. Die Brandanschläge und gewalttätigen Angriffe auf RWE-Mitarbeiter seien „nichts anderes als blütenreiner Linksterrorismus unter dem Deckmantel des Umweltschutzes“, sagte Marc Lürbke, stellvertretender Vorsitzender der FDP im Landtag. Den gewalttätigen und teils international angereisten Linksextremen gehe es „nicht um den Wald, sondern um die Systemfrage, Anarchie und maximale Eskalation“.

Antje Grothus, eine Umweltschützerin aus dem rheinischen Revier und Mitgründerin der Initiative „Buirer für Buir“, sagte, „solche Aktionen helfen sicher nicht, den Wald zu retten“. Sie wünsche sich, „dass alle Beteiligten endlich einmal zur Ruhe kommen“.

Der Hambacher Forst zwischen Köln und Aachen wurde in den vergangenen Jahren zum Symbol für den Widerstand gegen die Braunkohleverstromung. Der Energiekonzern RWE will den Wald abholzen, um den Tagebau Hambach zu vergrößern.


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