Einzige Vergolderin in der Region Faszination Gold: Preußisch Oldendorferin vergoldet Rahmen und Treppenhäuser

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Seit 25 Jahren arbeitet Bärbel Spilker als Vergolderin. In dem Job geht sie voll auf. Foto: Nadine GrunewaldSeit 25 Jahren arbeitet Bärbel Spilker als Vergolderin. In dem Job geht sie voll auf. Foto: Nadine Grunewald

Preußisch Oldendorf. Fahrstühle, Kirchturmspitzen, antike Bilderrahmen oder ganze Treppenhäuser: Die Liste der Dinge, die die einzige Vergoldermeisterin in der gesamten Region mit feinstem Blattgold verziert, ist lang. Auch nach 25 Jahren ist Bärbel Spilker noch von dem Edelmetall fasziniert. Für ihre Werkstatt in Preußisch Oldendorf gilt: Hier ist alles Gold, was glänzt.

In ihrer Werkstatt beugt sich Bärbel Spilker über eine große Glasplatte. Vorsichtig greift sie nach einem quadratischen Blättchen Blattgold, platziert es auf der Scheibe, streicht es aus und zieht dann das durchsichtige Schutzpapier ab. Quadrat um Quadrat arbeitet sich die Vergolderin vor. Die Hinterglasvergoldung erfordert höchste Konzentration: „Es ist ein haftender Untergrund. Da darf nichts schief gehen, sonst muss ich von vorne anfangen.“

Vorsichtig trägt Bärbel Spilker ein Blattgold-Blatt nach dem nächsten auf die Glasscheibe auf. Foto: Nadine Grunewald

Drei dieser Scheiben warten in Spilkers Werkstatt darauf, vergoldet zu werden. Sie sollen später ein Architekturbüro schmücken. Es ist ein modernes Projekt. Häufig arbeitet die 51-Jährige jedoch wie im Mittelalter – immer dann, wenn sie alte Dinge restaurieren muss. Einen Bilderrahmen zum Beispiel oder den ovalen Spiegel, der auf dem zweiten Werktisch liegt. „Dann muss ich erstmal herausfinden, wie diese Arbeit gefertigt wurde.“ Diesen Teil ihrer Arbeit liebt Spilker besonders. Nach 25 Jahren als Vergolderin findet sie die Lösung meistens schnell: „Ich hatte schon so viel in der Hand, dass ich fühlen kann, wie etwas gearbeitet wurde“, sagt sie. Wenn die Erfahrung doch nicht reicht, zieht Spilker Literatur, Kollegen oder auch schon mal einen Kunsthistoriker zu Rate. 

Diesen Spiegel soll Bärbel Spilker restaurieren. Das Lachsfarbene ist eine Polimentschicht, auf die sie noch Blattgold auftragen muss. Foto: Nadine Grunewald

Aufträge von Privatkunden und Museen

Die 51-Jährige arbeitet für ganz unterschiedliche Kunden. Mal bekommt sie Aufträge von Kunsthandlungen oder -sammlern, dann haben Museen nur einen alten Bilderrahmen und wollen davon noch einen weiteren haben, und manchmal fragt auch eine Stadt an, ob sie eine Kirchturmspitze überarbeiten und vergolden kann. Für Privatkunden vergoldete Spilker bereits den Fahrstuhl eines Hauses auf Mallorca oder ein komplettes, rundes Treppenhaus. Geld spielt bei diesen Kunden häufig keine Rolle. „Es sind oft sehr detailverliebte Menschen.“

„Gold ist die Königsdisziplin.“Bärbel Spilker

Für Spilker ist ihr Handwerk zur Routine geworden. Bis es so weit war, kostete sie die Arbeit mit dem Blattgold einige Nerven. „Gold ist die Königsdisziplin. Es fasziniert mich immer wieder, dass es sich auf jeder Arbeitsfläche anders verhält und wie hauchdünn es ist“, sagt die 51-Jährige. Dann öffnet sie zwei Dosen mit  goldenem und weißgoldenem Blattgold – ein Zehntausendstel Millimeter beziehungsweise ein Achttausendstel Millimeter dünn. „Wir Vergolder merken den Unterschied.“ 

Das Blattgold ist sehr dünn, der Umgang damit schwierig. Mit einem Messer hebt Bärbel Spilker das acht mal acht Zentimeter kleine Stück von ihrem Vergolderbrett. Foto: Nadine Grunewald

Den Umgang mit dem Material zu beherrschen, dauere. Maler, Lackierer oder Steinmetze hätten deshalb oft keine Lust, damit zu arbeiten. Dann übernehmen Vergolder das. Die Objekte müssen zunächst vorbereitet werden, dann wird das Blattgold aufgetragen und anschließend mit einem Achatstein auf Hochglanz poliert. „Das ist eine monotone, aber auch meditative Arbeit. Man ist intensiv mit jedem Quadratzentimeter beschäftigt.“

Mit einem Achatstein poliert Bärbel Spilker das Blattgold. Auf diesen Rahmen hat sie mit Weißgold aufgetragen. Foto: Nadine Grunewald

Auf Umwegen zum Traumjob

Spilker ist die einzige Vergoldermeisterin im größeren Umkreis, die hauptberuflich selbstständig als Vergolderin arbeitet.* In Düsseldorf, Köln und Hamburg gibt es ihr zufolge die nächsten. Das Handwerk ist vor allem im süddeutschen Raum verbreitet. Spilker selbst ist über Umwege zu dem Beruf gekommen. Ursprünglich wollte sie Architektin werden. Doch während des Studiums merkte sie, dass das nicht ihre Welt war. Stattdessen hatte sie während ihrer Ausbildung zur Bau- und Kunstglaserin, die sie zur Vorbereitung absolvierte, Blut geleckt. Dort hatte sie viel mit Bilderrahmung zu tun. „Ich wollte Rahmen und Oberflächen selber machen und bekam einen der seltenen Ausbildungsplätze zur Vergolderin.“ Vor einigen Jahren durfte Spilker dann sogar eine Picasso-Sammlung mit Originalen rahmen.

„Die Farbe des Goldes hat immer schon eine Faszination gehabt.“ Bärbel Spilker

Die 51-Jährige geht in ihrem Job voll auf. Doch nicht jeder ist für diesen geeignet. „Man braucht viel innere und äußere Ruhe“, sagt Spilker. Auch die Erfahrung spielt eine Rolle. Die Vergolderin arbeitet viel mit tierischem Knochen- oder Hautleim. Da sich dieser nicht lange hält, rührt sie ihn immer wieder selber an. Ein allgemeingültiges Rezept gibt es dafür nicht, weil die Beschaffenheit der Materialien variiert. „Anfangs muss man die Mischung immer wieder testen, irgendwann hat man es dann raus“, sagt Spilker. 

In einem Schrank bewahrt die Vergolderin zahlreiche Pulver und Pinsel auf. Foto: Nadine Grunewald

Auch wenn es in ihrer Werkstatt überall glänzt: An Gold hat sie sich noch nicht satt gesehen. „Die Farbe des Goldes hat immer schon eine Faszination gehabt. Und für mich hat sie das auch immer noch.“ Spilkers Zuhause steht im Kontrast zu Werkstatt und Ausstellung. Dort findet sich kaum Güldenes – bis auf eine vergoldete Nuss auf dem Adventskranz.


*In einer ersten Version des Textes hieß es lediglich: Spilker ist die einzige Vergoldermeisterin im größeren Umkreis. Das war irreführend, da es unter anderem in Melle und Tecklenburg noch Vergolder gibt.


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