Regionalkonferenz Kramp-Karrenbauer, Merz und Spahn in NRW gleichauf

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Zwei Spitzenpolitiker, ein Polit-Rückkehrer: Merz (l.), „AKK“, Spahn. Foto: dpaZwei Spitzenpolitiker, ein Polit-Rückkehrer: Merz (l.), „AKK“, Spahn. Foto: dpa

Düsseldorf. Die Regionalkonferenz in Düsseldorf ist die größte für das Kandidaten-Dreigestirn der Union. Friedrich Merz und Jens Spahn nutzen ihren Heimvorteil, doch auch Annegret Kramp-Karrenbauer bringt sich geschickt in Stellung.

Annegret Kramp-Karrenbauer hat gleich zwei Asse nach NRW mitgebracht. Im Frühjahr 2017, kurz vor der Landtagswahl, war der größte Landesverband der Union ziemlich schlecht gelaunt. „Wir lagen hinten“, erzählt die Kandidatin für den CDU-Vorsitz bei der Regionalkonferenz in Düsseldorf, „es sah nicht gut aus“.

Sie reiste damals mit dem Schwung ihres Wahlsiegs im Saarland an und hatte eine Botschaft im Gepäck: „Vergesst die Umfragen, fangt an zu kämpfen.“ Drei Wochen später wurde die rot-grüne Landesregierung abgewählt. Entgegen den Umfragen, mahnt die Kandidatin, zählten „Haltung und Charakter“.

Das Schaulaufen löst einen riesigen Andrang aus

Zweitens: „Erinnert sich noch jemand an den Schulz-Zug?“, fragt „AKK“. In NRW sei er endgültig entgleist, lästert sie vor den CDU-Mitgliedern in der Düsseldorfer Messehalle 9. „Das war ein Verdienst von Euch und von Armin Laschet.“

Mit nur zwei Bemerkungen hat die CDU-Generalsekretärin die Stimmung im Saal zumindest für den Moment gedreht. Sie ätzte da ja nicht nur gegen den ehemaligen SPD-Chef und Kanzlerkandidaten Martin Schulz, sondern gleichzeitig gegen ihren Konkurrenten Friedrich Merz: Traue keinem Hype.

Die Vorstellung der drei aussichtsreichsten Bewerber für den CDU-Vorsitz, Kramp-Karrenbauer, Merz und Jens Spahn, hat einen riesigen Andrang ausgelöst. 4.000 Mitglieder haben sich zu der Konferenz in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt angemeldet – es ist das mit Abstand größte der acht bundesweiten Vorstellungstreffen. Man richtet sich an die Parteibasis, jeder Kandidat stellt sich zehn Minuten lang vor, dann fragen die Mitglieder.

Merz liefert ein Medley seiner Klassiker

In den Sitzreihen sortieren sich viele ältere Männer. Sie feiern den Polit-Rückkehrer Merz, als das Los auf ihn fällt. Der Sauerländer darf anfangen. Er genießt sein Heimspiel, warnt kantig vor der „zunehmenden Aggressivität Russlands“ und liefert ein Medley aus seiner Kampagne: Die CDU solle „die Volkspartei der Mitte“ bleiben, breit gefächert aus sozialen, liberalen, konservativen Meinungen. Sie habe Antworten zu liefern auf die innere Sicherheit und die gesellschaftliche Integrationsfähigkeit.

Merz greift die Grünen an, die gerade in NRW „ihr Verhältnis zum Gewaltmonopol dieses Staates klären“ sollten, das zeigten schon die Erfahrungen im Hambacher Forst. Der zweite Westfale auf dem Podium, Jens Spahn, strampelt sich ab, um da hinterher zu kommen. Er keilt gegen die „Rechtsbrecher“ im Wald am Tagebau Hambach.

Das Trio steht in Düsseldorf vor der bislang wichtigsten Etappe. Ungefähr ein Drittel der Delegierten, die am 7. Dezember beim CDU-Parteitag in Hamburg über den Vorsitz abstimmen werden, gehören dem größten Landesverband an. „Vorher war das Meinungsbild klarer“, sagen Mitglieder aus dem Kreisverband Aachen. Die drei Kandidaten liegen in NRW aus ihrer Sicht gleichauf.

Laschet hatte doch noch Zeit

Der Redebedarf ist groß, aufmüpfig werden die Mitglieder aber kaum. Merz freut sich über Fragen zur Sozialen Marktwirtschaft. Zuletzt war er zu seinem Klassiker zurückgekehrt: der Forderung nach einer grundlegenden Steuerreform. Wer fleißig ist, solle belohnt werden, sagt er nun in Düsseldorf. „Das Rückgrat unserer Volkswirtschaft ist der Mittelstand“, fügt er an und stößt auf die Begeisterung der Besucher – das zeige sich in jeder Krise.

Angesichts der inneren Sicherheit hatte Merz seinen Ton in Thüringen gefunden, als er das Grundrecht auf Asyl infrage stellte. Spahn hatte den Migrationspakt zum zentralen Thema seiner Kampagne gemacht. Der Schlüssel liege an der EU-Außengrenze, sagt er, dann könne man gezielt Ältere und Kranke aufnehmen und müsse am Ende nicht abschieben. Kramp-Karrenbauer erinnert die Mitglieder an die Grundauffassungen ihrer Partei, den „Leitbuchstaben C“, das christliche Menschenbild.

Der Vorsitzende des größten CDU-Landesverbandes, Armin Laschet, würdigt zu Beginn der Veranstaltung die historische Wahlfreiheit in der Partei. Bevor er zu einem Termin im Ruhrgebiet eilt, dankt er der noch amtierenden CDU-Vorsitzenden Angela Merkel „für 18 gute Jahre“. Zur allgemeinen Verwunderung war ursprünglich der Generalsekretär Josef Hovenjürgen für das Grußwort vorgesehen. Ministerpräsident Laschet konnte die Regionalkonferenz in seiner Heimat schließlich doch noch einschieben.


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