Mimik und Gestik CDU-Vorsitz: Die Körpersprache der Kandidaten

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Die CDU-Bewerber Kramp-Karrenbauer, Spahn und Merz. Foto: dpaDie CDU-Bewerber Kramp-Karrenbauer, Spahn und Merz. Foto: dpa

Düsseldorf . Kramp-Karrenbauers Kantenschläge, Merz‘ Mienenspiel, Spahns Schultergürtel – Experten für Körpersprache analysieren im Gespräch mit dieser Redaktion die nonverbalen Signale der drei aussichtsreichsten Bewerber um den CDU-Vorsitz.

Im Wettstreit um den CDU-Vorsitz haben die Bewerber harte rhetorische Bandagen angelegt, doch auch in Gestik und Mimik grenzen sie sich scharf voneinander ab. Grundsätzlich wirkt bei Annegret Kramp-Karrenbauer, Friedrich Merz und Jens Spahn vieles eingeübt. Ihre gefühlsmäßigen Eigenarten zeigen dagegen, wie glaubwürdig ihre Worte herüberkommen.

Dirk W. Eilert liest Gesten und Gesichter. Im Gespräch mit dieser Redaktion deutet der Experte für Mimik und Körpersprache die nonverbalen Signale der Bewerber. Überrascht zeigt er sich vor allem von der Kandidatin Kramp-Karrenbauer. Eigentlich seien die Gesten der CDU-Generalsekretärin eher ruhig angelegt, sie zeugten von Harmonie und Stabilität. Da ähnelt sie der noch amtierenden CDU-Vorsitzenden Angela Merkel. „Denken Sie an die Raute“, sagt Eilert. „Kramp-Karrenbauer lächelt viel, zieht die Innenseiten der Augenbrauen hoch“ – ein Signal für Betroffenheit, das eine gewisse Vertrauenswürdigkeit transportiert.

Kramp-Karrenbauer setzt ihre Angriffsenergie ein

Kramp-Karrenbauer, die mit dem Image der „Mini-Merkel“ ringt, neigt bei den Regionalkonferenzen ihrer Partei stärker zu Rhythmusgesten. Dadurch wirke sie in ihren Aktionen schneidiger, kraftvoller und wettkampffreudiger, sagt der Experte. „AKK“ habe gelernt, ihre Angriffsenergie einzusetzen: Mal ballt sie eine Faust, mal bündelt sie die Fingerspitzen zum Präzisionsgriff. „Was die Körpersprache angeht, setzt sie sich erfolgreich von Merkel ab“, erklärt Eilert. In ihrer weiblichen, harmonischen Grundwirkung bleibe Kramp-Karrenbauer trotzdem glaubwürdig.

„Sie ist die kleinste der drei Kandidaten“, bemerkt Stefan Verra. Das gleiche sie durch raumgreifende Gesten aus. Im Vergleich zu früher findet der österreichische Körpersprachenexperte die Auftritte Kramp-Karrenbauers aus nonverbaler Sicht „massiv“: wie sie sich aufs Redepult stützt, wie sie mit der rechten Handkante stakkatoartig argumentiert. Manchmal aber könnten ihre Sätze etwas mehr Verve vertragen. „Zumal sie eh schon leise spricht“, sagt Verra. „Wenn sie sagt: ,Die CDU ist eine großartige Partei‘, dann sollte sie das auch mit emotionalen Bewegungen unterlegen.“

Merz‘ Gestik hat etwas Trumphaftes

Friedrich Merz wirkt generell durchsetzungsfähig. Seine Gestik habe etwas „Trumphaftes“, behauptet Verra. Der US-Präsident öffnet in seinen Gebärden häufig das Handgelenk, Daumen und Zeigefinger zum Kreis geformt. Damit wirke die Geste weit weniger stark als er beabsichtigt. „Merz klappt das Handgelenk ebenfalls auf“, sagt Verra. Er gestikuliere dann so eng am Körper, als wollte er sich die Krawatte festziehen.

Ballt Merz die Faust, legt er den Daumen merkwürdig auf den Zeigefinger. „So zertrümmert man keine Argumente“, rügt der Fachmann. Der Kontakt mit dem Publikum? Schwierig. „Er fokussiert nur die, die direkt vor ihm sitzen.“ Merz sei der größte der drei Kandidaten, „macht sich aber am kleinsten, indem er die Halswirbel abknickt und den Kopf senkt“, stellt Verra fest: „Augenbrauen hochgezogen, Stirnfalten waagerecht“.

Was dahinter steckt? Genau kann man das nie sagen, die Wirkung allerdings ist groß. „Gestik und Mimik zeigen ganz klar: ,Ich werde es anpacken‘“, analysiert Eilert. „Und: ,Es ist extrem wichtig, was ich gerade sage.‘“ Im Kreis der Kandidaten bringe Merz gestisch und mimisch die größte Flexibilität mit, nonverbal sei er „sehr stark“, lobt der Mimik-Trainer, „aber nur, wenn er frei spricht. Dann kommt er locker und souverän rüber.“ Wenn Merz vom Zettel abliest, werde er körpersprachlich steifer und unbewegter.

Spahn wirkt kindlich – und gleichzeitig arrogant

Übertroffen wird Merz in dem Punkt nur von Jens Spahn. Freilich pflegt auch der jüngste der drei Kandidaten angriffslustige Rhythmusgesten eines Herausforderers. Er habe „die geschickteste Körpersprache“, meint Verra: „Er nimmt Blickkontakt auf, spricht frei.“ Und er wende sich, ähnlich aufmerksam wie der französische Präsident Emmanuel Macron, von ganz links nach ganz rechts im Saal.

Zugleich sieht Verra in dem Kandidaten etwas Kindliches. „Die hohe Stirn, die aufgerissenen Augen.“ Meistens steht der Gesundheitsminister dabei kerzengerade, den Kopf motorisch im Einklang mit dem Schultergürtel. „Wenn er seinen Kopf dann noch in den Nacken lehnt, kann das selbstbewusst wirken“, erklärt Eilert. Allerdings habe Spahn die Angewohnheit, beim Sprechen die Augen zu schließen. Gleichzeitig sei die Mimik ziemlich schwach ausgeprägt, „dadurch wirkt er als Mensch nicht greifbar“ – zwei Signale, die schließlich ein übermäßiges Selbstbewusstsein erzeugten: Arroganz.

„Man denkt, es geht ihm am meisten um sich selber“, sagt Verra über Spahn. „Wenn jemand aber über die Partei hinaus mehrheitsfähig sein will, sollte er verkörpern, dass er in seiner Arbeit aufgeht.“

In der CDU entscheiden die 1.001 Delegierten auf einem Parteitag Anfang Dezember in Hamburg vor allem nach ihren Bedürfnissen. Abgesehen von den Inhalten, da sind sich die Experten einig, wirken Merz und Kramp-Karrenbauer gesetzter und erfahrener als der ehrgeizige und risikofreudige Spahn. „Mit Blick auf eine Stichwahl“, rät Eilert, „sollte Herr Merz eines dringend vermeiden: Frau Kramp-Karrenbauer direkt anzugreifen“.


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