Ab 9. Dezember befahrbar Mit Video: So sieht die neue A30-Nordumgehung in Bad Oeynhausen aus

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Von der A30 auf die A2 und umgekehrt – ohne durch Bad Oeynhausen fahren zu müssen: Bald ist das möglich.  Foto: Jörn MartensVon der A30 auf die A2 und umgekehrt – ohne durch Bad Oeynhausen fahren zu müssen: Bald ist das möglich. Foto: Jörn Martens   

Bad Oeynhausen. Zehn Jahre nach dem ersten Spatenstich wird die Nordumgehung in Bad Oeynhausen im Dezember eröffnet. Dann können Auto- und Lkw-Fahrer von der A30 auf die A2 und umgekehrt fahren, ohne sich durch die Stadt quälen zu müssen. Wir sind vorab über die neue Trasse gefahren.

„Achtung, hier spricht die Leitstelle. Es besteht Lebensgefahr!“ Extrem laut schallt die Frauenstimme durch den Hahnenkamp-Tunnel kurz vor der A2 in Dehme. Doch es besteht kein Grund zur Panik: Es ist nur ein Test. Noch sind die 450 Meter langen Röhren mit Toren verschlossen, lediglich Kontroll- und Baustellenfahrzeuge dürfen hindurch fahren. 

Kurz vor der Eröffnung der Nordumgehung werden die Tore am Hahnenkamp-Tunnel abmontiert. Bis zur Freigabe der Trasse sichert dann Security die Röhren. Foto: Jörn Martens

In rund zwei Wochen wird die Nordumgehung in Bad Oeynhausen eröffnet. Die Lautstärke müsse sein, sagt Tobias Fischer, Abteilungsleiter Straßenbau bei Straßen NRW. Nur so könnten die Durchsagen laute Musik in Fahrzeugen übertönen. Im Notfall werden sie auch bei WDR2 eingespielt.


Auf dem Rest der 9,5 Kilometer langen Trasse liegen die Arbeiten ebenfalls in den letzten Zügen. Bagger stehen neben der Fahrbahn, an der Anschlussstelle Bad Oeynhausen-Nord laden Bauarbeiter in orangefarbenen Overalls Material vom Anhänger eines Lastwagens. An einigen Stellen müssen noch Verkehrsschilder aufgebaut werden, andernorts fehlen noch Schutzeinrichtungen. 

Doch am Donnerstag, 6. Dezember, ist es so weit: Zehn Jahre nach dem ersten Spatenstich an dem mehr als 230 Millionen Euro teuren Mammutprojekt wird die sogenannte Nordumgehung feierlich mit einer öffentlichen Veranstaltung und im Beisein einiger Minister eröffnet. Am Sonntag, 9. Dezember, dürfen Autofahrer erstmals darüber fahren – zunächst jedoch nur von der A2 kommend in Richtung Osnabrück. „An dem Tag müssen am Kreuz Löhne noch Markierungen aufgebracht werden“, sagt Fischer. Die einzelnen Auf- und Ausfahrten werden nach und nach geöffnet. In Löhne werden die Autofahrer schließlich auf die alte A30 geleitet.

An dieser Stelle in Löhne wird der Verkehr von der neuen Trasse (linke Fahrspuren) auf die alte A30 geleitet. Foto: Jörn Martens

„Wir hatten gerade beim Bau des Brückenbauwerks im Kreuz Löhne super Bauwetter. Keinen Regen, keinen Frost – das hat dazu beigetragen, dass wir richtig vorankamen“, erklärt Sven Johanning, Sprecher von Straßen NRW, warum die Arbeiten doch noch in diesem Jahr abgeschlossen wurden. 

Erst nur in eine Richtung befahrbar

Bis Autofahrer aber auch aus Osnabrück kommend bis zur A2 auf der A30 durchfahren können und sich nicht mehr über die B61 durch Bad Oeynhausen quälen müssen, dauert es laut Fischer noch ein, zwei Wochen länger. In dieser Zeit müsse unter anderem die Fahrbahntrennung in der Baustelle am Löhner Kreuz umgesetzt werden. In der zweiten Hälfte des Jahres 2019 soll diese Großbaustelle abgeschlossen sein. Da die südliche Fahrbahn noch gebaut werden muss, wird der komplette Verkehr solange in beide Richtungen über die nördliche Fahrbahn geleitet. 

Umleitung für Bad Oeynhauser
Außerdem wird die Kanalstraße in Bad Oeynhausen nicht mehr an die A30 angebunden sein. Die Anschlussstelle Gohfeld im Löhner Kreuz bleibt für die Dauer der Bauarbeiten gesperrt. Bad Oeynhausen wird deshalb nur über die Anschlussstelle Eidinghausen erreichbar sein.

Rund 50.000 Autos fahren täglich durch Bad Oeynhausen und vermischen sich dort mit dem innerstädtischen Verkehr. Die neue Nordumgehung soll den Verkehr in der Stadt entlasten. „Unser Ziel ist es, 35.000 Fahrzeuge davon hierhin zu bekommen“, sagt Fischer. Wer auf der Autobahn bleibt, muss zwar 3,5 Kilometer weiter fahren, spart dafür aber neun Ampeln. In Zukunft können Autofahrer – hoffentlich – auch jede Menge Nerven sparen: In den vergangenen Jahren staute sich der Verkehr auf der B61 fast täglich.

„Die letzte quantitative Verkehrszählung hat ergeben, dass das Entlastungspotenzial höher sein könnte, als früher angenommen“, sagt Volker Müller-Ulrich, Sprecher der Stadt Bad Oeynhausen, für den der Freigabe-Termin im Dezember überraschend kam. „Die Freigabe bringt letztlich auch die Möglichkeit, die Ortsdurchfahrt nachhaltig umzugestalten.“ 

Außergewöhnlich gestaltet sind die Schilderbrücken an der Nordumgehung. Foto: Jörn Martens

Auch an diesem Nachmittag stockt der Verkehr in Bad Oeynhausen wieder, während auf dem Verbindungsstück noch gähnende Leere herrscht. Genug Zeit, um sich in Ruhe anzusehen, was dort entstanden ist. Als erstes Fallen die außergewöhnlichen Schilderbrücken ins Auge. Sie sind Teil des besonderen Designkonzeptes, das laut Fischer für die Nordumgehung entwickelt worden ist. Dazu gehört auch ein Farbkonzept, das sich an den Stadtwappen der Städte Löhne und Bad Oeynhausen orientiert. Je nachdem, auf welchem Gebiet man sich befindet, sind die Bauwerke in grün-rot-weiß (Löhne) oder blau-weiß-rot (Bad Oeynhausen) gehalten. Ein bisschen hat das Design jedoch bereits gelitten: An diversen Stellen sind Brücken und Lärmschutzwände mit Graffiti beschmiert worden.

Die Werrebrücke ist die längste der 26 Brücken an der neuen Trasse. Foto: Jörn Martens

„Alle Bauwerke auf dieser Trasse sind schlank gestaltet und ohne Mittelstützen. Das sorgt für noch mehr Sicherheit“, erklärt Fischer. Die längste der 26 Brücken, die für das Projekt gebaut worden sind, ist die Werrebrücke in Löhne mit einer Länge von 309 Metern. Sie ist bereits seit Langem von der A30 aus zu sehen gewesen. Anfang 2016 wurden hier Szenen für einen Actionfilm gedreht. Die roten Spannseile sind stabil: An jedes einzelne können 2000 Autos gehängt werden, bis es reißt. 

Da es in Deutschland zunächst keine Maschine für einen entsprechenden Belastungstest gab, hätte dieser fast in Chicago durchgeführt werden müssen. Letztlich konnte der Test aber doch noch in Deutschland durchgeführt werden. Sowohl bei der Werrebrücke als auch bei der anderen Schrägseilbrücke sind laut Fischer die dicksten Seile verwendet worden, die in Deutschland jemals verbaut worden sind – zum Teil mit Hilfe von Pontons auf der Werre.

„In seinen ganzen Anforderungen ist das Projekt einzigartig.“Tobias Fischer

„In seinen ganzen Anforderungen ist das Projekt einzigartig“, sagt Fischer. Auch in Sachen Umweltschutz habe einiges gemacht werden müssen. Neben Überflughilfen für Fledermäuse werden für die 70 Hektar große Trasse rund 120 Hektar Ausgleichsflächen gebaut. 

Für den Bau der Trasse musste auch eine Menge Erde bewegt werden: Auf einem Teilstück führt die Autobahn zwischen zwei Wällen hindurch. Ursprünglich befand sich alles auf dieser Höhe. Die Mitte wurde abgetragen, die Wälle dienen jetzt als Lärmschutz. Ob dieser ausreichend ist, bleibe abzuwarten, sagt Müller-Ulrich. Die Menschen im Norden der Stadt müssten jetzt mit einer Autobahn in Betrieb leben. „Wir müssen im Blick behalten, wo es Probleme mit dem Lärmschutz gibt und dann gegebenenfalls beim Landesbetrieb Straßen.NRW auf Verbesserungen hinwirken.“


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