Prozess am Landgericht Bielefeld Dreifachmord in Hille: Kevin R. belastet Ziehvater schwer

Von dpa

Meine Nachrichten

Um das Thema Nordrhein-Westfalen Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Im Prozess um einen brutalen Dreifachmord in Hille sitzen ein 51-Jähriger und sein 24-jähriger Ziehsohn auf der Anklagebank. Archivfoto: Guido Kirchner/dpaIm Prozess um einen brutalen Dreifachmord in Hille sitzen ein 51-Jähriger und sein 24-jähriger Ziehsohn auf der Anklagebank. Archivfoto: Guido Kirchner/dpa

Bielefeld. Aussage gegen Aussage: Im Prozess um die drei Leichenfunde von Hille belasten sich die Angeklagten weiter gegenseitig. Trotz des Appells des Vorsitzenden Richters beantworten sie – vorerst – keine Fragen des Gerichts.

Im Prozess um den Dreifachmord von Hille hat der 24-jährige Kevin R. seinen mitangeklagten Ziehvater Jörg W. erneut schwer belastet. Am Montag verlas sein Verteidiger vor dem Landgericht Bielefeld eine Erklärung. Darin schilderte der Zeitsoldat, wie der 51-jährige Jörg W. drei Männer in dem ostwestfälischen Ort mit Ziegelsteinen und einem Hammer brutal getötet haben soll. Er, Kevin R., sei von den Taten überrascht worden, berichtete der 24-Jährige. Er habe unter Druck und Angst um sein eigenes Leben bei der Beseitigung der Leichen geholfen.

Dies hatte Kevin R. auch bereits gegenüber der Polizei nach seiner Festnahme ausgesagt. Sein Ziehvater dagegen hatte im Gespräch mit einer Gutachterin die Taten dem 24-Jährigen zugeschoben und behauptet, dieser habe aus Mordlust getötet.

Richter fordert: Gegensätze auflösen

Nachfragen des Gerichts wollte Kevin R. am sechsten Prozesstag nicht beantworten. Der Vorsitzende Richter Georg Zimmermann appellierte an die beiden Angeklagten eindringlich, seine Fragen zu beantworten, um so die gegensätzlichen Aussagen aufzulösen. Der Anwalt von Kevin R. lehnte das für diesen Tag ab, wollte Antworten aber für einem späteren Zeitpunkt nicht ausschließen.

In seiner schriftlichen siebenseitigen Stellungnahme schilderte der ehemalige Zeitsoldat Kevin R., wie die drei Männer durch rohe Gewalt ums Leben gekommen waren. Er sei von den Taten jeweils überrascht worden. Jörg W. sei plötzlich ein anderer Mensch gewesen. "Er sah aus wie auf Droge", las sein Anwalt vor.

Er, Kevin R., habe dann aus Angst bei der Beseitigung der Leichen geholfen. "Du hältst die Schnauze und hältst dicht. Du weißt, was sonst passiert", soll Jörg W. zu seinem Ziehsohn gesagt haben. "Bin ich jetzt selbst dran? Ich stand unter Schock", verlas der Anwalt die Begründung seines Mandaten, warum er nicht zur Polizei gegangen war.

Tatwerkzeug war ein Maurerfeustel 

Ein Gerichtsmediziner der Uni Münster bestätigte in seiner Aussage, dass das jüngste Opfer an seinen schweren Kopfverletzungen gestorben war. Der Mediziner zählte zahlreiche Schädelbrüche, ein gebrochenes Nasenbein und Blutungen an Armen und Beinen auf. Der Experte bestätigte, dass auf den Körper mit stumpfer Gewalt eingeschlagen worden war. Die Verletzungen passten zum gefundenen Tatwerkzeug, einem sogenannten Maurerfäustel, legte sich der Mediziner fest.

Die Leichenfunde auf zwei angrenzenden Höfen im ostwestfälischen Hille hatten im Frühjahr für Aufsehen gesorgt. Laut Anklage haben die beiden von 2017 bis 2018 zuerst einen Nachbarn (72), dann einen Hilfsarbeiter (64) und später einen Geschäftspartner (30) brutal erschlagen. Die Anklage lautet auf dreifachen Mord aus Habgier.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN