Einsturz vor neun Jahren Prozess um Kölner Stadtarchiv: Staatsanwaltschaft fordert Bewährungsstrafen

Von dpa

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Das historische Kölner Stadtarchiv stürzte im Jahr 2009 ein. Foto: Oliver Berg/dpaDas historische Kölner Stadtarchiv stürzte im Jahr 2009 ein. Foto: Oliver Berg/dpa 

Köln. Die Staatsanwaltschaft hat im Prozess um den Einsturz des Kölner Stadtarchivs ihr Plädoyer gehalten. Drei Bewährungsstrafen und ein Freispruch wurden gefordert.

Im Prozess um den Einsturz des Kölner Stadtarchivs hat die Staatsanwaltschaft für drei Angeklagte Bewährungsstrafen wegen fahrlässiger Tötung gefordert. Die beiden Mitarbeiter von Baufirmen und der Bauüberwacher der Kölner Verkehrsbetriebe (KVB) hätten ihre Sorgfaltspflichten verletzt, sagte Oberstaatsanwalt Torsten Elschenbroich am Mittwoch vor dem Kölner Landgericht. Sie hätten die Bauarbeiten vor dem Archiv nicht wie vorgeschrieben überprüft, dokumentiert und kommuniziert.

Für die zwei angeklagten Bauleiter forderte Elschenbroich jeweils ein Jahr, für den KVB-Überwacher zehn Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung. Die vierte Angeklagte, eine weitere Bauüberwacherin der KVB, soll nach Auffassung der Staatsanwaltschaft freigesprochen werden. Ihr hätten entscheidende Informationen gefehlt, um die Folgen der Taten vorhersehen können.

"Unglück hätte verhindert werden können"

Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft haben Fehler beim Bau einer neuen U-Bahn-Haltestelle zu dem Unglück mit zwei Toten im Jahr 2009 geführt. "Das Unglück hätte verhindert werden können", sagte Elschenbroich.

Laut Anklage waren Arbeiter 2005 beim Aushub der Grube auf einen Gesteinsblock gestoßen, den sie nicht beseitigen konnten. Stattdessen hätten sie um das tiefliegende Hindernis herum gebaggert, so dass in der dort entstehenden Betonwand ein Loch entstand. Durch diese Fehlstelle brachen am Unglückstag plötzlich große Mengen Sand und Kies in die Baugrube ein. "Wie ein dunkler Pilz" sei das von unten hochgekommen, hatte ein Zeuge es beschrieben. "Dem Archiv wurde im wahrsten Sinne des Wortes der Boden unter den Füßen weggezogen, das Gebäude kippte nach vorne", sagte Elschenbroich.

Die schrecklichen Folgen: "Zwei junge Männer wurden unter meterhohen Trümmern begraben, zwei Dutzend Menschen sind nur knapp dem Tod entronnen, 36 Anwohner verloren ihre Wohnungen." Zudem wurden wertvolle Archivalien zerstört oder beschädigt, der Sachschaden liegt nach Angaben der Stadt Köln bei 1,2 Milliarden Euro.

Der seit Anfang des Jahres laufende Prozess stand unter Zeitdruck, weil die Taten im März 2019 verjähren. Nun wird das Landgericht voraussichtlich im Oktober das Urteil sprechen. Anfangs saß noch ein weiterer Mann auf der Anklagebank. Doch der Polier, der in dem Verfahren als Hauptbeschuldigter galt, ist erkrankt und nicht mehr verhandlungsfähig.



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