Fünf Tage Befragung Loveparade-Prozess: Erstmals Polizist im Zeugenstand

Von dpa

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Welche Rolle spielte die Polizei bei der Loveparade-Katastrophe mit 21 Toten? Seit Dienstag wird dazu im Loveparade-Prozess ein hochrangiger Polizist vernommen. Fünf Tage lang muss er Fragen beantworten, so lange wie noch kein Zeuge vor ihm. Foto: Ina Fassbender/dpaWelche Rolle spielte die Polizei bei der Loveparade-Katastrophe mit 21 Toten? Seit Dienstag wird dazu im Loveparade-Prozess ein hochrangiger Polizist vernommen. Fünf Tage lang muss er Fragen beantworten, so lange wie noch kein Zeuge vor ihm. Foto: Ina Fassbender/dpa

Düsseldorf. Welche Rolle spielte die Polizei bei der Loveparade-Katastrophe mit 21 Toten? Seit Dienstag wird dazu im Loveparade-Prozess ein hochrangiger Polizist vernommen. Fünf Tage lang muss er Fragen beantworten, so lange wie noch kein Zeuge vor ihm.

Frühjahr 2010, in Duisburg wird die Loveparade geplant: Wie umgehen mit den vielen erwarteten Besuchern? Was tun bei Straftaten, bei einem Unwetter, bei zu viel Andrang auf das Veranstaltungsgelände? Am ersten Tag der Vernehmung eines leitenden Polizisten im Loveparade-Prozess am Dienstag wird abermals deutlich, dass schon viele Wochen vor der Loveparade am 24. Juli 2010 fast alle möglichen Szenarien bedacht und bei vielen Treffen mit Veranstalterin Lopavent, Feuerwehr und städtischen Behörden diskutiert wurden - nicht selten kontrovers.

Am 58. Tag des Mammut-Prozesses wird erstmals ein Polizist als Zeuge vernommen. Befragt wird der damalige polizeiliche Leiter des Führungsstabs am Veranstaltungstag. Das Gericht hat insgesamt fünf Verhandlungstage für die Befragung des 55-Jährigen angesetzt, so viele wie noch für keinen Zeugen vor ihm.

Der Vorsitzende Richter Mario Plein will etwa wissen, wie der Polizist die Rollen der zehn Angeklagten wahrgenommen hat. Mit den sechs städtischen Bediensteten hatte der Führungsstableiter nicht so viel zu tun, wohl aber mit dem angeklagten Produktionsleiter der Veranstalterin Lopavent. Dieser sei der zentrale Ansprechpartner für die Polizei gewesen. Er habe einen kompetenten Eindruck gemacht. Er habe immer sicherheitsorientiert Entscheidungen getroffen, sagt der Zeuge. Seinen Ausführungen vorangestellt hatte er den Wunsch, mit seiner Aussage auch Fragen von Angehörigen und Verletzten beantworten zu können.

Breit erörtert das Gericht anschließend mit dem Zeugen alle Vorbereitungstreffen, an denen der Polizist teilgenommen hatte - polizeiinterne Treffen und mit den anderen Akteuren. Um ein Lautsprecherkonzept zur Information wartender Besucher sei es da etwa gegangen, um den Zugriff der Polizei auf Videokameras der Veranstalterin oder um die notwendige Anzahl der Bereitschaftspolizei-Hundertschaften und deren Schichtdauer.

Der 55-Jährige berichtet, dass er am Veranstaltungstag die Spätschicht als Stabsleiter zusammen mit einem Polizeiführer innehatte. In der Mittagszeit habe er zuvor noch seinen Sohn und dessen Bekannten auf der Veranstaltungsfläche abgesetzt. Einzelne polizeiliche Maßnahmen im Zusammenhang mit dem sich am späten Nachmittag abzeichnenden verhängnisvollen Gedränge kommen noch nicht zur Sprache.

Unter den zehn Angeklagten ist kein Polizist. Die Staatsanwaltschaft hatte zwar gegen einen Duisburger Polizeiführer ermittelt, ihn aber nicht angeklagt. Er soll am 26. und 27. September als Zeuge vernommen werden. Ein Sachverständiger hatte damals festgestellt, dass Polizeimaßnahmen nicht die Ursache für das Unglück waren. Auch hatten nach 2014 veröffentlichten Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft die leitenden Beamten keine Maßnahmen unterlassen, mit denen der tödliche Ausgang des Geschehens noch hätte abgewendet werden können.

Bei der Loveparade am 24. Juli 2010 in Duisburg gab es am einzigen Zu- und Abgang zum Veranstaltungsgelände ein so großes Gedränge, dass 21 Menschen erdrückt und mindestens 652 verletzt wurden. Angeklagt sind sechs Mitarbeiter der Stadt Duisburg und vier Beschäftigte der Veranstalterin Lopavent GmbH. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen unter anderem fahrlässige Tötung wegen Fehlern bei der Genehmigung und Planung der Großveranstaltung vor. Aus Platzgründen findet der Prozess in einer Düsseldorfer Messehalle statt.


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