War Mord am Nachbarn geplant? Prozess um Dreifachmord in Hille gestartet

Von Nina Könemann

Meine Nachrichten

Um das Thema Nordrhein-Westfalen Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Die Angeklagten (2.v.l) und (sitzend, r) erschienen am Montag vor dem Bielefelder Landgericht in Begleitung ihrer Verteidiger. Auf zwei Höfen in Hille an der Grenze zu Niedersachsen waren im März 2018 die Leichen dreier Männer mit deutlichen Spuren von Gewalt entdeckt worden. Das Motiv der beiden Angeklagten soll Habgier gewesen sein. Foto: dpaDie Angeklagten (2.v.l) und (sitzend, r) erschienen am Montag vor dem Bielefelder Landgericht in Begleitung ihrer Verteidiger. Auf zwei Höfen in Hille an der Grenze zu Niedersachsen waren im März 2018 die Leichen dreier Männer mit deutlichen Spuren von Gewalt entdeckt worden. Das Motiv der beiden Angeklagten soll Habgier gewesen sein. Foto: dpa

Bielefeld/Hille. Die Große Strafkammer des Landgerichts Bielefeld hat Montag unter großem Medienaufgebot den Prozess gegen Jörg W. (51) und Kevin R. (24) aus Hille eröffnet. Die Staatsanwaltschaft beschuldigt die beiden des zweifachen gemeinschaftlichen Mordes an einem Nachbarn sowie einem Hilfsarbeiter.

Der 72-jährige Nachbar Gerd F. und der Hilfsarbeiter Jochen K. (64) wurden im August 2017 gewaltsam getötet und später im Garten des mutmaßlichen Haupttäters Jörg W. vergraben. Er wird außerdem des Mordes an dem Stadthäger Fadi S. (30) beschuldigt, der am 4. März in der Scheune des Nachbarhofes erschlagen wurde. R. ist hier der Beihilfe angeklagt. 

Habgier als Motiv

Das Motiv soll in allen drei Fällen Habgier gewesen sein. Besonders W. bereicherte sich der Anklage zufolge an den Ersparnissen seiner Opfer. Insgesamt soll er im Anschluss an die drei Taten 15.600 Euro an Bargeld, Renten und Sozialleistungen eingestrichen haben. EC-Karten von Gerd F. und Jochen K. wurden bei seiner Festnahme sichergestellt. Seinem Komplizen gab W. lediglich 200 Euro ab. Außerdem soll er Kevin R. die Nutzung des Nachbarhofes zugesagt haben. Für 500 Euro Miete im Monat sollte der Zeitsoldat das Domizil des getöteten Renters Gerd F. beziehen.

Mord an Gerd F. geplant

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die beiden Angeklagten mindestens im Fall von Gerd F. heimtückisch handelten, da sie den Mord an ihm planten. Der Vorsitzende Richter Dr. Georg Zimmermann merkte außerdem an, dass das Gericht bei der Verurteilung eine „besondere Schwere der Schuld“ in Betracht zieht. Diese entscheidet über das Strafmaß und könnte ausschlaggebend für eine lebenslange Freiheitsstrafe sein. Nebenkläger im Prozess sind zwei Brüder sowie die Ehefrau von Fadi S. Auch die Schwester von Jochen K. tritt als Nebenklägerin auf.  (Weiterlesen: Mysteriöses Verbrechen hält Hille in Atem)

Trauernde Angehörige im Gericht

Der Prozessauftakt selbst dauerte nur gute 30 Minuten und beinhaltete ausschließlich die Anklageverlesung der Staatsanwaltschaft. Aufgrund der zahlreichen Pressevertreter und Besucher – rund ein Dutzend Mitglieder der Familie des libanesischen Opfers S. war vor Ort – wurde die Verhandlung mit knapp einer Stunde Verspätung eröffnet. Der Richter musste die trauernden Angehörigen mehrfach zur Ruhe auffordern. Sie trugen Anstecker mit dem Konterfei des Opfers Fadi S. am Revers. Bis auf einige „Mörder“-Rufe seitens der Familie verlief die Verhandlung ohne Zwischenfälle.

Psychologisches Gutachten über Jörg W. wird angefertigt

Das Gericht will die Angeklagten Jörg W. und Kevin R. am nächsten Prozesstag zu den Taten befragen. Bis dahin soll auch das psychologische Gutachten über Jörg W. fertig sein, der sich laut Auskunft des Vorsitzenden Richters gegenüber der Expertin detailliert zu den Taten geäußert hat. In den Vernehmungen mit der Polizei hatte er stets geschwiegen.

Kevin R. verweigert eine psychologische Begutachtung seinerseits, er soll daher nach Aktenlage beurteilt werden. Seine Anwälte haben dem Gericht außerdem signalisiert, dass R. auch bei seiner öffentlichen Vernehmung schweigen will. Richter Zimmermann appellierte in einem persönlichen Kommentar an den Ex-Zeitsoldaten, sich das zu überlegen. „Verschließen Sie sich nicht die Möglichkeit, vielleicht doch noch mildernde Umstände zu bekommen.“

Unterschiedliche Angaben

Der Richter sprach allerdings auch an, dass die Aussagen von R. – er hatte nach der Festnahme in vier Vernehmungen Angaben gemacht – von den Schilderungen W.'s abweichen. „Womöglich müssen Sie ihre Aussagen also ohnehin revidieren“, deutete Zimmermann an. Kevin R. wird des Mordes, Totschlags und der Beihilfe zum Mord beschuldigt. Der Prozess wird am 20. September in Bielefeld fortgesetzt.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN