Hunderttausende Besucher in Köln Computerspielemesse Gamescom: Die Woche der Zocker

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„Vielfalt gewinnt“: X-Box Controller bei der Gamescom. Foto: dpa„Vielfalt gewinnt“: X-Box Controller bei der Gamescom. Foto: dpa

Köln. Die weltweit größte Computer- und Videospielemesse Gamescom lockt Hunderttausende Besucher nach Köln. Es geht politischer zu denn je.

Glockenschläge und Revolverschüsse, Cowboys liegen im Staub, High Noon im Wilden Westen – nicht auf der Kinoleinwand, sondern als riesige Videospielprojektion. Die grobkörnige Geschichte der Siedler flimmert hinterher, Abenteuer aus Fernost und Tragödien aus der Tiefsee. Aufgeregt holen Fans ihre Kameras hervor. Zur zehnten Auflage der Computerspieleschau Gamescom warten auf sie üppig produzierte Neuerscheinungen.

Man sieht sie überall in den Hallen der Kölner Messe, Computerspiele der nächsten Generation. Vor den Ständen der großen Konzerne stehen Probespieler geduldig Schlange. Nach teils stundenlanger Wartezeit hocken sie auf Tribünen und zocken Highlights wie „Fifa“, „Battlefield“ oder „Spider Man“. Einige tragen Shirts mit dem Messeslogan „The Heart of Gaming“, das Herz des Spielens.

Trend zu Indie-Titeln

Wer zum ersten Mal zu dieser Messe geht, hat es sich ungefähr so vorgestellt. Man trifft aber auch auf diejenigen, die es eine Nummer kleiner mögen. Ercan Özdemir, ein Händler aus dem Ruhrgebiet, ist früh angereist, steht jetzt vor einer der Videoleinwände und staunt über „Brawlhalla“, ein Kampfspiel, man kann es gratis herunterladen. „Dahin geht ein Trend“, sagt er, „zu den Indie-Titeln“, die Veröffentlichungen aus der Nische.

Jörg Friedrich und Sebastian Schulz vom Berliner Studio Paintbucket Games gehören zur freien Entwicklerszene. Sie stellen in Köln ihre Produktion „Through the Darkest of Times“ vor (Durch die dunkelste Zeit). Zum ersten Mal zeigt diese Elemente, die in deutschen Videospielen lange verboten waren: Hakenkreuze, SS-Runen, Hitlergruß. Man steigt 1933 ein, organisiert den Widerstand im Dritten Reich, schart ein Netzwerk aus Freunden um sich, plant den Umsturz.

Klicks gegen das NS-Regime

Die beiden Entwickler greifen Fragen aus Geschichtsstunden auf. Sie sind auf die Konzeptidee gekommen, als Trump US-Präsident geworden ist, erzählt Friedrich. Zur gleichen Zeit „erlebte der Front National in Frankreich einen Höhenflug, in Polen ging’s an die Gewaltenteilung, in Deutschland schwang sich die AfD auf“.

Die Berliner spürten eine gewisse Verantwortung und leisteten ihren Beitrag, um auf die autoritären Reflexe in der Welt zu reagieren. „Spiele können politisch sein“, sagt Schulz. „Wir machen nicht nur Jux und Tollerei, wir sind politische Menschen.“

Messe-Motto „Vielfalt gewinnt“

„Vielfalt gewinnt“, lautet das diesjährige Leitthema der Messe. Die Gemeinde der Gamer sei vielfältig wie die Spiele, sagt Felix Falk, Geschäftsführer des Verbands der deutschen Games-Branche. Sie setze sich zusammen aus Menschen aller Altersgruppen, Nationalitäten und Hautfarben. „Wäre das überall in unserer Gesellschaft so, ich glaube, es gäbe nichts Schöneres.“

Zwischen den als Elfen, Soldaten und Super Marios verkleideten Fans wächst bei der Gamescom die Gruppe der Politiker. Im Vorjahr hat Kanzlerin Angela Merkel vorbeigeschaut, seitdem „schockt es niemanden mehr, Games zu unterstützen“, scherzt die CSU-Staatsministerin für Digitales, Dorothee Bär. NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) erinnert an die Anfänge, als es mit den Computern losging: „Pixelige Massenware“ sei das gewesen.

Staatsministerin Bär verspricht mehr Geld

Mittlerweile gehört die Messe zu den Imageträgern der Rheinmetropole Köln. Die Electronic Sports League hat hier ihren Sitz. Von den mehr als 500 deutschen Fachfirmen sind fast hundert Entwickler und Publisher in Nordrhein-Westfalen angesiedelt. „Wir sind das Mutterland der deutschen Games-Entwicklung“, sagt der CDU-Politiker Laschet. „die Heimat der Gamescom, und so soll es bleiben.“

Dies hängt auch von der Förderung deutscher Entwickler ab. Staatsministerin Bär verspricht umfangreiche Unterstützung, man hört in dreistelliger Millionenhöhe.

„Kleine Entwickler fördern“

Wie könnte es vorangehen mit den Computerspielen in Deutschland? „Man sollte die kleineren Entwickler fördern“, rät Fachbesucher Özdemir, „da liegt noch viel Talent offen.“

Die Entwickler aus der Nische schlagen der Politik vor, gleichfalls auf Kreativität zu setzen. Mit Paintbucket Games haben sich die Berliner Friedrich und Schulz einem Kollektiv angeschlossen: Mehrere Entwickler sitzen in einem Haus. „Früher ging das recht einfach“, heute sei der Immobilienmarkt überhitzt, sagt Friedrich. „Politik sollte uns Freiräume schaffen.“


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