Porträt Ministerin Heinen-Esser: Laschets Top-Transfer

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Sommertour: Ursula Heinen-Esser auf dem Laborschiff „Max Prüss“. Foto: dpaSommertour: Ursula Heinen-Esser auf dem Laborschiff „Max Prüss“. Foto: dpa

Düsseldorf . Zwischen Debatten über Dürre und Diesel richtet sich die Christdemokratin Ursula Heinen-Esser als nordrhein-westfälische Umwelt- und Agrarministerin ein. Ihr Chef, Ministerpräsident Armin Laschet (CDU), hat ihr ein ehrgeiziges Ziel vorgegeben.

Als Ursula Heinen-Esser neulich im Landtag ihren ersten Auftritt hingelegt hatte, kam man in der schwarz-gelben Regierungsriege in Wallung. „Jetzt wird’s schwerer für euch“, zischte Innenminister Herbert Reul den oppositionellen Fraktionen entgegen. Sie sehen das bislang genauso.

Ursula Heinen-Esser, von vielen einfach Ulla Heinen genannt, hat vor drei Monaten die lange glücklose und am Ende gescheiterte Christina Schulze Föcking als nordrhein-westfälische Umwelt- und Agrarministerin abgelöst. Rheinische Volkswirtin für westfälische Landwirtin. Ihr habe der Abgang ihrer Vorgängerin „unglaublich leidgetan“, sagt Heinen-Esser. „Ich glaube, dass sie genau die richtige für diese Aufgabe war.“

„In vorzüglicher Weise geeignet“

Ihre erste Sommertour als Ministerin hat ihr Haus unter den Titel „Luftreinhaltung“ gestellt. Heinen-Esser schaut bei Firmen für Diesel-Hardwarenachrüstungen vorbei und bei Herstellern von elektrischen Nutzfahrzeugen. Kaum jemand hatte sie Mitte Mai auf dem Zettel. Dabei habe sie längst „den Beweis angetreten“, sagte Ministerpräsident Armin Laschet vor ihrer Vereidigung, dass sie „in vorzüglicher Weise geeignet“ sei für den Job.

In der Tat liest sich Heinen-Essers Biografie wie ein Karriereratgeber. Vor zwanzig Jahren zog sie in den Bundestag ein, wurde Vorsitzende der Frauengruppe in der Unionsfraktion, Parlamentarische Staatssekretärin, erst im Landwirtschafts-, dann im Umweltressort. Sie leitete die deutsche Delegation bei der UN-Klimakonferenz in Warschau und stieg auf zur Gründungsgeschäftsführerin der Bundesgesellschaft für Endlagerung.

Versöhnung von Ökologie und Ökonomie

In NRW ist sie seit ihrem Wechsel eher als Agrar- denn als Umweltministerin gefordert. Sachlich entgegnet sie Fragen nach der „Jahrhundertkatastrophe“ einer wochenlangen Trockenphase und den schwerwiegenden landwirtschaftlichen Folgen. Ob Dürre oder Diesel, die gebürtige Kölnerin tritt im Politikbetrieb so gelassen auf wie jemand, der die Härten des Lebens kennengelernt hat. 2013 sprach sie öffentlich über ihre Brustkrebserkrankung.

Während ihrer Vorstellung als Ministerin griff Laschet ein Wort des früheren Landesvaters Johannes Rau auf. Er gab das Ziel einer „Versöhnung“ von Ökologie und Ökonomie aus. Kein ganz einfacher Auftrag, gerade angesichts des riesigen CO2-Emittenten NRW, wo Stromerzeugung zu einem Großteil durch Kohle gewonnen wird. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung hat gerade erneut dazu gemahnt, die Energiewende beherzter anzugehen.

„Maßgeblich in der Verantwortung“

Obwohl die Ressortzuständigkeit bei Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) liegt, setzt Heinen-Esser schon einmal den Ton. Sie hoffe, dass die Kohlekommission der Bundesregierung „zügig gute Ergebnisse bringt“. Weil NRW und die ostdeutschen Länder „maßgeblich betroffen sind, stehen wir maßgeblich in der Verantwortung“. Manchmal sei es halt „schwer zu vermitteln, dass eine Technologie, von der viele Menschen leben, an ihr Ende gekommen ist“.

Heinen-Esser, Mutter einer Tochter, hatte reichlich Gelegenheit, sich über eine klimapolitische Kampfzone zu erkundigen. Häufig schon war sie im Hambacher Forst nahe ihrer Heimat, die CDU-Politikerin sei „auch mal nach unten gefahren“, erzählt sie, in das Abbaugebiet, um sich anzusehen, wie die gigantischen Bagger die Braunkohle abgraben.

Im Ministerium hat sich die Stimmung aufgehellt

Wie könnte der Wandel in der Region gelingen? Jetzt wirbt Heinen-Esser doch um Geduld. „Ein Kohlekumpel aus dem rheinischen Revier lässt sich nicht in einen der neu geschaffenen Jobs umpflanzen und etwa als Windradhersteller einstellen“, sagt sie. „So einfach geht das nicht.“

Im Ministerium hat sich die Stimmung aufgehellt, seitdem die 52-Jährige angetreten ist. Man hebt ihre frische Ansprache hervor und ihre Führungsqualitäten. In der SPD loben sie Heinen-Essers Stil. In der Dieselfrage habe sie „bisher eine gute Figur gemacht“, sagt der Umweltpolitiker André Stinka. Und sie halte Kurs gegen die AfD, die den menschgemachten Klimawandel leugnet.

Die Grünen im Landtag glauben, genau wie Reul, dass die Angriffsflächen für sie kleiner geworden sind. „Ulla Heinen ist eine Frau mit einem politischen Anliegen“, sagt Fraktionschef Arndt Klocke, der sie für ihre Aufgeschlossenheit schätzt. „Ich bin Christdemokratin“, sagt Heinen-Esser, „für mich steht die Bewahrung der Schöpfung ganz oben.“


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