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Knapp vier Monate nach Tat Amokfahrt von Münster fordert weiteres Todesopfer

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Knapp vier Monate nach der Amokfahrt von Münster ist ein 56-jähriger Niederländer seinen schweren Verletzungen durch die Tat erlegen. Foto: dpaKnapp vier Monate nach der Amokfahrt von Münster ist ein 56-jähriger Niederländer seinen schweren Verletzungen durch die Tat erlegen. Foto: dpa

Münster. Knapp vier Monate nach der Amokfahrt von Münster hat die Tat ein fünftes Todesopfer gefordert. Ein 56-jähriger Mann aus den Niederlanden erlag seinen schweren Verletzungen. Gastronomen und Stadt wollen nun einen Ort der Erinnerung schaffen.

Der 56-jährige Mann aus Albergen starb am Sonntagmorgen in einem Münsteraner Krankenhaus, wie die Polizei in Münster bestätigte. Zuerst hatten niederländische Medien über seinen Tod berichtet. Der Mann war bei der Amokfahrt in der Münsteraner Altstadt lebensgefährlich verletzt und seitdem intensivmedizinisch betreut worden. Er hatte im künstlichen Koma gelegen.

Zustand immer wieder kritisch

Der Zustand des Niederländers war immer wieder sehr kritisch, wie eine Kliniksprecherin sagte. Weitere Verletzte, die teilweise noch Wochen nach dem schrecklichen Vorfall in den Krankenhäusern der Stadt behandelt worden waren, seien inzwischen entlassen worden, teilten die Kliniken mit. 

Die Zahl der Toten nach der Amokfahrt stieg damit auf fünf, den Täter eingerechnet. Der als psychisch krank geltende Jens R. war am 7. April 2018 mit einem Kleinbus in die Altstadt von Münster gefahren und hatte sein Fahrzeug in eine Menschengruppe vor einer beliebten Gaststätte gelenkt. Dabei waren zunächst zwei Menschen getötet und mehr als 20 verletzt worden. Einige der Verletzten schwebten lange in Lebensgefahr. Ende April war ein drittes Opfer gestorben. Nach der Fahrt hatte sich der Täter selbst erschossen.

Ermittlungen eingestellt

Polizei und Staatsanwaltschaft gehen davon aus, dass Jens R. in Suizidabsicht handelte. Die Ermittlungen wurden Anfang Juli offiziell eingestellt. Es habe keine Mittäter gegeben, das Motiv lag ausschließlich bei dem toten Amokfahrer, sagte damals ein Polizeisprecher. 

Der psychisch kranke Jens R. war mit seinem Kleintransporter in eine Menschenmenge vor dem beliebten Lokal in der Münsteraner Altstadt gerast. Foto: dpa

Der Vater des 48-Jährigen nahm an, dass ein psychisches Leiden seinen Sohn zu der Tat getrieben hatte. Diese Krankheit habe ihn in zwei Welten leben lassen, sagte er. Sein Sohn habe an "Verfolgungswahn" gelitten. Die Behörden in Münster kannten den späteren Amokfahrer bereits, es hatte nach Angaben der Stadt in den vergangenen Jahren mehrere, wenngleich kurze Kontakte gegeben.

Der nordrhein-westfälische Innenminister Herbert Reul (CDU) zeigte sich bestürzt über den weiteren Todesfall: „Es ist tragisch, dass wir noch ein Opfer zu beklagen haben. Mein Mitgefühl gehört den Angehörigen und Freunden", teilte er mit. 

Tafel als Erinnerung

Gemeinsam mit den betroffenen Gastronomen will die Stadt Münster nun einen Ort der Erinnerung an die Opfer errichten. Wie aus der Verwaltung zu erfahren ist, soll eine kleine Tafel in den Altstadtboden eingelassen werden. Wo genau sie verlegt werden soll, müssen die Beteiligten noch klären, teilte die Stadt unserer Redaktion am Montag mit. (mit dpa)


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