Unappetitliches Abwasser-Video aus Coesfeld Unwetter: Warum ein Rücklaufschutz bei Starkregen so wichtig ist

Von Meike Baars

Hier läuft alles sauber. Wenn der Rücklaufschutz fehlt, kann bei Starkregen Abwasser die Toilette hochsprudeln. Foto: Imago/Jochen TackHier läuft alles sauber. Wenn der Rücklaufschutz fehlt, kann bei Starkregen Abwasser die Toilette hochsprudeln. Foto: Imago/Jochen Tack

Osnabrück. Ein Video macht die Runde, es soll aus Coesfeld stammen. Der Clip zeigt die unappetitlichen Folgen des Starkregens auf ein Badezimmer. Es wird mit Abwasser übersprudelt, das aus den Abflüssen nach oben drückt. Wie lässt sich so etwas verhindern?

Abwasser quillt aus dem Bodenabfluss, es spudelt in der Badewanne und drängt aus der Toilette. Im Waschbecken bildet sich eine unangenehm-bräunliche Suppe. Diese Laienaufnahmen sollen aus Coesfeld stammen und am Mittwochabend aufgenommen worden sein. Die Facebookseite "Wetterjäger Deutschland" veröffentlichte sie.

Feuerwehr im Dauereinsatz

Das Unwetter, das am Abend über den Nordwesten Deutschlands hinweggefegt war, hatte in kurzer Zeit enorme Regenmengen auf die münsterländische Stadt niedergehen lassen. Wegen vollgelaufener Keller und umgestürzter Bäumen war die Feuerwehr im Dauereinsatz.

Das Badezimmer-Video wurde bereits mehr als 60.000 Mal angesehen. Der gezeigte Raum liegt höchstwahrscheinlich im Keller oder Souterrain eines Coesfelder Hauses – das dem Augenschein nach nicht über einen Rücklaufschutz gegen aufsteigendes Abwasser verfügt.

"Das Wasser sucht sich seinen Weg", erklärt Andreas Braun vom Referat Sanitärtechnik des Zentralverbands Sanitär Heizung Klima (ZVSHK). Bei starken Regenmengen, die in kurzer Zeit niederprasseln, gerate die Kanalisation an ihre Grenzen. Sind die Kanäle voll, steige das Wasser weiter auf, bis etwa Gullydeckel hochgedrückt werden.

Befinden sich in Häusern Abwasseranschlüsse unterhalb der Straßenoberfläche, etwa in einem Badezimmer im Keller, drücke sich das aufgestaute Wasser dort die Abflüsse hinauf, erklärt der Sanitärexperte. So zeigt es auch das Video.

Kein Versicherungsschutz?

Verhindern lässt sich so eine unangenehme Überflutung durch Rückstauverschlüsse oder -klappen. Sie verschließen im Notfall die Abflüsse und halten so Abwasser aus den Wohnräumen fern. Einfache Klappen sind dabei der Basisschutz – der Nachteile aufweist, wie Braun erklärt. Stauen sich enorme Wassermengen im Haus, die wegen der Schutzklappe nicht durch die im Keller liegenden Abflüsse dringen können, könne es passieren, dass das Wasser sich seinen Weg in die höheren Etagen suche und dort aus den Abflüssen komme.

Dies wiederum können sogenannte Hebeanlage abwenden. Das sind technische Vorrichtungen, die das Abwasser, das unter der sogenannten Rückstauebene anfällt, sicher ableiten oder auf ein höherliegendes Niveau pumpen. 

Bei älteren Häusern lasse sich ein Rücklaufschutz in der Regel noch nachträglich nachrüsten, sagt Sanitärtechniker Braun. Die Kosten seien abhängig davon, wie aufwendig die Baumaßnahme sei. Generell müssen Rückstauverschlüsse regelmäßig gewartet werden. Bei Hebeanlagen sind sowohl Einbau als auch Wartung kostenintensiver. Für Hauseigentümer könnte sich die Investition dennoch lohnen: Für vermeidbare Rückstauschäden kämen Versicherungen oftmals nicht auf, heißt es beim ZVSHK.


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