Urteil in Krefeld Baby mit T-Shirt erdrosselt: Vier Jahre Haft für Auszubildende

Von dpa

Meine Nachrichten

Um das Thema Nordrhein-Westfalen Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Für die Tötung ihres neugeborenen Babys im niederrheinischen Nettetal ist eine junge Frau zu vier Jahren Haft verurteilt worden. Foto: Roland Weihrauch/dpaFür die Tötung ihres neugeborenen Babys im niederrheinischen Nettetal ist eine junge Frau zu vier Jahren Haft verurteilt worden. Foto: Roland Weihrauch/dpa

Krefeld. Eine Auszubildende verleugnet ihre Schwangerschaft. Nach der Sturzgeburt im Kinderzimmer schlingt sie ihrem kleinen Sohn ein T-Shirt um den Hals und zieht zu. Neun Monate später wird sie verurteilt.

Für die Tötung ihres neugeborenen Babys im niederrheinischen Grefrath ist eine junge Frau zu vier Jahren Haft verurteilt worden. Das Krefelder Landgericht sprach die 24-jährige Deutsche am Montag wegen Totschlags schuldig. Durch den großen Blutverlust bei der Geburt sei sie nur vermindert schuldfähig gewesen.  

Die Auszubildende hatte angegeben, sich an die Geburt und die anschließende Tat nicht erinnern zu können. Ein Sachverständiger hatte dies als plausibel eingestuft: Durch den großen Blutverlust bei der Sturzgeburt werde die Leistung des Gehirns beeinträchtigt. Der Richter beschrieb die Frau als schüchtern, misstrauisch und von Versagensängsten geprägt. Sie habe die Schwangerschaft verdrängt und verheimlicht.  

Täterin hatte Angst um Ausbildungsplatz 

Außerdem habe sie Angst gehabt, ihre Schwangerschaft würde ihren Ausbildungsplatz gefährden, den sie nach langer Suche endlich gefunden hatte. Sogar dem Notarzt, den ihr Vater gerufen hatte, als er die massive Blutung bemerkte, habe sie die Geburt verschwiegen - trotz eigener Lebensgefahr.

Die junge Deutsche hatte am 12. Oktober 2017 in ihrem Zimmer im Haus ihrer Eltern einen Jungen lebend zur Welt gebracht. Laut Urteil erdrosselte sie ihr Baby unmittelbar nach der Geburt mit einem T-Shirt und schob das Kind unter ihr Bett. Dort war der Säugling erstickt. Bei der Verlesung der Anklage war die Frau in Tränen ausgebrochen.

Die Staatsanwältin hatte acht Jahre Haft gefordert. Die Verteidigerin plädierte für ein mildes Urteil. Die Auszubildende sei in diesem Moment nicht bei Sinnen gewesen. Der Prozess hatte vor rund drei Monaten begonnen.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN