Frank-Walter Steinmeier in Münster Preis des Westfälischen Friedens: Bronzepferd fürs Baltikum

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NRW-Regierungschef Laschet, Estlands Staatspräsidentin Kaljulaid, Bundespräsident Steinmeier, Litauens Präsidentin Grybauskaite und Lettlands Präsident Vejonis (v.l.). Foto: dpaNRW-Regierungschef Laschet, Estlands Staatspräsidentin Kaljulaid, Bundespräsident Steinmeier, Litauens Präsidentin Grybauskaite und Lettlands Präsident Vejonis (v.l.). Foto: dpa

Münster. ln Münster wurden Estland, Lettland und Litauen mit dem Internationalen Preis des Westfälischen Friedens geehrt. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier würdigte ihre „unbeugsame Liebe zur Freiheit“.

Es gehört zu den liebgewonnenen Traditionen der Stadt Münster, in jedem geraden Jahr ehrwürdige Männer und Frauen mit einem Friedenspreis in Gestalt einer Bronzeplastik des Westfalen-Pferdes auszuzeichnen. Nach dem jordanischen König Abdullah II (2016) und den Astronauten der Raumstation ISS (2014) grüßen bei der elften Auflage die Staatsoberhäupter der Republiken Litauen, Lettland und Estland vom Rathausbalkon.

Hunderte Menschen sind an den Prinzipalmarkt gekommen, um den Präsidenten zu zuwinken, zu applaudieren und zu fotografieren. Vor dem Rathaus wehen die Nationalflaggen der drei baltischen Staaten, am Gebäude die deutsche und die europäische Fahne. Europa sei „nicht nur eine Notwendigkeit“, ruft Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in die Menge. „Europa ist unsere Zukunft – die einzige, die wir haben.“

Steinmeier lobt die moralische Größe der Balten

Steinmeier, Ehrenvorsitzender der Jury der Wirtschaftlichen Gesellschaft für Westfalen und Lippe (WWL), ist viel in der Welt herumgekommen in seiner Karriere als Politiker. Als Außenminister sei er jedoch in keine andere Ecke Europas so oft gereist wie in die baltischen Staaten, sagt er bei seiner Laudatio im Festsaal des Historischen Rathauses zu Münster. Zuletzt hat man ihn als Bundespräsidenten am Jahrestag des Hitler-Stalin-Pakts in Tallinn empfangen.

„Sie wissen ja, verehrte Exzellenzen“, sagt Steinmeier: „Im europäischen Alltag sprechen wir ganz selbstverständlich von den ‚großen‘ und den ‚kleinen‘ Mitgliedsstaaten, vom ‚großen‘ Deutschland und den ‚kleinen‘ Staaten des Baltikums. Ich muss bekennen: An jenem 23. August ging es mir umgekehrt. Ich fühlte mich als Deutscher klein und stand demütig vor der Größe der Balten.“

In der Region wurde jahrhundertelang gerungen

Jahrhundertelang wurde in der Region des Baltikums um Einfluss gerungen. „Umso mehr Gründe haben wir, die baltische Revolution zu bewundern – gerade in ihrem friedlichen, demokratischen Charakter“, sagt Steinmeier und würdigt die „unbeugsame Liebe zur Freiheit“ Litauens, Estlands und Lettlands.

Münsters Oberbürgermeister Markus Lewe zitiert die Maxime des Westfälischen Friedens: „Pax optima rerum“, der Friede ist das höchste Gut. „Dieser Anspruch fordert uns jeden Tag aufs Neue heraus“, sagt Lewe. „Die Welt steht Kopf.“

Sie sei „aus den Fugen“, hat der deutsche Außenminister Steinmeier angesichts der „tiefgreifenden, gefährlichen Konflikte“ dieser Zeit einmal gesagt. Man liest heute regelmäßig vom „Säbelrasseln am Baltikum“, wo die NATO „den Ernstfall“ probe: die Abwehr russischer Streitkräfte.

Europapolitiker Brok: „Es darf kein Zaudern geben“

Der Bielefelder CDU-Europapolitiker Elmar Brok, in Münster unter den Festgästen, hat dem Außenminister Steinmeier vorgeworfen, er rede dem Kreml nach dem Mund. Man habe sich längst ausgesprochen, versichert Brok heute. Der Festvortrag hat ihm gefallen.

Der Grundgedanke der Entspannungspolitik, wonach Grenzen nicht einseitig und gewaltsam verändert werden dürfen, sei durch die Annexion der Krim verletzt, erklärt Steinmeier. „Das werden wir nicht anerkennen, das können wir nicht anerkennen, solange die Herrschaft des Rechts noch etwas gelten soll in Europa.“

Was die Integrität und Souveränität von Staaten angeht, dürfe es in Europa „kein Zaudern geben“, sagt Brok. Und genau so hat er den Präsidenten erlebt. Steinmeier habe auf die Einhaltung des Völkerrechts gedrungen. Wegen der „unmittelbaren Gefährdung“ in der Region sei die Bundeswehr im NATO-Lager im litauischen Rukla aufgefahren.

Litauens Präsidentin gibt Trump eine harte Antwort

Stellvertretend für die Bürger ihrer Länder nehmen die litauische Präsidentin Dalia Grybauskaite, die estnische Präsidentin Kersti Kaljulaid und der lettische Präsident Raimonds Vejonis die drei Bronzepferde der WWL entgegen. In ihren Ländern wird die Veranstaltung live übertragen, man ist reichlich stolz auf diesen Preis.

Grybauskaite gibt eine harte Antwort auf US-Präsident Donald Trump, der in dem NATO-Partner Deutschland ein Ziel für seine wilden Angriffe sieht. „Wir haben keine Angst, weil wir um unsere Freunde wissen“, sagt Litauens Präsidentin. „Wir haben Deutschland und andere Länder, die auf unserem Boden stehen und uns dort schützen und verteidigen.“ Deutschland investiere viel in die Zukunft Europas, „in die Sicherheit unserer Länder – und da werden wir Schulter an Schulter stehen“.

Steinmeier fügt eine Botschaft an, die in seinem offiziellen Manuskript fehlt. In den baltischen Staaten wisse man, „nur gemeinsam sind wir stark, wir brauchen uns als Partner und Freunde. Und ich glaube“, sagt der Präsident, „unsere gemeinsame Hoffnung bleibt, dass das auch auf der anderen Seite des Atlantiks nicht vergessen wird“.


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