Verdächtiger Bielefelder schweigt Gift auf Pausenbrot: Polizei prüft 21 weitere Todesfälle

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Der Mitarbeiter einer Firma aus Schloß Holte-Stukenbrock fand eine unbekannte Substanz auf seinem Pausenbrot. Jetzt ist klar, dass es sich dabei um Gift handelte. Symbolfoto: David EbenerDer Mitarbeiter einer Firma aus Schloß Holte-Stukenbrock fand eine unbekannte Substanz auf seinem Pausenbrot. Jetzt ist klar, dass es sich dabei um Gift handelte. Symbolfoto: David Ebener

Bielefeld. Ein Mann aus Bielefeld wird beschuldigt, seinen Kollegen in einer Firma in Schloß Holte-Stukenbrock Gift auf die Pausenbrote gestreut zu haben. Die Polizei weitet ihre Ermittlungen jetzt aus – und untersucht 21 Fälle seit dem Jahr 2000, in denen Mitarbeiter der Firma vor Eintritt in den Ruhestand gestorben sind.

Auf die Schliche gekommen ist die Polizei dem Verdächtigen, als ein Mitarbeiter der Firma Anfang Mai 2018 unbekannte Substanzen auf dem Belag seines Pausenbrotes fand. Mithilfe von Bildaufnahmen konnte der Mann ausfindig gemacht werden. Ein vorläufiges Gutachten des Landeskriminalamtes Nordrhein-Westfalen ergab jetzt, dass auf den sichergestellten Pausenbroten toxisches Bleiacetat aufgebracht war – und zwar in Mengen, die schwere Organschäden hätten verursachen können.

Bei der Durchsuchung des Wohnhauses des Verdächtigen in Bielefeld stellte die Polizei unter anderem Quecksilber, Blei und Cadmium sicher. Die Auswertung der Substanzen ergab laut Mitteilung der Polizei den Verdacht, dass der Mann seit Längerem versuchte, toxische Substanzen wie Schwermetallverbindungen herzustellen.

21 weitere Fälle werden überprüft

Die Polizei prüfte in dem Zusammenhang auch zwei weitere Krankheitsfälle der letzten Jahre von Mitarbeitern der Firma. Dabei ergab sich ebenfalls der Verdacht einer Schwermetallvergiftung. Jetzt konzentrieren sich die Ermittlungen der 15-köpfigen Mordkommission insbesondere auf die Aufklärung aller Todesfälle in der Firma seit dem Jahr 2000. Dabei untersucht die Polizei 21 Fälle, in denen Mitarbeiter vor Eintritt in den Ruhestand verstorben sind. Bei den Todesfällen gab es aus Sicht der Ermittler eine auffallend hohe Anzahl von Herzinfarkten und Krebserkrankungen. Eine Schwermetallvergiftung kann die Ursache für diese Erkrankungen sein.

Die Polizei befragt Angehörige der Verstorbenen und ehemalige behandelnde Ärzte. Dazu werden die Krankenakten ausgewertet. Abhängig von den Ergebnissen soll auch geprüft werden, ob Exhumierungen erforderlich sind.

Motiv unklar

Der Beschuldigte, gegen den bereits vor einigen Wochen Haftbefehl wegen versuchten Mordes erlassen worden war, schweigt weiterhin zu den Vorwürfen. Das Motiv ist nach wie vor unklar.


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