Arbeiten auch für Freizeitparks Wie eine Firma aus dem Kreis Steinfurt Kirmeswagen hübsch macht

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Die Firma Elfering in Laer bemalt Karussells und Kirmesbuden. Derzeit ist Illustrator Christian Erdmann dabei, mittels Airbrush-Technik eine Süßigkeiten-Bude zu bemalen. Foto: Michael GründelDie Firma Elfering in Laer bemalt Karussells und Kirmesbuden. Derzeit ist Illustrator Christian Erdmann dabei, mittels Airbrush-Technik eine Süßigkeiten-Bude zu bemalen. Foto: Michael Gründel

Laer. Was wäre eine Kirmes ohne bunte Buden und Karussells? Mit Farbe, Kreativität und künstlerischem Geschick verwandelt die Firma Elfering aus Laer im Kreis Steinfurt solche Geschäfte in bunte Hingucker, die den Jahrmärkten ihren besonderen Flair verleihen. Auch Fahrgeschäfte für Freizeitparks sind hier bereits gestaltet worden – unter anderem die Harry-Potter-Bahn für das Orlando Resort der Universal Studios in den USA.

Es riecht nach Lack in der Halle der Firma Elfering. Der Fußboden ist nackt, die weißen Wände ebenfalls. Bunte Linien zeichnen sich auf der Wand am Ende der Halle ab – Konturen vergangener Projekte. Davor wartet die alte Front eines Fahrgeschäftes darauf, ausgebessert zu werden. Doch noch arbeitet Christian Erdmann an einem anderen Auftrag. 

Ein Bild entsteht

Der freie Illustrator steht auf einer kleinen Leiter neben einer Bude, weißes T-Shirt, dunkle Arbeitshose, in der Hand eine Sprühpistole. Mit jedem Farbstrich haucht er dem kleinen Mädchen in dem rot-weiß-gestreiften Kleid an der Seite des Wagens ein bisschen mehr Leben ein. Auf der Vorderseite der Bude schleckt bereits ein kleiner Junge an einem Lutscher, während ein anderer Schokolade von einem Teigschaber nascht. Keine Frage, in dieser Bude werden bald Mandeln, Paradiesäpfel, Schokofrüchte und allerlei anderer Süßkram verkauft. „Man sollte auf den ersten Blick erkennen können, was es in dem Laden gibt”, sagt Uwe Elfering, der den Betrieb 1999 von seinem Vater übernahm. Derzeit beschäftigt er zwei Mitarbeiter, ab August kommt auch wieder ein Auszubildender dazu.

Seit 1973 entstehen in der Firma Entwürfe für Schaustellerfahrzeuge, und hier werden diese auch gestaltet. Während es früher bestimmte Zeiten gab, in denen besonders viele Aufträge hereinkamen, verteilen sich diese laut Elfering inzwischen auf das ganze Jahr. Nur für Weihnachtsmärkte müsse seine Firma mittlerweile nichts mehr machen. „Da darf zumindest in Westdeutschland nichts mehr gestaltet werden. Da stehen nur noch Holzbuden”, erklärt der 53-Jährige. Schade sei das. Wenn alle Märkte gleich seien, sei es egal, wo man hinfahre.

Doch Elfering hat eigenen Angaben zufolge auch so gut zu tun. Die Zahl der Aufträge pro Jahr könne er nicht beziffern. „Das ist immer unterschiedlich, je nachdem, wie groß die Aufträge sind und wie lange wir dafür brauchen.” Neben der Gestaltung von Fahrgeschäften bietet er auch noch Objekt- und Autodekor sowie Glasgestaltung an.

Mit Bleistift wird vorgezeichnet

Um den Süßigkeitenwagen fertig zu stellen, benötigt Illustrator Erdmann etwa drei Wochen. Ist der Entwurf mit dem Auftraggeber abgestimmt, wird das Motiv mit einem Projektor auf den Wagen projiziert. Mit Bleistift wird es dann auf die Fläche gemalt und im Anschluss mit der Airbrush-Technik aufgetragen. Den Abschluss bildet eine Schicht Klarlack. 

Soweit ist Erdmann an dem Seitenteil des Wagens aber noch nicht. Der freischaffende Künstler und Illustrator steht noch immer auf der Leiter, in der einen Hand hält er die Sprühpistole, in der anderen die Vorlage. Das Design des Süßigkeitenwagens liegt im Trend: Die Umrundandung der vorderen Kulisse ist hellgrün-gelb. „Früher war dafür pink beliebt”, sagt Erdmann. Und auch das klare reduzierte Motiv sei etwas, was es früher so nicht gegeben hätte. 

Stattdessen hätten die Schausteller jedes Fleckchen bemalt haben wollen. „Wir versuchen, es nicht mehr so voll zu machen”, sagt der 50-Jährige. Auch Elfering würde gerne häufiger etwas neuere modernere Designs auf die Wagen und Buden aufbringen. „Meistens wollen die Schausteller es aber klassisch wie immer.”

Gar nicht modern, sondern absolut traditionell sieht die Front eines alten Kinderkarussells aus, die auf einem Ständer in der Halle steht. Das Blech ist stark verbeult, die Motive sind einst mit Pinsel und Ölfarben gemalt worden. Das gleiche Motiv müssen Elfering und seine Mitarbeiter jetzt auf ein neues Blech auftragen – auch wieder mit Ölfarben und Pinsel. 

Christian Erdmann ist egal, womit er arbeitet. Für ihn seien die Umstände das schwierigste: Kälte, Wärme, mal sei es zu dunkel, dann zu hell, und dann komme noch der Zeitdruck dazu. Einmal habe eine Front auf dem Kopf aufgestellt und das Motiv auf dem Kopf aufgemalt werden müssen. Ein anderes Mal hätte ein Kran Teile eines Riesenrads in die Halle hieven müssen. Für Elfering nicht das schwierigste an seinem Job: „Die größte Herausforderung ist, wenn die Leute unpräzise Vorstellungen haben”, sagt der Schilder- und Lichtreklamehersteller. „Sie wissen meist nur, was sie nicht wollen – aber nicht, was sie wollen.” Manchmal komme es deshalb auch vor, dass fertige Entwürfe im letzten Moment doch noch einmal verworfen werden. 

Laut Elfering gibt es in Deutschland nur eine handvoll Firmen, die Karussells und Fahrgeschäfte gestalten. Die Kunden des 53-Jährigen kommen von überall: einige aus der Region, viele auch aus Bramsche – unter anderem an Fahrgeschäften der Familie Welte und am Riesenrad von Otto Cornelius aus der Region Osnabrück arbeitete er bereits – und Norddeutschland. Auch für den Freizeitpark Phantasialand bei Köln habe er bereits viel gemacht und sogar schon eine Drachenbahn gestaltet, die jetzt in China steht. „Freizeitparks haben ein ganz anderes Budget als Mittelständler”, sagt Elfering.

15 Monate an Harry-Potter-Bahn gearbeitet

Das spannendste Projekt, da sind sich die beiden Männer, die seit Ende der 90er zusammen arbeiten, einig, war jedoch die Harry-Potter-Bahn für den Orlando-Freizeitpark der Universal Studios in den USA. „Das war ein komplett anderer Kundenkreis. Es war spannend, 14 Tage mit den Amerikanern zu arbeiten und zu sehen, wie sie das angehen und was sie haben wollen”, erzählt Erdmann. 

Die Fahrt mit der Bahn soll die Verfolgungsjagd in der Zaubererbank Gringotts darstellen, die Wagen sollten rostig und wie altes Eisen aussehen. 15 Monate lang habe es gedauert, bis die Bahn fertig gewesen sei. „Das hat man nicht jeden Tag”, sagt Erdmann. Dann greift er wieder zu seiner Sprühpistole, um das Mädchen auf dem Süßigkeitenwagen fertig zu malen. 


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