Bezirksregierung fordert Stellungnahme Droht der Freien Schule Tecklenburger Land die Schließung?

Von Nadine Grunewald

Der Freien Schule Tecklenburger Land droht zu diesem Sommer die Schließung. Die Geschäftsführerin will alles daran setzen, um das zu verhindern. Symbolfoto: Jonas GüttlerDer Freien Schule Tecklenburger Land droht zu diesem Sommer die Schließung. Die Geschäftsführerin will alles daran setzen, um das zu verhindern. Symbolfoto: Jonas Güttler

Ibbenbüren/Tecklenburger Land. Die Bezirksregierung Münster wirft der Freien Schule Tecklenburger Land in Ibbenbüren vor, nicht alle Punkte zu erfüllen, die für die Genehmigung des Schulbetriebs gefordert sind. Nun könnte der Schule die Schließung drohen. Geschäftsführerin Susanne Frömel will alles daran setzen, um das zu verhindern. Für Eltern, Schüler und Mitarbeiter wäre ein Aus „eine Katastrophe“.

Die Freie Schule Tecklenburger Land besteht seit acht Jahren; 2010 wurde der Realschulzweig gegründet, ein Jahr später die Grundschule. Jetzt bekommt die Schule Gegenwind: „Der Schulträger hat von der Bezirksregierung eine Anhörung zur Mängelfeststellung bekommen“, bestätigt eine Sprecherin der Bezirksregierung Münster auf Anfrage unserer Redaktion. Konkret bedeutet das, dass die Freie Schule Tecklenburger Land aus Sicht der Bezirksregierung nicht alle Punkte erfüllt, die für die Genehmigung des Schulbetriebs gefordert sind. Es geht sowohl um die Entwicklung der Schülerzahlen, als auch um finanzielle Aspekte. Konkreter will die Sprecherin wegen des laufenden Verfahrens zum jetzigen Zeitpunkt nicht werden. „Es ist aber ein ungewöhnlicher Vorgang.“ Sollten die beanstandeten Mängel nicht geregelt werden, könnte die Schule zum Sommer hin geschlossen werden.

Geschäftsführerin: Ungerechte Situation

Die Geschäftsführerin der Schule, Susanne Frömel, findet die Situation ungerecht. „Dass die Schule kritisch auf den Prüfstand gestellt wird, ist in Ordnung. Was wir bemängeln, ist, dass wir an den Standards einer Regelschule gemessen werden. Ich habe das Gefühl, dass sich die Prüfer nicht mit dem Konzept unserer Schule auseinandergesetzt haben.“ Das Konzept der Schule sei bei der Gründung akzeptiert worden. Auch bei einer Prüfung durch die Bezirksregierung vor einiger Zeit habe es keine Beanstandungen gegeben.

Das Konzept der Schule

Die Freie Schule Tecklenburger Land orientiert sich an den Kindern. „Wir arbeiten jahrgangs- und fächerübergreifend. Die Kinder machen viel Freiarbeit und lernen, selbst zu lernen“, erklärt Frömel. Feste Schulstunden und Pausenzeiten gibt es nicht. Die Kinder dürfen sich zurückziehen, wann sie es wollen, und sich länger mit Themen beschäftigen, das sie interessieren. Derzeit besuchen 63 Schüler die Realschule, 14 die Grundschule. „Wir sind eine kleine Schule, und unser Konzept muss auch klein bleiben“, sagt Frömel. Gerade den Grundschulbereich wolle man noch ausbauen.

Osnabrücker befürchtet Verlust des Hortplatzes

Frömel bemängelt vor allem den Zeitpunkt, zu dem die Feststellung erfolgte. An der Schule läuft derzeit noch das Aufnahmeverfahren für das kommende Schuljahr. Etwa zehn Verträge für jeden Schulzweig seien bereits abgeschlossen worden, weitere noch offen. An den staatlichen Schulen in NRW sei das Aufnahmeverfahren bereits abgeschlossen.

Sollte der Schulbetrieb an der Freien Schule Tecklenburger Land eingestellt werden, könnte das für Eltern problematisch werden. Das befürchtet auch ein Osnabrücker, dessen Tochter bislang auf eine Grundschule in der Hasestadt geht und die zum kommenden Schuljahr auf die Freie Schule wechseln soll. „In Osnabrück hatte meine Tochter einen Schul- und einen Hortplatz“, erklärt der Vater, der seinen Namen* nicht in der Zeitung lesen möchte. Den Hortplatz habe er gekündigt. Sollte seine Tochter die Schule doch nicht wechseln können, sei der Platz weg. Der Vater fragt sich: „Was passiert dann mit den Lehrern?“

Stellungnahme bis 30. Mai

Derzeit arbeitet laut Frömel rund ein Dutzend Lehrer an der Ibbenbürener Schule. Dazu kommen acht weitere Mitarbeiter. Diese sowie die Eltern seien über die Vorgänge informiert worden. „Für beide Seiten wäre eine Schließung eine Katastrophe“, sagt Frömel. Sie wolle alles dafür geben, dass es nicht so weit kommt. „Unserer Ansicht nach führt selbst bestimmtes und freies Lernen zum Ziel. Deshalb wollen wir das System, das wir hier haben, erhalten.“

Bis zum 30. Mai hat die Schule noch Zeit, zu den Vorwürfen Stellung zu beziehen. Gemeinsam mit den Schülern wolle man dann zur Bezirksregierung fahren, um diese zu übergeben. „Wir gehen davon aus, dass es weitergeht“, sagt Frömel. Sollte dennoch eine Schließung verfügt werden, werde die Schule dagegen klagen.

*Der Name ist unserer Redaktion bekannt.