Unternehmensgruppe wächst Senioren-Menüs sind für Apetito ein großer Markt

Von Nina Kallmeier

Mit der Entwicklung von Umsatz und Gewinn der Apetito-Gruppe ist Vorstandssprecher Guido Hildebrandt zufrieden. Eine Zielgruppe sind neben Betriebskantinen vor allem Senioren. Foto: dpaMit der Entwicklung von Umsatz und Gewinn der Apetito-Gruppe ist Vorstandssprecher Guido Hildebrandt zufrieden. Eine Zielgruppe sind neben Betriebskantinen vor allem Senioren. Foto: dpa

Düsseldorf/Rheine. Die Apetito-Gruppe mit Sitz in Rheine wächst weiter. Im zurückliegenden Geschäftsjahr hat das Familienunternehmen mit rund 840 Millionen Euro einen Rekordumsatz erwirtschaftet. Wachstumspotenzial sieht Vorstandssprecher Guido Hildebrandt international vor allem bei der Zielgruppe der Senioren.

Ob System-, Retail oder Catering-Geschäft, zum Wachstum der Apetito-Gruppe mit Sitz in Rheine haben im zurückliegenden Geschäftsjahr alle drei Bereiche beigetragen, teilte Vorstandssprecher Guido Hildebrandt am Dienstag in Düsseldorf mit. Insgesamt 840 Millionen Euro setzte die Unternehmensgruppe mit weltweit mehr als 8600 Mitarbeitern um – 1,3 Prozent mehr als im Jahr zuvor. 

Die apetito AG mit ihren Tochtergesellschaften im In- und Ausland hat zu diesem Umsatz 649 Millionen Euro beigetragen. Davon entfallen rund ein Drittel auf den Bereich Retail und zwei Drittel auf das Systemgeschäft – hauptsächlich auf den Bereich Care/Senioren, aber auch Essen in Kitas und Schulen (25 Prozent) sowie Betriebsessen (8 Prozent) tragen zum Konzernumsatz bei. Der Konzerngewinn sank leicht auf 40 Millionen Euro. Als Grund nannte Hildebrandt vor allem höhere Preise für Rohwaren sowie steigende Personalkosten ebenso wie Investitionen in Digitalisierung und neue Anlagen.

Senioren: Zielgruppe mit Wachstumspotenzial

Insbesondere in der Zielgruppe Senioren sieht Hildebrandt großes Wachstumspotenzial für apetito, sodass der Markt für Spezialernährung 2017 ausgeweitet wurde. „Der Care-Markt und insbesondere die Verpflegungslösung für besondere Ernährungsanforderungen sind für uns international von hoher Bedeutung. Vor allem unsere britische Gesellschaft ist hier sehr erfolgreich“, so Hildebrandt. Konzernweit hat das Rheiner Familienunternehmen im Bereich der Spezialnahrung einen Umsatz in Höhe von 20 Millionen Euro erwirtschaftet.

Fokus auf Digitalisierung

Trotz des analogen Produkts, das apetito anbietet, spielt in der Gruppe auch die Digitalisierung eine große Rolle. „Wir stellen auf internationaler Ebene fest, dass Online-Bestellungen im Trend liegen. Vor allem in Großbritannien gehen schon fast 100 Prozent der Bestellungen online ein“, sagte der Vorstandssprecher. Für 2018 plant auch die niederländische Tochter im Bereich der Individualverpflegung den Launch eines neuen Webshops. Für Schüler ist eine Schools-App in der Pilotphase. Diese soll Jugendlichen zwischen zehn und 17 Jahren an weiterführenden Schulen in einem ersten Schritt Infos rund um den Schulunterricht bieten und in einem zweiten auch die Bestellung von Schulessen ermöglichen. „Wir planen das Roll-Out für alle Schüler noch in diesem Jahr“, so Hildebrandt. Potenziell könnten Schüler an mehr als 3000 Schulen in Deutschland dann die App nutzen.

2017 mit Rekordinvestitionen

Die Digitalisierung ist entsprechend ein Bereich, in den apetito 2017 einen Teil der Rekordinvestition von 47 Millionen Euro investiert hat. Hinzu kommt unter anderem die Erweiterung der Küche am Standort Rheine, die erste Linie soll in Kürze anlaufen. „Diese insgesamt 40 Millionen Euro teure Investition ist notwendig, um der wachsenden Nachfrage nach tiefgekühlten Menüs auch in den kommenden Jahren nachkommen zu können“, sagte Hildebrandt. 2020 soll das komplette Projekt abgeschlossen sein. Auch an den Produktionsstandorten in Großbritannien und den Niederlanden laufen Planungen zur Erweiterung der Produktionskapazität. In Großbritannien trotz des Brexits. „Wir beobachten die Entwicklungen, aber es gibt nach wie vor keine Details“, sagte der Vorstandssprecher. Eine Herausforderung sieht er möglicherweise darin, dass viele Polen in der dortigen Produktion beschäftigt werden. Aus Rheine importiert werde wenig.

Konzentration auf Handelsmarken

Auch für die kommenden Jahre setzt apetito auf Wachstum. „Wir haben uns in der Konzernstrategie bis 2021 ambitionierte Wachstum- und Ertragsziele gesetzt. So wollen wir pro Jahr rund 6 bis 7 Prozent Umsatz zulegen.“ Erreicht werden soll dies laut Hildebrandt vor allem durch den Bereich Senioren. Aber auch im Handelsmarkengeschäft will sich das Familienunternehmen, das am Standort Rheine rund 1600 Mitarbeiter beschäftigt, moderat steigern. Die Marke apetito selbst ist seit März dieses Jahres nicht mehr in Verkaufsregalen zu finden, sagte Hildebrandt. „Wir wollen uns auf das Handelsmarkengeschäft konzentrieren.“ 

Auch apetito Catering mit Wachstum

Auch mit der Entwicklung der Gesellschaft apetito Catering war Geschäftsführer Andreas Oellerich zufrieden. Die Gesellschaft, deren Gesamtumsatz hauptsächlich aus dem Geschäft mit Betriebsessen kommt, erwirtschaftete einen Umsatz in Höhe von 173 Millionen Euro. „Apetito Catering gehört zu den fünf führenden Catering-Unternehmen in Deutschland“, so Oellerich. Und die Wachstumsstrategie gehe auf. Im ersten Quartal 2018 sei man um 10 Prozent gewachsen.

Betriebsessen darf weiter deftig sein

Zur Vorstellung der Geschäftszahlen gehören bei apetito auch die Menü-Charts. In Betriebskantinen wird weiterhin – im 26. Jahr in Folge – die Currywurst mit Pommes am liebsten gegessen, bei den Senioren steht die Rinderroulade hoch im Kurs. In Kita und Schule - wo rund 400.000 Kinder und Jugendliche verpflegt werden - hat sich die Tomatensuppe mit Rindfleischklößchen durchgesetzt. Auch wenn vegetarische Gerichte im Kommen sind, sagte Vorstandssprecher Guido Hildebrandt. Allerdings würden die rund 110.000 Gäste in deutschen Betriebskantinen weiterhin am liebsten deftige Gerichte mit Fleische gegessen. In Kitas gebe es einen klaren Trend zum Bio-Gericht.