VW-Skandal trifft auf Kirche Im Schummel-Diesel zum Katholikentag?

Von Norbert Meyer

Das Vier-Ringe-Logo auf dem Motorblock eines Audi A8 mit Dieselmotor. Foto: dpaDas Vier-Ringe-Logo auf dem Motorblock eines Audi A8 mit Dieselmotor. Foto: dpa

mey Münster. Nach der jüngsten Entwicklung im Dieselskandal kann der VW-Konzern nicht ausschließen, dass manipulierte Fahrzeuge beim Katholikentag in Münster eingesetzt werden.

Seit Jahren werden kirchliche Großveranstaltungen wie der Katholikentag von den Veranstaltern dazu genutzt, eine Art ökologisches Glaubensbekenntnis abzulegen. So verweist das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) darauf, dass der Katholikentag 2008 in Osnabrück „erstmals klimaneutral“ gewesen sei. Damit habe er „Maßstäbe gesetzt. Auch der 101. Katholikentag in Münster solle  klimaneutral durchgeführt werden, so das ZdK. 

„Reisen Sie möglichst mit Bus und Bahn an“

Jeweils bis zu 70 000 Gäste pro Tag wurden in Münster erwartet. „Reisen Sie möglichst umweltschonend mit Bus oder Bahn an“, bat das ZdK auswärtige Gäste und verweist Besucher zudem auf die Vorzüge des Fahrrades bei Touren zwischen den Veranstaltungsorten. 

Es sind aber auch viele Prominente als Gäste angereist - und die kommen oft mit leistungsstarken Dienstlimousinen, von denen einige vom VW-Dieselskandal betroffen sein könnten. Bis kurz vor Beginn des Katholikentags in Münster hatte man geglaubt, dies sei  bei ganz neuen Modellen ausgeschlossen.

Nachdem am Dienstag aber bekannt wurde, dass die VW-Tochter Audi die Auslieferung der vor allem als Dienstwagen beliebten Modelle A6 und A7 mit 271-PS-Dieselmotor wegen eines weiteren Verdachts auf Abgas-Tricksereien gestoppt hat, will der Kirchenbeauftragte von Volkswagen, Jan Wurps, „ungern die Hand ins Feuer“ dafür legen, dass beim Katholikentag nur VW-Konzernfahrzeuge zum Einsatz kommen, die alle vorgeschriebenen Abgaswerte einhalten. Das sagte er auf Anfrage unserer Redaktion.

Auch Bischöfe fahren mit Audi 

Wie Umfragen der Deutschen Umwelthilfe (DUH) ergaben, setzen bei der Auswahl ihrer Dienstwagen nicht nur viele deutsche Spitzenpolitiker auf  Oberklasse-Dieselmodelle von Audi, sondern auch mehrere katholischen Bischöfe.

Die Kirche insgesamt mit ihren zahlreichen Einrichtungen von Diakonie und Caritas ist allerdings ein viel bedeutenderer Kunde der Autoindustrie. Deutschlands größter Hersteller VW bemüht sich denn auch um diese Klientel und betätigt sich seit 2004 regelmäßig als Sponsor kirchlicher Großveranstaltungen. So auch diesmal beim Katholikentag in Münster. Für dessen Fahrbereitschaft stellt VW nach Angaben von Wurps 28 Autos zur Verfügung, die „nach bestem Wissen und Gewissen“ des Sponsors aus Wolfsburg die Abgasnormen erfüllen.

Regelkonform und umweltfreundlich verhalten will sich auch der Caritasverband der Diözese Osnabrück, der für seine Zwecke  laut Pressesprecher Roland Knillmann aktuell rund 120 Fahrzeuge des VW-Konzerns geleast hat und über Möglichkeiten zum Einsatz von Elektroautos nachdenkt. Grund dazu gibt es, denn auch dieser kirchliche Kunde ist bei etwa 40 Dieselfahrzeugen in seiner Flotte vom Abgasskandal bei Volkswagen betroffen.