Zwischen Weltpolitik und Meditation Katholikentag in Münster: Höhepunkte des Kirchentreffens

Von Lothar Schmalen

Kardinal Reinhard Marx (r), Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz und Heinrich Bedford-Strohm, Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland, bei der Podiumsdiskussion „Ökumene nach 2017 - Aufbruchs- oder Katerstimmung?“ auf der Bühne. Foto: Guido Kirchner/dpaKardinal Reinhard Marx (r), Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz und Heinrich Bedford-Strohm, Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland, bei der Podiumsdiskussion „Ökumene nach 2017 - Aufbruchs- oder Katerstimmung?“ auf der Bühne. Foto: Guido Kirchner/dpa

Münster. Katholikentag in Münster: 4.000 Menschen wollen Kanzlerin Merkel hören, 5.000 junge Leute singen und beten wie die ökumenische Ordensgemeinschaft im burgundischen Taizé. Doch der innerkirchliche Streit bleibt.

Katholikentage sind auch stets ein Schaulaufen der politischen Prominenz. Bei zwei Diskussionsforen stieß auch der größte Veranstaltungsraum des Katholikentages in Münster, die Messehalle Mitte des Kongresszentrums Halle Münsterland, an seine Grenzen – bei der Veranstaltung mit Bundespräsident Steinmeier und der mit Kanzlerin Merkel. Bei Steinmeier kamen 3.000 Menschen in den Saal, bei der Kanzlerin waren es noch mehr. Viele mussten die Veranstaltung draußen vor einer Großleinwand verfolgen. Wir haben die bisherigen Höhepunkte des Kirchentreffens, und nicht nur die politischen, besucht.

Steinmeiers Analyse

Bei Bundespräsident Steinmeier gibt’s Nachhilfe in politischer Analyse: Er sieht in Donald Trumps US-Ausstieg aus dem Iran-Atomabkommen eine Absage an Frieden durch internationale Kooperation. Dies sei ein „wirklicher Rückschlag für die Friedensdiplomatie“ und Risiko für die ganze Region, sagt Steinmeier in einer Podiumsdiskussion. Der Bundespräsident ermuntert allerdings dazu, nicht „all unsere Zukunftsperspektiven nur mit Blick auf die derzeitige US-Regierung zu sehen“. (Weiterlesen: Merkel: Trump „verletzt Vertrauen in internationale Ordnung“)

Kirchentagspräsident

Eigentlich hätte Steinmeier der Präsident des Evangelischen Kirchentags 2019 in Dortmund werden sollen. Doch dann wurde er Bundespräsident. Kirchentagspräsident in Dortmund ist jetzt der Journalist Hans Leyendecker. Ursprünglich Katholik, ist er vor vielen Jahren zur protestantischen Konfession übergetreten. Er berichtet in der St. Clemens-Kirche, wie man als investigativer Journalist dem Frieden dienen kann.

Friedensstifter

Friedensnobelpreisträger auf einem Katholikentag – das gab es bislang nur einmal, als Mutter Teresa, die albanische Ordensschwester aus Kalkutta ein Jahr nach dem Friedensnobelpreis zum Katholikentag Berlin 1980 kam – und die Massen anzog. Jetzt kommt mit dem kolumbianischen Staatspräsidenten Juan Manuel Santos zum zweiten Mal ein echter Friedensnobelpreisträger. Die Veranstaltung mit dem Friedensstifter aus Lateinamerika besuchen 2.500 Zuhörer, darunter viele junge Leute. Es spricht für die Qualität der Veranstaltung, dass auch die Probleme des kolumbianischen Friedensprozesses in der Diskussion nicht unter den Teppich gekehrt werden.

Taizé-Nacht

Die Messehalle Mitte platzt noch einmal aus allen Nähten. Rund 5.000 vorwiegend junge Leute drängen sich zur „Nacht der Lichter“, eine zweistündige Meditation aus Gesang, Gebet und Stille nach der Art der ökumenischen Ordensgemeinschaft im burgundischen Taizé. Fast psychedelisch klingt die Musik aus dem französischen Kloster mit ihren einfachen Texten und sich wiederholenden Melodien. Mit Timothée ist ein Bruder aus Burgund mit dabei. Erstaunlich viele Jugendliche gehen zu dem aus Taizé mitgebrachten, auf dem Boden liegenden Kreuz, um sich davor niederzuknien und es zu küssen – versunken in Meditation.

Kämpferischer Marx

Reinhard Kardinal Marx, der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, will weiter für die gemeinsame Kommunion von konfessionsverschiedenenen Ehepartnern kämpfen. Bekanntlich war es nach einer deutlichen Mehrheitsentscheidung der Bischöfe zum Streit mit der unterlegenen Minderheit gekommen, die vom Kölner Kardinal Woelki angeführt wird. Er hoffe sehr, dass die katholische Kirche in der Frage der Zulassung zur Kommunion für protestantische Ehepartner bald zu Regelungen kommen, sagt Marx in einer Podiumsdiskussion mit Heinrich Bedford-Strom, dem Vorsitzenden des Rats der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD).

Konservative Kritik

Einer der konservativen Bischöfe, die den Papst gegen die ökumenischen Kommunionsentscheidung erfolglos zum Veto veranlassen wollten, ist auch der Regensburger Oberhirte Rudolf Voderholzer. Ihm passt so manches nicht. So kritisiert er, dass auf dem Katholikentag auch kirchenpolitisch-theologische Forderungen wie die nach der ökumenischen Kommunion von Ehepartnern gestellt würden. Laien-Treffen wie das von Münster sollten sich eher mit gesellschaftspolitischen Fragen wie dem Lebensschutz und der Familienpolitik befassen.

Kino-Weltpremiere

Ein Hauch von Hollywood in Münster. Zwar ist der offizielle Kinostart erst im Juni, doch zeigt der international renommierte und mit zahlreichen Preisen ausgezeichnete Regisseur Wim Wenders seinen neuesten Film „Papst Franziskus – ein Mann seines Wortes“ schon auf dem Katholikentag. Der Papst sei eine „Gegenfigur zu fast allen Politikern heute“, begründet Wenders, warum er sich mit Franziskus beschäftigt hat. Der Film begleitet den Papst aus Argentinien auf eine persönliche Weise. Im Zentrum stehen dabei die Gedanken des Papstes, der sich über die Reformbestrebungen der Kirche und über aktuelle globale Herausforderungen äußert.