Deal verabredet Wende im Herforder Prügel-Prozess: Polizist räumt Vorwürfe ein

Von Jörg Sanders

Überraschende Wende im sogenannten Herforder Prügel-Prozess: Im Berufungsverfahren hat der beschuldigte 41-Jährige sämtliche Vorwürfe eingeräumt. Archivfoto: Video-Screenshot/RTLÜberraschende Wende im sogenannten Herforder Prügel-Prozess: Im Berufungsverfahren hat der beschuldigte 41-Jährige sämtliche Vorwürfe eingeräumt. Archivfoto: Video-Screenshot/RTL

Herford/Bielefeld. Überraschende Wende im sogenannten Herforder Prügel-Prozess: Im Berufungsverfahren hat der beschuldigte 41-jährige Polizist sämtliche Vorwürfe eingeräumt. In erster Instanz hatte das Amtsgericht Herford den Beamten zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und drei Monaten verurteilt. Jetzt profitiert der Polizist von einem Deal.

Bei einer Verkehrskontrolle im Juni 2014 hatte der heute 41-jährige Polizist einen Autofahrer unvermittelt geschlagen und mit Pfefferspray besprüht. Der Fahrer war zu schnell und hatte am Steuer telefoniert. Ein Video zeigt die völlig aus dem Ruder gelaufene Kontrolle.


Polizist räumt alle Vorwürfe ein

Am Montag ließ der Beschuldigte eine Erklärung von seinem Anwalt verlesen. Darin räumte er – mit Einschränkungen – sämtliche Vorwürfe ein, bestätigte Guiskard Eisenberg, Sprecher des Bielefelder Landgerichts, unserer Redaktion auf Anfrage. Das Amtsgericht Herford hatte den 41-Jährigen wegen Körperverletzung im Amt in Tateinheit mit Freiheitsberaubung, der Verfolgung Unschuldiger im Amt und Betrugs verurteilt. Der Polizist hatte den Vorfall anders geschildert, sich als Opfer dargestellt und versucht, seine Tat zu vertuschen. Er hatte Schmerzensgeld gefordert, was das Gericht als Betrug wertete.


Deal geht Geständnis voraus

Dem überraschenden Geständnis am Montag vorausgegangen war ein Deal: Den 41-Jährigen erwartet nun eine Bewährungsstrafe von maximal neun bis elf Monaten. Das ist von entscheidender Bedeutung, denn bei einer Verurteilung von mehr als einem Jahr wie in erster Instanz verliert der Polizist automatisch seine Beamtenrechte. Bei neun bis elf Monaten „passiert das nicht automatisch – dann ist es Ermessenssache”, erklärt Eisenberg. „Aus dem Schneider ist er damit also noch nicht.”

Im weiteren Verfahren soll der Geschädigte erneut vernommen werden. Am Montag oder Dienstag dürfte das Urteil fallen, sagt Eisenberg.