Ausstellung in Petershagen Glashütte Gernheim zeigt venizianische Glaskunst aus Murano

Erst kleiner Klumpen, dann große Blase und später ein Glas: Die Arbeit der Glasbläser in Murano sieht einfach aus, erfordert aber viel Übung. Foto: Archiv/dpaErst kleiner Klumpen, dann große Blase und später ein Glas: Die Arbeit der Glasbläser in Murano sieht einfach aus, erfordert aber viel Übung. Foto: Archiv/dpa

Petershagen. Die ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts gelten als erfolgreichste und innovativste Phase der Glasproduktion Muranos. Die Gläser aus den Hütten der venezianischen Inselgruppe sind heute Klassiker und werden auf dem Kunstmarkt hoch gehandelt. Eine Ausstellung in der Glashütte Gernhein im ostwestfälischen Petershagen zeigt noch bis zum 7. Oktober 2018 einen repräsentativen Querschnitt von Arbeiten dieser prägenden Phase.

Mit der Ausstellung knüpft die Glashütte Gernheim an die 2014 gezeigte Schau zum venezianischen Glas des 19. Jahrhunderts an. Diesmal steht die Formgebung im Mittelpunkt – daher auch der Titel „Le forme del vetro“ (Die Formen des Glases). Kurator der Ausstellung ist der italienische Kunsthistoriker Aldo Bova, wie der Landschaftsverband Westfalen-Lippe in einer Presseinformation schreibt.

Die Glashütten Muranos lösten sich Anfang des 20. Jahrhunderts von den überlieferten Gestaltungen des vorhergehenden Jahrhunderts und entwickelten eine aus heutiger Sicht moderne Formensprache. An die Stelle üppiger Dekore und detailreicher Applikationen trat nun eine reduzierte Gestaltung mit klaren Konturen und oft monochromen Glasmassen.

Die Gläser der Ausstellung zeigen das spannungsreiche Verhältnis zwischen Tradition und Neuschöpfung, wie sie sich in jener Zeit auch andernorts entwickelte. So verbindet die besondere Formgebung und die Materialität die Muraneser Produktion mit den zeitgenössischen Formen des „Neuen Stils“ in Österreich und Deutschland oder des Art Déco, wie er ein Jahrzehnt später in Frankreich aktuell wurde.

Umfangreiches Begleitprogramm

Wer mehr über die Kunstwerke aus Italien erfahren möchte, kann sich den kostenlosen Sonntagsführungen anschließen. Termine: 6. und 13. Mai, 17. Juni, 29. Juli, 19. August, 23. September und 7. Oktober, jeweils 15 Uhr (nur Eintrittsgeld).

Zum Begleitprogramm der Ausstellung gehören die Thementage „Jugendstilornamente“ am 13. Mai und der „Battuto“ am 15. Juli. Vor den Augen der Besucher werden am Ofen die gläsernen Rohlinge dieser venezianischen Technik hergestellt, die an einem weiteren Thementag im September in der Schleiferei bearbeitet werden.

Abgerundet wird das Programm durch Vorträge von Gerd Dethlefs zum Thema „Façon de Venise-Gläser – Gläser nach venezianischem Vorbild in westfälischen Sammlungen“ (21. Juli) und von Verena Wasmuth (8. September) über „Virtuose Raritäten aus Murano. Richtungsweisende Tendenzen im Glasdesign des frühen 20. Jahrhunderts“ sowie einem italienischen Gartenfest am 26. August.

Das Museum ist dienstags bis sonntags sowie an Feiertagen von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Adresse für die Navigation: Ovenstädter Straße, Höhe Haus Nr. 39. Erwachsene zahlen 3 Euro Eintritt, ermäßigt 2 Euro, Kinder 1,50 Euro.